4 Tage Alpen – Von Garmisch ins Allgäu

Eine Tour in kleinen Geschichten

EISENSCHWEINKADER | 4 Tage Alpen   Von Garmisch ins Allgäu  4 Tage Alpen   Von Garmisch ins Allgäu

Meine im heimsichen Berlin durch sorgfältiges Kartenstudium vorbereitete Geländeausfahrt sollte mich in vier Tagen von Garmisch Partenkirchen zum Demoday der Eurobike bringen. Da sich kein Mitfahrer fand, auch Rikman entgegen früherer Jahre keine Zeit hatte und Darkdesigners Lust auf Alpenterrain sehr begrenzt war, musste ich mich alleine in die für Berliner Flachlandtouristen so ungewohnte alpine Umgebung begeben.
Anders als sonst will ich in ausgewählten Geschichten kurz und reich bebildert davon berichten.

Tag 1: Garmisch – Kögelehütte

Wenn man eine Radtour in den Alpen plant, kommt man an Kompass-Karten eigentlich nicht vorbei. Viel besser sind zum Beispiel die Karten des DAV, aber wegen des kleinen Maßstabs bei Radfahren nicht geeignet – man müsste Unmengen an Kartenblättern mit sich rumschleppen.
Dabei sind Kompass-Karten für Hochgebirgsterrain wirklich ungünstig. Das Kartenbild – die Straffierungen, die Farben, die Höhenlinien – bilden in meinen Augen die Beschaffenheit der Landschaft eher schlecht als recht ab. Somit kann man sich im Vorhinein bei der Planung gerne einmal vertun. Außerdem sind sie hin und wieder nicht besonders aktuell.

Ich startete am ersten Tag um 14 Uhr in Garmisch, nachdem ich morgens um 6 in Berlin in den ICE gestiegen war. Ich hatte also nur einen halben Tag für eine ordentliche Etappe, es musste zügig voran gehen. Den Eibsee unterhalb der Zugspitze mied ich ob der Toursitenscharen an einem Sonnabendnachmittag. Nördlich des Eibsees im Wald verfuhr ich mich einige Male und musste immerwieder anhalten und in die Karte schauen, um mich neu zu orientieren. Ich fand schließlich den Abzweig auf den Weg, der mich hinunter nach Griesau (Österreich) bringen sollte. Da ich schon mehr Zeit verloren hatte als mir lieb war, freute ich mich.
Der Weg wurde schnell zu einem Pfad der sich recht bald in kleinen feuchten Senken und Wiesen verlor. Zudem wütete dienForstwirtschaft etwas. Nach einiger Zeit stand ich mitten im Wald, kein Weg weit und breit. Ich wuchtete das rad auf die Schultern und watete durchs Unterholz, hoch und runter und über Baumstämme. Dann stand ich vor der Felskante. Tief unten im Tal die Straße welche nach Griesau führen sollte. Für mich unerreichbar. Ohne Weg war es nicht möglich, dort hinab zu kommen. Ich schlug mich noch etwas voran. So langsam wurde ich unruhig, denn viel von der geplanten Strecke hatte ich noch nicht geschafft. Zurück war ansich keine Option, würde das doch meine Planung der kommende Tage komplett über den Haufen werfen. Ich musste vorwärts. Ein Blick auf die viel zu grobe Kompass-Karte verriet nicht viel. Den Kompass-Machern zuliebe könnte ich Jockel zitieren: “Die Karte ist richtig, die Landschaft ist falsch.” Mir viel dann meine Unterhaltung mit Mancycle am Telefon ein, der mir zu einem tollen Trail im Bregenzerwald riet, diesen nicht zu fahren. Er wäre entgegen der Karte kaum existent und die eine eingezeichnete Brücke über die Brengenzerach würde es seit 40 Jahren nicht mehr geben. Kompass-Karten…

Na toll, da stehste so mitten im Wald, mit Zeitdruck und ohne Peilung.

Ich beschloss noch etwas südwestlich an den Kante entlangzugehen. Auf einmal entdeckte ich 20 Meter entfernt, dass auf der Rückseite eines Baumes ein rostiges Schild hing. Ich legte das Bike hin und kletterte durch Unterholz hinauf. Und was für eine Überraschung! Ich stand auf einem feinen Wanderpfad und das Schild wies in die eine Richtung zum Eibsee, in die andere nach Griesau. Das war genau mein Trail!
Ich holte das Rad und schwang mich drauf.

Alles andere kurz in Bildern:

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Gottlob der Weg!

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Anfangs noch fahrbar, musste ich späterhin einiges bergab schieben ins Tal nach Griesau.

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Blick zurück auf’s Zugspitzmassiv.

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Traumhafter Pfad über einige Kilometer am Plansee.

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Plansee die Zweite bei sich senkender Sonne.

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Ausblick von der Terrasse das Kögelehütte. Erste Übernachtung in der Nähe des Ortes Berwang.

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Ziemlich kaputt nach einem langen Tag erreichte ich am Abend die schöne Kögelehütte (Bild am nächsten Morgen). Mehrere Biere, Leberkäs mit Bratkartoffeln und eine Kippe zur Belohnung rundeten den ersten Tourtag ab.

Garmisch – Eibsee – Griesau – Plansee – Bichlbach – Berwang – Kögelehütte — ca. 60 km und 1350 hm

(Fortsetzung Seite zwei)

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12 Antworten auf “4 Tage Alpen – Von Garmisch ins Allgäu”


  • Sehr schön Herr Robsen,

    ich wäre wirklich gerne mitgefahren, aber erstens hatte ich einen anderen Plan und zweitens wurde dieser auch noch jäh zerstört…

    Ich bin heilfroh wenn das mit der Toskana klappt!!!
    dd

  • Super Rob!
    Falls du im nächsten Sommer nochmal sowas vorhast, sag bitte rechtzeitig bescheid. Dann hebe ich mir eine Woche Urlaub dafür auf.

  • Rob,

    macht es mir nach, sagen mir die Bilder und deine niedergeschriebenen Zeilen.
    Sehr schön…

    frenk

  • Hier schreibt ein echter Abenteurer, Schinderhannes und Reisefotograf!
    Danke Rob für den schönen Bericht – da weiß man sofort, was man dies Jahr nicht geschafft hat…

  • Auch wenn ich weiß, daß ich mehr Gänge am Rad hätte, wäre ich kaum in der Lage zu folgen. Denn nicht jeder hat soviel Bumms in den Beinen, daß die Kurbel nachgibt…

    Twobeers

  • Mein lieber Freund Rob!
    Eine schöne Geschichte hast Du da aufgeschrieben und auch das Bildmaterial ist – wie nicht anders gewohnt – über jeden Zweifel erhaben. Danke für diesen Beitrag.

    Übrigens auch sehr schön, wie Du über das Thema “Der Mensch als nichtswürdiger Wurm in der übermächtigen und bisweilen feindseeligen Natur” reflektierst. Sehr schön das. Nur einen Wunsch hätte ich noch: Das Du es einmal rechtzeitig aus dem Bett schaffst, um eine gemeinsame Tour zu fahren. Das wäre aber wahrscheinlich schon mehr, als ich auf meine alten Tage erhoffen kann…

  • Schöner Bericht und auch wenn ich eher der Freund von unsupported-Touren bin, glaube ich, daß man die Alpen wohl vor allem so, wie Du es gemacht hast, erkunden sollte.

    Der Bruch der Kurbel macht mir nur etwas Sorgen. Wie lange hätte die gehalten, wenn man dann doch das eine oder andere Kilo schwerer wäre. Naja, Kult eben, oder so.

    stw

  • “Naja, Kult eben, oder so.

    nein nein, die alu-syncros ist alles andere als kult und wird schon seit jeher wegen ihrer bruchanfälligkeit geschmäht. in nichts zu vergleichen mit dem kultigen stahlrohren.

    danke leute, rob :]

  • danke einmal mehr für deine zeilen lieber rob :-) berge sind schon was schönes…

    grüße coffee

  • Kopfkino vom Feinsten. Danke, Robsen!

  • Rob, Gott sei dank bist du wenn auch leichter so viel fitter als ich, ich hoffe meine Kurbel hält meinen weichen Antritt noch ein wenig aus.
    Dank für die Bilder, ich hatte auch schon wieder die Karte von da unten in der Hand.

  • Der unbekannte war dann wohl ich.

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