Betreutes Radfahren in der Uckermark

Die BSG Empor Karlshorst Süd hatte sich mit ihrer Ausschreibung zur 1. Kaderfernfahrt 2012 ja weit aus dem Fenster gelehnt. Und so wurden 3 verschiedene Wertungsklassen nach Bauarten ausgeschrieben (voll-, halb und ungefedert), weiter wurden 5 Altersklassen getrennt zum Start gerufen und diese auch noch nach Geburtsbundesländern getrennt gewertet. Deshalb steht eine abschließende Wertung noch aus.

Gefahren wurde durch die Uckermark, ein Gebiet deutlich größer als das Saarland oder so groß wie 450.000 Fußballfelder. Dafür leben dort weniger Menschen als im Prenzlauer Berg, die Gegend gilt nach europäischen Maßstäben als entvölkert. Und auf 300 Einwohner kommt ein See.  Beste Bedingungen also für ein Abenteuer in Wald und Heide. Der Morgen schon warm, der Startschuß fällt in Chorin und Minuten später stehen wir an der Kroneneiche, welche vor 6 Jahren das letzte Mal austrieb. Jetzt wird gestritten, ob sie stehenbleiben soll oder ob das Forstamt Chorin 17 Festmeter feinster Eiche verkaufen darf. Apropos Forstamt Chorin. Im Gebiet dieses Forstamtes befinden sich über 50km Pflasterstrassen, bei Paris-Roubaix werden auch nur 50km Pflaster befahren, diese allerdings auf über 250km Gesamtstrecke.

Wunderbar ist der lichte Buchenwald, sonnenbeschienen die vielen Seen und Tümpel, die Zeit und die Strecke vergeht wie im Flug. Meine nächste Erinnenrung habe ich erst wieder an Gustavsruh. Hier möchte ich den Ortsvorsteher auf die nicht mehr zeitgemäße Schreibweise des Ortsnamens hinweisen, mindestens ein Apostroph sollte doch eingebaut werden. Vorher oder nachher besuchen wir noch eine verfallene Scheune, einzig das Dach aus Wellasbest wird auch die nächsten 1000 Jahre unbeschadet überstehen, doch die seit Jahren von Jockel immer wieder besuchte Flasche ist nicht mehr vor Ort. Deshalb hier noch ein Bild von ihr.

Verschollen....

Toni hatte nur eine Flasche am Rad, diese war auch bald leer, Jockel dagegen hatte zwei Flaschen, die bis zum Tourende fast voll blieben. Dafür war der Inhalt leuchtend rosa, die Berliner Nachwuchshoffnung im Bahnradsport wählt wohl den Getränkezusatz farblich passend zum Nagellack. Vielleicht kann ja jemand ein Bild dazu beisteuern.

Wir erreichen den Fernradwanderweg Berlin-Usedom an einer unbefestigten Stelle und halten am ersten Gehöft. Die Bitte nach etwas Wasser wird mit den Worten „Weg vom Zaun!“ erwidert, Wasser bekommen wir dann aber doch noch. Wir sind noch nicht wieder richtig auf dem Rad, als ein Mitfahrer offensichtlich eine Panne provoziert oder einfach nur vortäuscht. Da mein Bordmeßinstrument den Dienst ob der geleerten Batterie verweigert, fahre ich frei vom Gefühl für Geschwindigkeit, Strecke oder Uhrzeit. Die Sonne steht die ganze Zeit hoch am Himmel, da wir dauernd die Richtung wechseln, kann ich auch von dort keine Schätzung der Tageszeit erhoffen.

Eine Erinnerung habe ich noch an die bepackten Leihesel. Man darf sie mit bis zu 30kg beladen, maximal 2 Stunden mit ihnen in Schrittgeschwindigkeit gehen (wie sonst?) und dann muß eine halbstündige Pause folgen. Vielleicht könnte so eine unserer nächsten Touren aussehen.

Boitzenburg erreiche ich nur noch schleppend, der Grund wird mir beim Blick auf Jockels Uhr offensichtlich. Wir sind seit 5 Stunden unterwegs! Doch eine wirkliche Pause ist erst in Thomsdorf vorgesehen. Toni muß halten und ein Gel nehmen. Mit Blick auf seinen Navigationsbildschirm resigniert er und sagt „Hier kommt kein Thomsdorf mehr. Und auch sonst kein Ort.“ Doch der Schein trügt, bald bekommen wir die letzten kalten und dann auch warme alkoholfreie Weißbiere, etwas Streuselkuchen und schon kanns weitergehen. Fürstenberg an der Havel wird als Ziel ausgegeben. Dort können wir unter ohrenbetäubender Beschallung („Ich bin stark, stark, stark wie ein Tiger…“) der Maibaumaufstellung bzw. den Vorbereitungen dazu beiwohnen. Der schmerz auf den Ohren ist größer als die Erschöpfung, kurz nochmal aufs Rad und in die „Linde“ mit Außenbewirtschaftung am Fließ. Herrlich, auch unter Zeitdruck. Beim asiatischen Spezialitätenrestaurant erwerben wir noch Bier für die Heimfahrt, bei einigen liegt das Verfallsdatum schon etwas zurück, unsere Landwirtschaftsministerin sagt, das wäre in Ordnung, ich muß die Augen zukneifen.

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13 Antworten auf “Betreutes Radfahren in der Uckermark”


  • Ja, die Flasche (Brauerei Karl Dabelow Templin) ist weg. Wer sachdienliche Hinweise, welche zur Ergreifung des Diebes führen, geben kann, bekommt ein Belohnung. Diese könnte z.Bsp. so aussehen, bei einer der nächsten Kaderfernfahrten teilnehmen zu müssen.
    Ansonsten ein pefekter Tag am Rande des Universums. 5 wackere Helden auf grosser Fahrt. Schön war’s.

  • Sehr schön geschrieben hat das der Herr Zwölfbier,am Arbeitsschreibtisch??
    Es war übrigens die 2. Fernfahrt,die 1. hiess Eberswalde-Bad Freienwalde-Erkner,zur Vollständigkeit.

  • Mir wurde ja während der Fahrt mit dem RE3 von einem unbeteiligten nahegelegt mich ggfl. anzuschließen, aber mein defekter Reifen und die Aussicht auf unerhoffte Schinderei mit dem ESK ließen mich davon Abstand halten.

    Steffen

    PS: mit neuem Reifen ging es nur nach Angermünde durch den Grumsiner Forst.

  • Sollte die alte „Blut, Schweiß und Tränen-Tour“ tatsächlich derart verwässert worden sein? Ich kann nichts lesen über Blut, nichts über Tränen und nur ein ganz klein wenig über Schweiß. Glauben kann ich allerdings nicht, dass ihr vier nur mit Jockel rumgerollt seid…

    Mich hat es im übrigens auf der anderen Seite der märkischen Scheibe über den Rand des Universum geführt. Ganze 10 Kilometer führte es mich ins Sächsische Land. Die vorhergehenden 150 führten durch so manche schönen Ecken des Unterspreewaldes und der Niederlausitz.

    rb

  • Abgesehen davon, dass es eher nach lieblicher Kaffeefahrt denn nach Höllenritt mit Robs erwänten dreierlei Körpersekreten anhört, klingt es nach einem feinen Ritt. Fast so wie ganz früher, nur alten Greise auf den Schnappschüssen lassen an die Gegenwart erinnern.
    Ich meinerseits machte zum nunmehr siebenten Mal das nördliche Schleswig-Holstein per Querrad unsicher und muss sagen, dass seine landschaftlichen Reize qualitativ beinahe an unsere Uckermark heranreichen. Wäre da nicht das komplett zersiedelte Universum an monoton wirkenden Eigenheimen…

    • Wäre da nicht das komplett zersiedelte Universum an monoton wirkenden Eigenheimen…

      Klingt wirklich sehr reizvoll. Schade, dass wir nicht dabei sein konnten.

  • Ein Glück, dass ihr nicht dabei wart, sonst hätten wir ständig euer Geheule in den Ohren gehabt: „Wie weit issn noch?“, „Ich muss mal pullern!“, „Hier sind so viel Steine.“
    Blut war zu sehen, Schweiß auch und Tränen hatten wir der schönen Landschaft wegen auf die unsere Alterssentimentalität anschlug.

  • „Gustavsruh. Hier möchte ich den Ortsvorsteher auf die nicht mehr zeitgemäße Schreibweise des Ortsnamens hinweisen, mindestens ein Apostroph sollte doch eingebaut werden.“
    Du sagst es!!! Danke für diesen Seitenhieb, Herr Twobeer’s! :)

  • „Zeitgemäße“ Schreibweise? In Amerika – richtig, aber nicht in Deutschland. Leider grassiert hier der Fehler inzwischen, das Genitiv-s mit einem Apostroph vom eigentlichen Wort abzutrennen, aber korrekt ist es deshalb noch lange nicht.

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