Hamburg-Berlin passiv

Didi A. Senftenberg sitzt in einem Weddinger Bierlokal, als er Zeuge eines am Nebentisch geführten Gespräches wird. Sei es seiner leichten Schwerhörigkeit und seiner Liebe für Marschmusik geschuldet, sei es seine Berkiner Unbekümmertheit, sei es seine Vorliebe für exotische Frauen: als er die Worte „Hamburg“ und „fahren“ hört, mischt er sich ein.
Mit einem frischen Schultheiss in der Hand steuert er auf die winzige freie Tischecke zu und begrüßt die dort sitzenden Gäste mit den Worten: „Wann gehts los? Ich bin aber sowas von dabei!“

Die Anwesenden blicken auf, „Alta, weißte überhaupt, worum es geht?“
„Hamburch! Das Tor zur Welt! Die Schiffe, der Hafen, die Kneipen und die Weiber! Bin ich bei!“
„Wir fahren ein Zeitfahren von Hamburg nach Berlin. Auf Fahrrädern.“
„Excellent, aber sowas von!“
Senftenberg bestellt eine Runde für alle, damit er einen Grund hat, der verschworenen Meute weiter auf die Pelle rücken zu können.
„Also, wann gehts los?“

Viele Stunden und noch mehr Biere später ist es beschlossene Sache, Didi A. Senftenberg hat seine erste Akreditierung für ein Radrennen in der Tasche. Und den Kopf voller Pläne, die im Laufe der Nacht immer wirrer werden…..

Freitag, 11.Oktober. „All inclusiv“ hatte Senftenberg versprochen und so steht er schwer bepackt an Gleis 8 des Berliner Hauptbahnhofes. Der Zug fährt pünktlich ein und hat sieben Minuten Aufenthalt. Der Zug ist noch nicht abgefahren, als die erste Runde Bier der Fahrt schon Geschichte ist. Frische Pizza, Nüsse, Knabberzeug, an alles ist gedacht und die anderen Passagiere im Zug sind ein wenig neidisch. Besonders die Passagiere, die auch ein Rennrad dabei haben und am nächsten Tag starten wollen. Ungläubig registrieren sie den ungezähmten Hunger und vor allem den Durst.

„Hamburg Hauptbahnhof!“ Die Flaschen werden mit einem letzten Zug geleert, aussteigen und zum Holsten-Stand im Hauptbahnhof. Die morgige Konkurrenz geht kopfschüttelnd vorbei, während die Berliner Abordnung des ESK vom Hamburger Aussenposten in die Arme geschlossen wird. Während zusammen die erste gemeinsame Runde getrunken wird, muß sich Janibal ausziehen. Heerscharen von Jungfrauen verharren und bewundern den entblößten Körper. Ein Schwur mit Blut besiegelt, dann empfängt Janibal das Ornat des Ordens vom Eisernen Schwein. Er entschuldigt sich bei den Jungfrauen und verweist auf den nächsten Tag. Die anderen Kader ziehen ins traute Heim des Christian von HH, wo bereits aufgetischt wird. Christian hat sich bei der Fahrt zum Bahnhof einen Reifen platt gefahren und will auf neues Material setzen. Der Reifenwechsel findet bei unglaublich staubiger Luft statt, der Durst wird mit weiteren Bier bekämpft. Die neuen Mäntel lassen sich nur schwer montieren, immer wieder platzen Schläuche beim ersten Lasttest. Doch die Stimmung bleibt gut, vielleicht weil reichlich Schläuche und Bier vorhanden sind.

Mitternacht ist weit vorrüber, Opi gähnt seit Stunden, als die Equipe und der Berichterstatter sich endlich niederlegen. Nur drei Stunden später klingelt der Wecker. Noch regnet es nicht, doch das soll sich bald ändern. Espresso, etwas Essen. Klamottenwahl. Bei Senftenberg ist es einfach, fährt er doch im Pressekonvoi.

Für 5:00 ist das Taxi zum Startort Altengamme bestellt. Doch das Taxi kommt nicht, nach 10 Minuten der erste Anruf beim Fahrer, der geht nicht dran. Die Taxi-Zentrale will sich kümmern, 5:30 meldet sich der Fahrer endlich, ob wir noch ein Taxi brauchen würden? Die Wartezeit bis zur Abfahrt wird zum Anlegen der Regenkleidung und noch einigen Klobesuchen genutzt.

6:15, die ersten starten in Geesthacht und das Team „Eisenschweine auf Stahl“ erreicht die Startnummernausgabe. Nichtmal 20 Minuten bis zum Start bleiben, nicht genug Zeit für das Buffet, das Klo, die Aufgabe des Gepäcks, das Befestigen der Startnummern und der Begrüßung von Bekannten. Bei ständig stärker werdendem Regen muß man Prioritäten setzen.

Didi A. Senftenberg dagegen hilft beim Start mit, tackert hier und da ein paar Startnummern fest, nervt die Starter mit seinen bekannte schlechten Witzen und wartet auf die Überreste des Buffets. Als nach über 2 Stunden endlich alle gestartet sind, darf er endlich in der Limousine des Veranstalters mit auf die Strecke. Bei strömendem Regen werden die ersten Heroen der Landstrasse überholt, aufmunternde Worte aus dem heruntergelassenen Seitenfenster werden mit verachtenden Blicken beantwortet.

Die erste Reifenpanne am Wegesrand, die Fahrer bekommen mit ihren kalten und nassen Händen den Reifen nicht von der Felge. Senftenberg steigt aus und hilft, so gut er es mit seinen beiden linken Händen versteht. Kurze Zeit später das gleiche Spiel, ordentliche Reifenheber und eine Standpumpe wäre jetzt mehr als schmückendes Beiwerk.

In Dömitz kurze Rast und ein paar weitere schlechte Scherze und das Wetter lassen einige Fahrer aufgeben. Die beiden Servelo-Teams haben ein riesiges Begleitfahrzeug dabei (überhaupt sind einige unerlaubte Begleitfahrzeuge im Tross) und sitzen nach kurzer Zeit in trockene Sachen gehüllt im Auto Richtung Heimat.

Anders Senftenberg, der gegen 14:00 die Hauptstadt und das Ziel erreicht und die finale Zeitnahme vorbereitet. Die offizielle Uhr fiel runter und musste repariert werden….

Team Eisenschweine auf Stahl kommt als dritter Zug ins Ziel, gekühltes Bier steht bereit, la Ola am Strassenrand. Nach heißer Dusche und Trikotwechsel sitzen alle Fahrer zusammen im Casino und die Geschichten des Tages werden immer lauter und grandioser. Einige Fahrer möchten auch so ein schickes ESK-Trikot tragen oder wollen gar Eisenschweine werden, lehnen aber Bierkonsum ab. Was soll man dazu sagen? Selbst Janibal hat nach 20 Jahren ohne Bier wieder zu sich selbst gefunden….

Weitere Eindrücke von der Strecke gibts und

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9 Antworten auf “Hamburg-Berlin passiv”


  • Wir standen immer aktiv in Konatkt zu Herrn A. Senftenberg (passiv) vom Begleittross und so wusten wir stets wo wir waren.

  • … einfach grandios … das Event und die Schilderung. Ich bin begeistert. Danke !!!

  • Ohne Didi Senftenberg und seinen alter ego wären beim ESK echt die Lichter aus! Danke, Didi!

  • „Einige Fahrer möchten auch so ein schickes ESK-Trikot tragen oder wollen gar Eisenschweine werden, lehnen aber Bierkonsum ab. Was soll man dazu sagen?“

    Ja… – da fällt einem nichts zu ein – wo jibbet es denn sowas???

    Beste Grüße,

    Martin vom HallZig-Express :-)

    • Mit Stand 11.11.13/14:00 weißt Du ja was zu tun ist… ;-)

      • gilt Erdinger-Alkoholfrei auch als Bierkonsum???

        • Nein. Laut ESK-Statuten ist Bier ein alkohol- und kohlensäurehaltiges Getränk, das durch alkoholische Gärung aus den Grundzutaten Wasser, Malz und Hopfen gewonnen wird. Versuche, Bier durch Mixgetränke aus Branntwein und koffeinhaltiger Limonade zu ersetzen werden nicht geduldet. Einzig der Beifahrer ist erlaubt. Sicher wird Senftenberg sich demnächst dazu äußern…

          • Es ist an der Zeit festzustellen, dass es sich bei Herrn Senftenberg zweifelsfrei um einen untadeligen Radsportkollegen handelt, welcher ohne jede Einschränkung aller Ehren wert ist. Es muss aber auch festgestellt werden, dass ihm die Deutung der ESK-Statuten zu keiner Zeit offiziell übertragen wurde. Die aktuelle Anfrage kann zum jetzigen Zeitpunkt wie folgt beantwortet werden:
            Der Konsum alkoholischer Getränke – wie bspw. Bier – durch Kader oder Aspiranten wird gerne gesehen, ist und war aber keine Voraussetzung zur Mitgliedschaft bzw. zur Aspiranz.

  • Sehr geehrte Damen und Herren, die Inhalte der Statuten Ihrer Sportgemeinschaft blieben mir bisher verborgen, so soll es auch bleiben. Einzig gegen die plärrende Stimme der Reklame, welche die neumodischen Getränke mit den Attributen „isotonisch“ und „voller wertvoller Inhaltsstoffe und Vitamine“ anpreist, muß angeschrieben werden.

    Ergebenst

    Didi A. Senftenberg

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