Schwarz auf Eis

Wer den Frühling zwingt, sollte mit dem Winter seinen Frieden gemacht haben. Bevor die Gletscher aus den märkischen Wäldern verschwinden und heißer Sand abwechselnd mit schweißgetränktem Kopfstein in den Vordergrund tritt möchte ich doch noch von unser Skitour bei den lieben Nachbarn berichten.
Nach dem zögerlichen Test im letzten Jahr wollten wir nun den Riesengebirgskamm und das Isergebirge von Südost nach Nordwest durchqueren.

Startpunkt der Tour sollte Trutnov im Tal der Upa sein. Den Kombinationswagen haben wir zuvor sicher in Liberec auf dem Bahnhofsareal zwischen Berufspendlern versteckt und uns dem tschechischen Bahnverkehr anvertraut. Eine durchaus entspannte, günstige und zuverlässliche Institution die die Tradition des Bahnhofsvorstehers noch ausgiebig pflegt.

KRK-1

Tag 1
Der Tag begann bei 0° C und Schneegriesel bei bewölktem Himmel. Von 414m im Ort wanderten wir  zunächst die Ski geschultert, aus dem Ort hinaus. Mit der Wolkenkante war auch der Ortsrand erreicht und die Bretter kamen endlich dorthin wo sie bis zum Abend auch bleiben sollten. Grob hatte ich mir auf dem Sattelitendingens etwas zurechtgeklickt was sich tatsächlich als Wanderweg („der Rote“) entpuppte. Zu unser Überraschung war jener Wanderweg sogar gespurt und die Schneeauflage ausreichend.

KRK-2

Vorbei an der Webrovka, mit seiner Sammlung abgelegter Abfahrtsski, und leichtem Auf und Ab erreichen wir die Festungsanlagen von Stachelberg. Nun geht es kräftig nach oben und der zuvor noch breite Weg wir immer schmaler. Oberhalb von Zacler erreichen wir in dichtem Nebel die Riesengebirgs- Skimagistrale.

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In Horni Alberice ist dann noch eine nicht wirklich nötige Talabfahrt eingebaut. Der Gegenanstieg zählt uns dann das erste mal an, haben wir doch schon knapp 7h in den Knochen. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir die Skipisten von Kostel und Mala Upa. Kurz darauf erahnen wir im Nebel unser vermeintliches Tagesziel, die Pomezni Bouda in Mala Upa, denn sie ist mit Automobilisten bis auf den letzten Platz ausgebucht.

KRK-4

Das Schild zur Jelenka wies nur 3,5km aus. Nur leider im weiteren Aufstieg von 1050m auf 1250m. Doch auch das war bald geschafft und die spannende Frage ob wir hier noch ein Plätzchen erhaschen konnten, stand im Vordergrund. Nach 8,5h wären wir auch nicht mehr in der Lage gewesen uns woanders hinzubewegen.

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Der Wirt mit seinem Kippchen vor der Hütte sah uns schon kommen. Er meinte uns erst einmal auf den Arm nehmen zu müssen. „Habt ihr reserviert? Wir sind voll! – Quatsch“ Als einzigste Gäste hatten wir freie Platzwahl und Einzelbedienung. Die Svetly schmecken nun knapp 800m höher als am Abend zuvor gleich doppelt so gut.

Tag2
Nach einer ruhigen Nacht in knarrenden Doppelstockbetten und einem prima Frühstück ging es raus vor die Tür . Heute sollten die relevanten Erhebungen des Riesengebirgskamms bis hinauf zum Reifträger in Angriff genommen werden. Noch steckte die Hütte tief im Nebel.

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Doch keine 100hm weiter oben stiegen wir aus der Wolkenküche. Sicht bis zum Horizont und direkt vor uns die Schneekoppe mit ihrer flacheren Südflanke. Eine halbe Stunde später stehen wir bei Temperaturen über Null auf dem höchsten Berg des Riesengebirges und sehen den weiteren Wegverlauf vor uns.

KRK-8

Der steile Abstieg zum Schlesierhaus erfordert nach einmal etwas an Konzentration bevor wir mit Wind im Rücken auf herrlich glattem aber griffigem Schnee Meter machen. Kein Vergleich mit den Strapazen des letzten Jahres wo wir uns im Sturm und ohne Sicht jeden Meter erkämpfen mussten. Zum Spindlerpass sind dann kaum Worte zu verlieren, wobei wenn schon touristenverseucht, dann sollten Sie wenigstens noch einen Kiosk hinstellen. Im Gegenanstieg zu den traurigen Resten der Peterbaude wähnt man sich schon fast im Bergfrühling. Ohne Jacke, Handschuh und Mütze gibts direkt den ersten Sonnenbrand des Jahres. Dann noch schnell um das Hohe Rad herum, in die Abgründe der Schneegruben geschaut und schon liegt der Reifträger zum Greifen nah.

KRK-11

Fast noch etwas früh um den Tag zu beschließen. Wir mieten uns erstmal auf Polnischen Gebiet ein, Parken den Rucksack auf dem Zimmer und statten der Vosecka noch einen Besuch ab. Als wir dort eintreffen verabschiedet sich gerade eine größere Jugendgruppe zu Tal um im Abstand von 10m einzeln in kompletter Mannschaftsstärke in den Hang einzuschlagen. Was ein Schauspiel. Wir gönnen uns Strudel und Svetly, sind aber von Preis und Personal enttäuscht.

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Im golden Abendlicht fahren wir dann durch die Sausteine zurück zum Reifträger und beschließen den Abend bei Zywiec und Barszcz.

Tag3
Wir ahnten bereits, dass wir keine zwei Tage am Stück solch Wetterglück haben werden. Die Höhenlagen des folgenden Tages lagen ohnehin am Abend schon unter Wolken. Zudem war das Übersetzen ins Isergebirge ohne großen Höhenverlust nicht ganz unstrittig.

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Wir hatten uns da was zurechtgelegt, aber ob die Wege im Winter fahrbar und im dichten Nebel auch zu finden sein würden wussten wir nicht. Doch irgendwie fanden wir die Spur der Tourengeher die vom Paß in Jakuszyce heraufkamen. Der mussten wir nur folgen. Nur benutzbar war diese Spur nicht. Im kompakt gefrorenem Schnee war bremsen darin unmöglich. Also schön nebenher und auf den Beinen bleiben. Mehrere Male gong ich ab, beim ersten mal rutsche mir noch die Teekanne aus dem Gepäck und ging wie ein Geschoss erstaml 100m talwärts, blieb aber in einer Kerbe liegen.

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Die Spur führte uns geradewegs ins Skizentrum von Jakuszyce wo wir von einer mehrtägigen Skigroßveranstaltung in Empfang genommen wurden. Unter den Klängen von Highway to hell wurden ca 1000 Langläufer auf die Strecken geschickt. Die, und das war der unschöne Haken, für uns gesperrt waren. Wir mussten also wieder improvisieren und die Talvariante über Orle zum Heufuder hin wählen. Doch so richtig bezaubernd war das Wetter für die Kammvariante eh nicht. Entlang der unzähligen Fließe durch Hochmoore ging es auf stets gespurten Loipen vorbei an  der Chatka Gorzystow auf den Heufuder mit gleichnamiger Baude.

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Da selbige von einer Kabinenbahn erschlossen und von einem Skigebiet umgeben ist, war auch mit Andrang zu rechnen. Wir bekamen aber noch ein Zimmer zwischen Wochenendgästen und Selbstverpflegern. Wir verbrachten den Abend damit, uns ganz gemächlich die Karte abzuarbeiten. Das ausgeschenkte Piast konnte im Vergleich durchaus mithalten.

Tag4
Nach einer doch etwas unruhigen Nacht und einem reizendem Früstück begann der neue Tag wieder mit strahlendem Sonnenschein. Endlich sah man auch wo man war und herkam.

KRK-17

Vor dem Heufuder konnte man ins weite Land blicken und im Rücken die Höhenzüge des Riesen- und Isergebirges. Das erste Tagesziel war der Smrk auf tschechischem Gebiet. Der Turm auf dem flachen Gipfelrücken musste natürlich bestiegen werden, war er doch zudem dick eingeeist.

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Kurz darauf befindet man sich im Loipengebiet rund um Smedava inmitten von fitnessbesessenen Tschechen. Ständig wird einem gezeigt wie langsam man unterwegs ist und wie elegant Skifahren sein kann. Schöne auch der Kiosk ‚Na Kneipé‘ wo sich zum Teil Warteschlangen bis 50m bilden.

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Für uns hieß es jetzt nur noch bergab und mit den Massen den Zieleinlauf zum Skibus nicht zu verpassen. Mit jedem Meter bergab wurde auch der Schnee weicher und die Loipen voller. Jetzt noch mal konzentrieren um unversehrt anzukommen. Direkt mit der Ankunft in Bedrichov stand der Skibus zur Abfahrt bereit und fast ein bisschen unvermittelt schaukelte uns der CSAD (gibts eigentlich gar nicht mehr) zurück nach Liberec.

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Und da die Karre am Bahnhof noch stand, konnten wir gleich wieder zurück nach Heynice fahren, um noch einen Tag ohne Rucksack und auf Skatern rund um Smedava dranzuhängen. Das wäre aber schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Frühling – bitte übernehmen.

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4 Antworten auf “Schwarz auf Eis”


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