Sportbetrug beim KSGC

Samstagmittag, die Sonne scheint über dem Tempelhofer Flugfeld, ein kalter Wind weht ungehindert über das weite Gras. Zwei Dutzend Radfahrer prügeln ihre Räder um den Rennkurs, während Stelzenacker, von der Härte des Rennens und der Schwächung durch die zurückliegende Krankheit, die Hände vorm Gesicht seinen Kopf stützend abseits sitzt. Entkräftet und enttäuscht. Was er in diesem Moment, in dem das Rennen noch läuft, nicht weiß, ist, dass dieser dritte Lauf des legendären Klaus-Störtebeker-Gedächtniscups im Januar 2012 Erschreckendes zutage treten lässt, was keiner in diesem ehrlichen Kampf Mann gegen Mann für möglich gehalten hätte. Sportbetrug beim KSGC! Geheime Absprachen, Intrigen, Hinterlist bei einem Radrennen, für das Fairness, Sportsgeist und unverkrampfte Freude am Wettstreit einst ein hohes Gut und Synonym zugleich war. Mit journalistischem Ehrgeiz und im Sinne der Wahrheit will dieser Artikel versuchen, offenzulegen, was anscheinend keiner wahrhaben will.

Ist der Störtebeker-Cup gescheitert? Einst gefeierte Instanz des sportlichen Wettkampfs wider vereinsst(at)utenhafte Verbissenheit und spassbefreite Ellbogenmentalität, mutiert das Rennen nun zum Schauplatz von Argwohn, Betrug und unfairen Machenschaften. Eine clever eingefädelte Intrige, in deren Zentrum nur eine Hauptfigur steht: Siegfried Staub! In zweiter Reihe, aber nicht weniger im Rampenlicht, Staubs Helfer Toni. Die Strategie: Einen dritten Lauf zu organisieren, der oberflächlich eine Menge positive Resonanzen produziert, um Kritik im Keim zu ersticken. Die Taktik ging auf. Alle Teilnehmer (fast alle!) waren hellauf begeisert. Eine perfekte Organisation sei es gewesen, ein Fest für alle, ein toller Rennkurs, Verpflegung mit Fischbrötchen und Schmalzstulle, Kalt- und Heißgetränke, großartige Preise, tolles Wetter dazu und das erste Mal echte Startnummern. Perfider Treppenwitz: Stelzenacker konnte sich mit der Startnummer 1 rühmen, ging er doch als Führender der Gesamtwertung an den Start.

Im Hintergrund agiert der Strippenzieher Staub. Er holte das Rennen nach Tempelhof, er steckte den Kurs, er änderte den traditioniellen Rennmodus und er steuerte die Punktevergabe. Für den guten Schein war Toni zuständig.
Zuerst mutet alles nur wie ein Zufall. Das Tempelhofer Flugfeld als innerstädtischer Park scheint perfekt für den Cup. Ehrliche Rennen können hier ausgefochten werden. Manchen liegt der Rennkurs, anderen nicht. Stelzenacker hast dieses Rennen. Aber man kann es nicht allen Recht machen. Rückblickend eins und eins zusammenzählend jedoch erkennt man die Hinterlist. Es ist ein Rennkurs, der Stelzenacker demontieren soll. Ein Querfeldeinkurs, flach, windig, viel Rasen – dieser Kurs ist nur einem auf den Leib geschneidert: Staub selbst. Das Stelzenacker an diesem Wochenende noch an einer auskuriert gedachten Erkältung laboriert, macht für Stelze alles nurnoch schlimmer. Für Staub jedoch ein perfektes Alibi. Saufen, Feiern, körperlicher Verfall, für Staub ein gefundenes Fressen mit diesen Gründen seine eigenen Machenschaften zu Verschleiern.

Doch Staub und sein Helfer Toni, welcher zudem das Renngeschehen protokollierte, wollten zuviel, waren zu gierig. Erst der letzte Punkt deckt die kriminelle Stratgie auf: es ist der Rennmodus und die spätere Punktevergabe, die den wahren Sachverhalt ans Tageslicht holen. Da hilft auch das gegenseitige Überhäufen mit Lob nichts, die Ablenkung vom eigentlichen Geschehen wird nicht ewig aufrecht erhalten werden können. Kritische Fragen werden sich mehren, das Kartenhaus wird zusammenfallen. Was hat es mit Modus und Punkten auf sich?
Stelzenacker lag vor dem Rennen auf Platz eins der Gesamtwertung. Dieser dritte Lauf organisiert von Staub, der vierte und letzte Lauf jedoch wiederum von Stelze. Diese eine Möglichkeit den Erzrivalen Stelze zu distanzieren, muss Staub also in vollem Umfang ausnutzen. Um Stelzenacker ausreichend weit in der Gesamtwertung abzuhängen, muss also zusätzlich zu dem Rennkurs und der Erkrankung Stelzes an der Punktevergabe gedreht werden. Hier bemächtigte sich das Duo Staub/Toni zweierlei Wegen. Zunächst wurde der Rennmodus geändert. Beim KSGC ist es die Regel, dass jede Runde der Letzte rausfliegt bis die drei Besten übrig bleiben. Normalerweise werden also soviel Runden gefahren wie Fahrer am Start stehen (minus 2). Um das Rennen nicht unnötig in die Länge zu ziehen, können jede Runde auch die zwei oder drei Letzten aus dem Rennen genommen werden. Aufgrund der hohen Starterzahl beim Tempelhoflauf jedoch erfand Staub die Regel, dass nach 16 Runden einfach Schluss sei und die Platzierungen dann entsprechend der Reihenfolge im Rennen gelten. Und nun, der zweite Streich, vergab die Rennleitung um Staub und Toni anders als sonst üblich von Platz 30 an jeweils einen Punkt aufsteigend. Platz 1 erhielt demnach 30 Punkte, und das bei nur 16 gefahrenen Runden. In der Finanzwirtschaft würde man sagen, hier hat jemand in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Denn all die Topfahrer aus der Gesamtwertung, inklusive Staub, sahnten hierbei richtig kräftig ab – ausgenommen natürlich Stelzenacker. Dieser fiel nach Addition aller Punkte auf Platz 8 der Gesamtwertung ab und hat nun eine uneinholbaren Rückstand auf die Podiumsplätze. Und Staub? Der liegt jetzt äußerst aussichtsreich auf Platz 2 der gesamten Wertung des Cups. Offensichtlicher kann ein Rennen kaum manipuliert werden. Sportbetrug nach dem Lehrbuch. Wenn die Machenschaften vollends aufgedeckt sind, dann wird von offizieller Seite her kein Zweifel gehegt werden, wer hier auf kriminellem Wege Vorteile erlangt und wessen sportliche Zukunft hier demontiert wurde.

Die wahren Hintergründe dieses Sportbetrugs bleiben unterdessen weiterhin schleierhaft. Staub und Stelze waren in vergangenen Tagen nicht nur sportliche Weggefährten, die waren Freunde auf und neben der Rennstecke. Sportgeschichte wurde von beiden geschrieben. Hier kann höchstens krankhafter Ehrgeiz und egoistisches Streben nach Ruhm, Reichtum und Rampenlicht hinter diesem Zerwürfnis stehen. Der einstige Gefährte ist zum Rivale geworden. Und neben Stelzenacker ist der Sport ansich der große Verlierer. All die anderen ehrlichen Radrennfahrer, der Störtbeker-Cup, die anderen Organisatoren und Freiwilligen, die einen sauberen Sport auf die Beine stellen und etwas Besonderes schaffen wollen, und natürlich die Zuschauer und Fans werden hier benutzt und vorgeführt.

Nun ist es an uns, volle Aufklärung und Transparenz zu erreichen. Das Komplottduo Staub/Toni muss gezwungen werden sich zu erklären und die Machenschaften offenzulegen. Daneben stehen zwei weitere Aufgaben an. Erstens: Wer hat vielleicht noch davon gewusst, geholfen, unterstützt? Ein Blick auf die Gesamtwertung kann hier Aufschluss geben, wer am meisten profitiert hat. DerSachse nun plötzlich punktgleich auf Platz 2, Mitstreiter, ein enger Verbündeter Tonis auf 4, Acke der Querfeldeinspezialist in der Gesamtwertung jetzt auf 5 und natürlich J-Coop, der den ersten Lauf verpasste, sich aber nun auf Platz 1 katapultiert hat. Kaum zu glauben, dass nicht wenigstens einer von den Genannten mit den Betrügern unter einer Decke stecken würde.
Zweitens: Wie soll mit dem KSGC 2011/2012 umgegangen werden? Muss der dritte Lauf wiederholt werden? Wird er annuliert, gestrichen?
Eines ist klar und bedarf vieler Anstregnungen: der Sport muss wieder reingewaschen werden und die ehrlichen Radrennfahrer unter den Startern auf dem Tempelhofer Flugfeld anno Januar 2012 müssen Gerechtigkeit erfahren.

13 Antworten auf “Sportbetrug beim KSGC”


  • Ungeheuerlich! Bei Selbstanzeige könnte vielleicht die Kronzeugenregelung greifen….

  • Staub! Welch ungeheuerlicher Vorwurf! Der Fehedehandschuh liegt dort für alle und jeden sichtbar im Dreck vor Dir!
    Du darfst entweder die Zeit und die Waffengattung oder den Ort wählen. Empfehle Du wählst den Ort, dann hast Du den intriganten Schuft so gut wie im Sack: Das Velodrom, oder vonTankezuTanke, oder die mythische Tanke im fernen Land der Spaniolen, blutgetränker Schauplatz legendärer Duelle. Har har har.

  • Ich habe natürlich von nichts gewusst noch war ich mitnichten involviert. Aber ich war einer der Augenzeugen, was sich wirklich zutrug. Nun war es meinem Empfinden – und das war in keinster Weise während des mehr als fairen Sportwettkampfes getrübt – so, dass die Strecke einfach eine ganz normale Strecke war, die jeder befahren musste, also auch Staub. Und wenn Stelze meint, diese oder jene Strecke mag er nicht, oder hier steht das winterliche Gras zu hoch, oder der Sachse hat in Runde 2 einen Pfurz gelassen, dann sehe ich genau in Stelze den Keim des Komplottes. Staub hat ehrlich gekämpft, genau wie einst Ulle das große Rennen durchs Franzosenland gewann.

  • Lieber Acke, ich hab auch nix gewusst, war nicht involviert, hab auch nix gesehen, aber so hat es sich ganz sicher zugetragen. Und ich will präzisieren: ….genau wie einst Ulle das große Rennen durchs Franzosenland EHRLCH gewann.

  • Weiss man inzwischen mehr über die Veranstaltung „Sparerips, Bier und Skat“ am Vorabend? Ein harmloses Beisammensein, so klingt es aufs Erste. Im Zusammenhang mit den nun bekannten Vorwürfen erscheint es nun aber naheliegend, dass diese Veranstaltung einzig dazu diente, die körperliche Verfassung des Stelzenackers zu untergraben. Ließe sich hier ein Zusammenhang herstellen – wovon auszugehen ist – so wären weitere am Komplott Beteiligte auszumachen. Möglicherweise steckt sogar der BRV dahinter.

    • Auch bei dieser Veranstalung war ich aktiver Augenzeuge, was nicht heißen soll, dass ich womöglich selbst in etwaigen Ungereimtheiten meine Hände im Spiel gehabt hätte. Es wurde fair getrunken, ein Jeder bekam das Getränk, was er wünschte. Einzig auffälig an diesem Abend, denn ich allerdings vor dem Kartenspielbeginn verließ, war, dass Stelzenacker bereits mit beschädigtem Equipment auflief – sein hinterer Pneu war löchrig. Doch wer Stelze kennt, weiß natürlich, dass auch das völlig normal ist.

  • …ich weiß ja nicht, ob es etwas damit zu tun haben könnte,

    aber die von jockel angesprochene Veranstaltung war, so wie ich es verstanden hatte,
    als vom örtlichen Trikotsponsor ausgerichtetes Carboloading ausgeschrieben.

    Der Twist:
    Tatsächlich gab es ausschließlich Proteine zwischen die Kiemen. Das muss dem unbekümmert aufgelaufenen Stelze den Rest gegeben haben. In Verkennung der Gefahr, schlug er zudem die reichlich angebotenen alkoholischen Verdauungssäfte aus und lief ins offene Messer.

  • Mir kam zu Ohren, dass bei der vorabendlichen Veranstaltung explizit der Schwan nach Danziger Goldwasser verlangte und dann sein Glas heimlich in den Blumenkubel entleerte!

    • Verleumdung! Danziger Goldwasser ist ein wertvoller und heutzutage weit unterschätzter Tropfen. Und wer den Gastgeber kennt, weiß, dass dort weit und breit kein Blumenkübel zu finden ist.

  • Rob danke, dass du uns die Augen öffnest. Wie weit diese Intrige gesponnen wurde, merkt man alleine daran, dass ich von dem vorabendlichen Ereignis ferngehalten wurde. Was hätte ich alles verhindern können.
    Die Kasse voller Gold liesen Gedanken an einen offensichtlichen Komplott erst gar nicht zu.
    Rob bleib dran, das kann nicht ungesühnt bleiben.

  • Aaaahhhh fuck,

    Schande, alles gewulfft hier?
    Ein Fall fuer SuperIllu, Bild und Achim Menzel.

    Ciao
    Bald mehr von:
    „Der Alter Mann und das Berg“

    C.

  • Wer hat da Chubikas Nutzername missbraucht?

    • Keine Panik, war der Frosch persoenlichst. ;-)

      C.

      PS: und das fehlende „w“ passt irgendwie zum Thema.
      Aber bitte ein „r“ abziehen.

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