Bornholmer Hütte – Eine Insel im „Latte au lait“-Meer

Am letzten Donnerstag wurde der Sonnenuntergang im Gelände bewundert, die eigentliche Strecke stand beim Start noch nicht fest, nur das Ziel war schon ausgegeben. Umso erstaunlicher war die Tatsache, daß mitten in der Nacht ein weiteres ESK-Trikot in unserer Mitte auftauchte. In den Tiefen des Tegeler Forstes sah der Oberst ein paar Lichter durchs Unterholz huschen und schon pirschte er sich an. Die geplanten Wege zum Ziel unterschieden sich aber, auch wollte der Oberst noch die Machenschaften der marodierenden Forstangestellten inspizieren. Später sagte er darüber: „Ach ja, was für eine besondere Art Blödheit muss man haben, um im Forst zu arbeiten? Wer eine Vorstellung von Verdun 1916 haben möchte, begebe sich in den Tegeler Forst, in die Gegend des Apollo- und Ehrenpfortenberges. Wobei, Verdun deucht mich in diesem Zusammenhang eher wie eine liebliche Blumenwiese. Arschlöcher!“

Diese Worte fielen in der Bornholmer Hütte. Diese Einkehr wurde wegen verschiedener Absagen anderer Gastwirte erstmals gewählt. Und diese Wahl erwies sich als vortrefflich! Der Name „Hütte“ untertreibt oder beschreibt nur den liebevoll gezimmerten Windfang. Dahindert öffnet sich ein Saal von fast 6 Metern Deckenhöhe. „Hier wird nichts geändert. Das letzte Mal wurde hier 1977 in hellbeige gestrichen. Dass es jetzt braun ist, das wurde angeraucht“, sagt Inhaber Matthias Gehrhus und grinst. „So wie Oma und Opa getrunken haben, so soll es auch heute sein.“ Die Kneipe hat über 100 Jahre auf dem Buckel, der Wirt ist die dritte Generation der Inhaberfamilie. Er schiebt nur vier Getränke über den Tresen: „Bier und Schnaps und Schnaps und Bier“. Das Konzept überzeugt: Die älteste intakte Kegelbahn Berlins im Keller der „Hütte“ ist dauernd ausgebucht. Der Wirt geht davon aus, dass das so bleibt.

Jockel schaute ob seiner fehlenden Brille skeptisch auf die liebevoll mit „Menu“ überschriebene Kreidetafel.
„Kostet der Rollmops 6,90?“
„Nee, 90Cent!“
„Und die Knacker 1,70? In Zürich könnteste dit Komma weglassen!“

Grandios, Schultheiss und Brause vom Fass, immer frisch und flott gebracht, die Räder („aber nich mehr wie sechs!“) hätten auch mit ins Zimmer gedurft. Wird wohl nicht unserer Besuch in der Hütte gewesen sein, bekamen wir doch schon beim ersten Besuch den Stammtisch (die Kartenspieler hatten kurzfristig abgesagt).

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11 Antworten auf “Bornholmer Hütte – Eine Insel im „Latte au lait“-Meer”


  • Ja es war gar lieblich dort, ich hab jetzt noch Tränen in den Augen.

    …mich deucht es war der extra Scharfe auf der Knacker.

    Toni

  • Alter, war dit urst. Authentizität im besten Sinn. Wer wissen möchte, wie einst Eckensteher Nante sein Bier und den obligatorischen Kurzen genossen hat, sollte der „Bornholmer Hütte“ einen Besuch abstatten. Ganz grosses Zeitreisekino ohne jeden Schickimickischeiss.

    Zum Thema Tegeler Forst wurde eigentlich schon alles gesagt. Was nicht gesagt wurde ist Riflis spezielle Art der „Problemlösung“: „Wärst Du mit uns mitgefahren, wärst Du schön drumrumgefahren.“

    Mein lieber Rifli, was ist das den für ein Vorschlag? Wie man drumrum fährt. weiss ich selbst. Nur fahre ich – wenn ich die Heimat schon mal verlassen muss – in den versch… Tegeler Forst um den Appollo- sowie den Ehrenpfortenberg sowie die Gegend rundherum zu befahren und nicht, um drumrum zu fahren. Klingt zumindest für mich logisch.

  • …und ich hatte ganz andere Assoziationen bei drumrumfahren

  • Klingt ja so, als würden wir unserem geliebten Panke Eck gewaltig in den Po tretenund zukünftig lieber mit der Bornholmer Hütte rummachen.

    Was macht der Wahl-Zürcher eigentlich allein in unserem Tegelwald?

  • Jaja, die Bornholmer Hütte. Bob und ich sind dort mal vor 4 Jahren versackt. Die Hütte war bei einem Kurierrennen ein sogenannter Checkpoint und es gab Punkte, wenn man einen Sambuca trank. Nun, die anderen Checkpoints bekamen wir nicht mehr zu sehen und die Menge an Sambucas konnte ich nicht mehr greifbar, der Heimweg ein Rätsel.
    Aber Die Hütte ist mir grandios in Erinnerung geblieben.

    1) Skatabend in der Hütte. Wann?

    2) Twobeers, willst du nicht mal einen inoffiziellen und ganz ganz geheimen Kneipenführer schreiben?

  • Den Vorschlag mit dem Kneipenführer habe ich ihm auch gemacht. Unvergleichlich war der Geruch meiner Radklamotten am nächsten Morgen!

  • riecht heute noch…

  • In den Kneipenführer gehört dann auch eine Spelunke an Baa-See, die ist allerdings weit im Osten, man kann schon nach dem Wechselkurs Euro-Zloty fragen…

    Gruß
    Christoph

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