III. Huschke-Gedenkfahrt, Oranienburg am 1.9.1926

Ein Rennbericht von Jannibal aus Hamburg, dankenswerterweise kopiert. Quelle!

Jörg holt mich pünktlich um 5 Uhr ab. Und unterwegs ist sogar war noch ein Kaffee möglich, so pünktlich. Wir fahren im Sonnenaufgang gegen Osten, leichter Nebel über den Feldern und Rehe überall. Sonst nichts, ist ja Brandenburg. In Oranienburg, eine Stadt oberhalb von Berlin, suchen wir nach dem Gedenkstein für Adolf Huschke. Jörg bleibt ruhig, so ein Stein kann nicht weg sein. Ist er aber in Oranienburg, denn er steht in Sachsenhausen, geht aber unter vor lauter Hinweisen an das KZ.

Am Huschke Gedenkstein sehen wir bei der unser ersten Irrfahrt einen alten Mann stehen, bei der zweiten Suche war er weg und taucht im Rückspeigel auf. Der Geist von Huschke denken wir. Das Auto parken wir in einer Seitenstraße, wo schon ein Eisenschwein sein Material zusammenbaut. Wir legen unsere Freizeitklamotten ab und wechseln in alte Sachen und damit auch die Zeit.

So rollen wir zum Denkmal, dort wartet mittlerweile der Enkel vom Huschke und der Geist entpuppt sich als ein Fotograf. Auch Johanna und Uwe sind schon da. Kurz drauf kommen die Schweine vom Bahnhof. Vorneweg twobeers, der Braumeister, Organisator, Propagandazentrumschef und Tobias, wie er auch genannt wird. Er legt eine Schleife am Denkmal nieder und der Enkel vom Huschke freut sich über die Aufmerksamkeit. Ein paar Bilder und schon geht es fast los.

Twobeers meint, die Strecke ist nicht ausgeschildert, weil entsprechende Personen keine Zeit gehabt hätten, dafür gibt es ein Begleitfahrzeug (Teambus ESK) und einen Lkw für die Laben. Gefahren wird in der Gruppe und gewartet auch. Falls es doch zu Auflösungserscheinungen kommen sollte, hat Rob ein Starterbeutel vorbereitet. Der Inhalt ist eine detalierte Kartenkopie, ein Met-Gel und ein Schlauch bis 25mm. Der Starterbeutel selbst ist aus Papier und kann zum entzünden des Feuers im tiefen Wald genutzt werden, wenn ein Bär in die Falle gegangen sein sollte.

Schon nach 300m Kopfsteinpflaster die ersten Platten. Die Sonne wärmt schön um 8:30 Uhr und so tauschen wir neuste Renngeschichten aus. Und Geschichten der alten Räder. Viele Crosser, aber auch alte Stahlräder mit Schlauchreifen. Ich bin auf Stahl mit 23/25mm Reifen unterwegs, 7bar gegen Durchschläge, weiter Qualitätsmerkmale meines italienischen Handwerksproduktes: 170er Kurbel, Bio-Pace, 7-fach SIS-Schaltung, Schaltwerksblech im Schnellspanner geklemmt. Jörg auf dem Stevens-Plastik-Crosser ,mit 28/28mm Reifen und 5bar. Wir überleben das erste Kopfsteinpflaster, dafür auf den folgenden Betonplatten ein Durchschlag bei Jörg. Und auch ein ES ist betroffen.

Pause, pumpen, Sonne, Leere nahe Neuholland (Holland, weil hier das Wasser abgepumpt wurde und Land entstand, damals). Wieder Kopfsteinpflaster und erste verlustige Flaschen. Auch wird falsch abgebogen, da sich die Rotte auf dem Gerüttel schnell zerfällt, Jörg sammelt alles wieder ein.

Dann Hauptstraße und einmal links, einmal rechts und twobeers weist auf den Vorteil einer Blasenentleerung hin. Es sollen die ersten 8km von 20km Paves (Kopfsteinpflaster) folgen, nicht den Sommerrandstreifen berühren, sondern den Ultraschall genießen. Zur besseren Veranschaulichung stelle ich mir Rundungen in der Sommerhitze vor…

Schon nach ersten Berührungen mit der Gänsehaut verlasse ich den dunklen Bereich und gleite ab in die Sommerrandstreifen. Hier ist es auch heiß, du brichst ein und beginnst zu schwimmen.

Dann endlich Verpflegung, ich mache vorher noch ein Foto, im Liegen, bin nicht aus dem Pedal gekommen und bei 0km/h auf dem weichen Sommerrandstreifen umgefallen. Nichts passiert, sogar Foto gemacht, aber unscharf. Oben

Laben, labern, lecker. Es gibt viel Zwiebel mit Brot und Matjes oder Mett. Getränke eisgekühlt in verschiedenen Formen und Geschmacksrichtungen. Ein unglaubliches Angebot was so tief im Osten bis jetzt selten gesehen wurde. Neueste Geschichten über taube Hände sind nur erfunden, denn es soll noch 12km so weiter gehen. So gestärkt rumpeln wir weiter. Kaum noch Sommerrandstreifen und so Gänsehaut pur. Die Finger brennen wie damals, als wir mit dem Rohrstock gezüchtigt wurden.

Dann Abbiegen nach einem kleinen Anstieg. Hier liegt Teer auf den Steinen, von 1936, es ist die Zufahrt zu Carinhall. Da ich kurz vorher vorne einen Durchschlag erlitten hatte, verzögert sind die Weiterfahrt etwas. Jörg wartet ruhig und geduldig. Auf der folgenden Hauptstraße werden wir beim Abbiegen fast überfahren.

Eine Gerade von Kopfsteinen und in der Mitte steht ein ES, es ist Zweibier. Blutiges Knie und Arm angewinkelt, Helm kaputt. Laut seine Aussage: weggerutscht auf dem Streifen, aus dem Pedal gekommen und dann geflogen, Landung auf den Spitzen und steinhart. Gefährliches Pflaster, dieses mit den Sommerrandstreifen. Aber der Mann steht noch. Der Teambus kommt schon um ihm einen würdevollen Abgang zu verschaffen. Zur Pflege soll ein Hospitz angesteuert werden.

Die Labe ist nicht weit und hier wird gelabert, wie konnte das passieren. Die Hoffnung liegt auf ausgekugelt oder geprellt, aber dadurch würde nicht abgebrochen, es geht um die Ehre. Auch sonst zeigen sich ein paar Auflösungserscheinnungen, also Fischbrötchen 3&4 geschlungen, vollen Druck auf den Reifen und weiter über Stock und Stein, durch Tal und über Berge. Aber auf Halbmast. So schmerzen die Hände, nicht die Fingerspitzen, der Kopf wackelt, nicht die Haare fallen aus und die Flaschen sind von alleine nur noch halb leer. Brandenburg halt, fast leer.

Nach viel Teer und noch einer langen Sandpiste schiebt Staubi, ein RacES, seine Schlauchreifen durch die Gegend, die Milch macht nicht dicht. Wir erreichen die wandernde Labe auf dem LKW und warten bis sich das Kader gesammelt hat. Staubi bekommt ein neues Vorderrad und ich Fischbrötchen 5&6. Dazu eisgekühlter … Wasser.

Jetzt noch mal Gänsehaut, die Crosser können Sommerrandstreifen fahren. Ich breche mit meinen dünnen Reifen ein und muss öfters mal wieder Schwung holen, das gibt dicke Beine. Meine Radwahl gleicht der Bundestagswahl: egal, ändern kann ich es nicht. Und viel Teer mit Gegenwind, die Gruppe zerfällt und wird durch moderne Navigation wieder zusammen geführt. Für das letzte Stück Köpfe. Dann auf ehemaliger Bahnstrecke zurück nach Sachsenhausen, Gedenkstätte.

Was muss das für ein Wille gewesen sein, freiwillig wie der Huschke, solch Gelände zu berühren. Bis zum bitteren Ende…

Die Begleitfahrzeuge treffen ein und der Grill wird entzündet, nur twobeers fehlt am Ende, Schlüsselbein gebrochen und OP ohne Promille. Wir gedenken weiter dem Adolf Huschke mit gebrochenen Rahmen, vielen löchrigen Schläuchen und 140km auf seinem Trainingsrevier, dem twobeers mit Flaschen am Hals und dem ESK für die außergewöhnliche geile Veranstaltung…

(twobeers, lass mich nicht alleine, wa, das wird wieder)

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