[Erbeskopf] Eule läd zur Sonntagsrunde

…und das, wo ich doch keine langen Rennen mag. Aber was macht man nicht alles nach dem vierten Weizen. Zum Beispiel, einem Freund zusagen, mit Ihm zusammen Seinen Lieblingsmarathon mitzufahren – die lange Distanz natürlich. Am 13. Juli sollte es soweit sein: der Erbeskopfmarathon im Hunsrück wartete mit seinen 110km und 3.000hm auf unsere Teilnahme. Doch die Binsenweisheit „Dummheit schützt vor Strafe nicht“ sollte diesmal nicht zutreffen.


Ich, Lorenzo, Mischi und Eule.

Eules Einladung zum Erbeskopf beschränkte sich nicht nur auf die grandiose Idee und die Unterbringung in Krankfurt, er meldete auch all seine Kumpels an inkl. Meldegebühr. Wahrscheinlich wollte er so sicherstellen, dass keiner der Aspiranten einen Rückzieher macht, nachdem er wieder einen klaren Kopf bekommen hat. Trotzdem natürlich einen großen Dank an Darkdesigner. Ich musste nurnoch rechtzeitig die passenden Spartickets der Bahn buchen und schon stand der gemütlichen Sonntagsrunde im Hunsrück nichts mehr im Wege.
Neben mir hatte Darki auch noch Mischiflix aus Werni und Lorenzo aus Frankfurt für die lange Strecke eingeladen, zudem wollte Karen auf der kurzen Distanz starten.

Meine Zuversicht vor dem Rennen war stark gedämpft. Ich bin noch nie 3000hm an Stück gefahren und auf der letzten vergleichbaren Tour mit 100km und 2000hm vor über einem(!) Jahr waren die letzten 15km purer Überlebenskampf. Wenig Rad bin ich gefahren in der letzten Zeit und wenig Höhenmeter sowieso. Hinzu kamen die Schauergeschichten von Darki von den letztjährigen Erbeskopfmarathons (nachzulesen hier auf der ESK-Seite). Ich wollte den Marathon also eher als schöne Radtour ansehen und rechnete mit 8h Fahrzeit.
Wir waren sowieso ein wehleidiger Haufen, alle stapelten Tief und suchten schon im Vorhinein nach Ausreden. Außer Karen.

Nach anderthalb schönen Tagen in Frankfurt am Main starteten wir am Sonntag um 0600 in der Früh gen Hunsrück, der Start der 110er sollte ja schon um 0900 erfolgen. Wir waren noch auf dem Parkplatz und ich machte es mir wegen meiner Müdigkeit und meinem Bllutdruck der so niedrig schien, dass man mich für halbtot hätte halten können, gerade im Kofferraum von Mischis Auto bequem, da kam einer der Organisatoren des Rennens vorbei, der Darki besser kennt. Als er mich sah musste er lachen und frage, wie ich denn so in Kürze am Start stehen will. Ich erwiderte, dass ich mir gleich eins zwei so Pillen reinhaue und dann wach und stark sein werde.

Am Start waren wir alle vier guter Dinge trotz der bevorstehende Strapazen. Wir waren ja nur zum Spass hier. Das Starterfeld auf der langen Runde zählte knapp 100 Fahrer. Die ersten Meter gingen eher moderat los, nicht das gewohnte Gehetze von kürzeren Rennen, schließlich wusste jeder, was noch vor ihm lag. Nach einer kurzen Runde kam das Feld nocheinmal durch den Start-Ziel-Bereich ehe es auf die große 100km-Schleife ging. Das schöne beim Erbeskopfmarathon ist nämlich auch, dass auch die lange Strecke nur ein einzige zu fahrende Runde darstellt.
Mischi und Lorenzo gingen es ruhig an während Darki und ich uns auf Tuchfühlung nach Vorne orientierten. Doch recht bald gab Darki an, auf die beiden zu warten, sodass ich allein auf mich gestellt war.

Die ersten 40 Kilometer bis zum zweiten Verpflegungspunkt (VP) waren mit vielen kleinen Auf und Abs gespickt. Hier konnte man schon ordentlich Körner lassen. Meine Vorderradbremse hatte kaum Bremspower, da Luft im System war. Ich tunte sie kurz vor dem Start noch mit sehr weichen Trial-Bremsbelägen mit dem Ergebnis, dass sie zwar etwas bremste, dafür aber auch quitschte wie eine Herde Schweine auf der Schlachtbank. An VP 2 füllte ich meine Trinkflaschen neu auf (mit so süßen Isozeugs) und klemmte mir ne halbe Banane zwischen die Zähne. Für unterwegs hatte ich noch 3 Müsliriegel, zwei Snickers und ein Brötchen mit Wurst dabei. Ich hatte keine Ahnung, wieviel zu Essen man bei so einem Rennen benötigt.

Von KM 40 bis KM 80 ging es in die hohen Berge des Hünsruck. Hier warteten lange Anstiege und Abfahrten auf einen. Ich wollte es auf diesem Teil ruhig angehen, doch es lief bergauf und mit meiner min. Bergübersetzung (34vorne:23hinten) kam ich die Anstiege sehr gut hoch. Bei KM 50 zuckte meine Sehne im rechten Knie, wo ich immer Krämpfe im Unterschenkel bekomme, sodass ich dachte, das Rennen sei für mich bald gelaufen. Doch Krämpfe sollte ich bis zum Ende nicht einmal bekommen (im Gegensatz zu Eule und Mischi, die schon ab KM 40 davon geplagt waren).
Bei km 70 ging es über den höchsten Punkt, den Erbeskopf. Eule warnte im Vorfeld, hier zu denken, nun wäre das gröbste geschafft. Denn nach hinten raus kommen noch viele kleine Rampen und ein Schild zeigte an, dass es noch 38km und 850hm seinen. Nungut, ich nutzte den VP 4 auf dem Erbeskopf wieder zum Flaschenauffüllen und machte mich mit ungewissen Gefühlen was noch kommen mag und dem Gedanken daran, wann ich denn endlich aufplatzen werde, auf die letzten 38km.

Unterwegs ass ich insg. meine drei Müsliriegel, einen Snickers und eine halbe Schrippe. Weite Teile der ganzen Strecke wechselte ich die Platzierung mit zwei anderen Fahrern. An steilen Anstiegen oder Verpflegungspunkten überholte ich sie, wenns flacher war oder meine Kette runter fiel überholten sie mich wieder. Nach dem Erbeskopf fuhr einer der beiden Voraus, den anderen hielt ich hinter mit im Schach.
Auch die letzten 30 Kilometer liefen gut. Wenn die 110er-Fahrer auf ihrer eigenen Schleife fuhren, war es sehr angenehm einsam, andere Mitfahrer bekam man dann nie zu Gesicht. Kam es zu einer Streckenzusammenfürhung mit den 65- oder 38km-Fahrern, wurde es plötzlich voll. Doch dies bot beste Möglichkeiten, um bergan viele Biker zu überholen und Motivation förmlich in sich aufzusaugen. Gefühlsmäßig wurde ich nach KM 10 des Rennens nur von einem Fahrer überholt, ich hatte also so die Ahnung, ganz gut im Rennen zu liegen.

Die VP’S 5 und 6 ließ ich aus. Bei KM 90 hatte ich noch einen Platten auf einer Abfahrt, freute mich aber endlich einen Vorwand zu haben um anhalten und pissen zu können. Der Schlauch war fix gewechselt und nach 5 – 8 min ging es weiter. Da ich keinen Tacho hatte, wusste ich nicht, wie weit es noch zu fahren war und das Höhenprofil hatte ich mir auch nur einmal angesehen. Ich wusste also nicht wieviel Anstiege es bis zum Ziel noch sein sollten. Aber egal, ich fuhr einfach was möglich war. Die Zeit verging sehr schnell, das Rennen war äußerst kurzlebig. Wahrscheinlich weil eben nur eine große Schleife zu fahren war und nicht etwa 4 Runden o.ä. Und vielleicht, weil ich recht fix unterwegs war. Bei den wenigen Ortsdurchfahren am Ende wurde man von den Einheimischen toll angefeuert.

Der letzte fiese Anstieg hatte den Namen Immenter Qual. Nach über 100km und weit über zweieinhalbtausend Höhenmeter taten diese 150hm jedoch erstaunlich wenig weh. Das sind einfach Anstiege, die mir liegen. Meinen Hintermann, den ich nach dem Plattfuß an VP 6 wieder überholt hatte, konnte ich abschütteln. Die letzten Kilometer auf Teerwegen und durch den Parcour im Start-Ziel-Bereich ging es dann nochmal mit 100% HFmax oder so. Überrascht entnahm ich der Uhr im Ziel meine Rennzeit: 6h 06min. Der Organisator der heute morgen noch am Parkplatz bei uns war meinte sofort, dass die Pillen ja Wunders gewirkt hätten und ich lachte. Zu meiner Überraschung war ich garnicht dolle kaputt. Ohne den Platten wäre ich unter 6h gefahren und hätte noch zwei Plätze gut gemacht. So war es trotzdem ein toller 23. Platz mit über 18er Schnitt. Ich hätte es ehrlich nicht für möglich gehalten, so fahren zu können. Ein Teufelsritt, um ehrlich zu sein. Wahrscheinlich lag es an der guten Vorbereitung tags zuvor: das ein und andere Gerippte mit sauergespritzem Äppelwoi wurden schon geleert.


Die Zeitnehmer im Ziel mit ungläubichem Blick auf Mischi’s Singlspeeder.

Nach einiger Zeit kamen Eule und dann Lorenzo und Mischi ins Ziel. Respekt an alle: Eule fuhr seine beste Zeit beim Erbeskopf, und das mit Krämpfen und Rücken. Für Lorenzo war es das erste Rennen dieser Art auf einem MTB und Mischi quälte seine Singlespeedsau mit Krämpfen über die 3000hm. Mischi bekam auch ein nettes Preisgeld als dritter in der Juniorenwertung. Da es beim Erbeskopf keine Masters gibt, wurde ich mit meinen zarten 27 Jahren übrigens schon bei den Senioren1 gewertet. In der Gesamtwertung gab es Platz 45 für Darki und die Plätze 58 und 59 für Lorenzo und Mischi.
Und nicht zu vergessen: Bei Ihrem ersten MTB-Rennen kam Karen auf der 38er-Runde mit einem tollen 16er Schnitt und Platz 2 in der Juniorinnenwertung ins Ziel. Eine tolle Kaderleistung also ingesamt!


Karen am Start.

Nach etlichen Bieren und einer langen Entspannungsphase ging es am frühen Abend zurück nach Frankfurt. Karen, Eule und ich gingen noch Käsespätzle essen. Mein liebes Bruderherz kam da auch noch dazu, da der z.Z. in Hanau arbeitet. Müde und ermattet pennten Eule und ich dann bei der abendliche Tourzusammenfassung auf Eurosport ein. Genug Sport für einen Tag.

Darkdesigner gebührt der große Danke für das tolle Wochenende. Ein spitzen Marathon, eingebettet in schöne Landschaft und mit sehr netter Atmosphäre, den er uns da glücklicherweise aufbrummte. Könnte man eigentlich nächstes Jahr wieder hinfahren. Danke!
Und zum Abschluss noch das von Darki aufgezeichnete Höhenprofil und den Link zu den Ergebnissen.

Ergebnisse

rob

Suchbegriffe

9 Antworten auf “[Erbeskopf] Eule läd zur Sonntagsrunde”


  • Auch Halbtote können also Rad fahren. Respekt rob und Danke für den schönen Bericht. Nur die Sache mit der Technik, da feilst Du noch n bischen, oder?

    Gruß stw

  • Hätte Rob ein funktionierendes Rad und würde trainieren, dann wäre er sicher sowas wie ein männlicher S-Punkt.

  • Wieso, J-Coop? So ist doch viel besser und die Berichte viel spannender, als klarer Start-Ziel-Siege. Rob und der Rest der Bande – ich bin stolz auf euch!

  • Mhm… was verdammt, sind denn „immente Qualen“? Und überhaupt, „Erbsenkopf Marathon“ das ist doch keine Name für ne Katze…

  • eule aka darkdesigner

    Fein, fein, der Bericht! Leider war der Tag für mich ziemlich hart. Zwar setzten meine Krämpfe nicht wie bei Mischi schon bei KM 40 ein, sondern erst bei KM 60, aber schön wars trotzdem nicht.

    Das Nest Immert liegt ungefähr bei KM 105 und der Anstieg nennt sich Immerter Qual, für mich in diesem Jahr ein Fußmarsch…

    Meine beste Zeit war es nicht, zweimal schaffte ich das ganze schon schneller. Aber für die Begleitumstände war ne Zeit unter 7h sehr zufriedenstellend. Ich war einfach nur froh überhaupt das Ziel zu sehen!

    Im nächsten Jahr greift Rob dann die Top 10 an und ich führe Karen zu einem Sieg in der Juniorinnenklasse auf der Mitteldistanz (67km) ;-)

  • Mensch Eule,
    da fallen wir doch nicht mehr drauf rein. Vor jedem Rennen bist Du ein Bild des Jammers, man möchte dich in den Arm nehmen und Dir eine Kochsalzinfusion geben. Und dann wirfst Du die Triebwerke an und fährst mit einem 30er Schnitt über den Erbsenkopf.

    Geiler Bericht, Rob!

  • Wie oft ist Deine Kette runtergefallen?

    Glückwunsch zum Ergebnis.

  • Nur 4 mal ;] Aber immer im Anstieg, da hab ich nur ein paar Sekunden verloren.

    Ende August ist wieder der Endurothon in Schierke, Mischi ist da schonmal mitgefahren. Das könnte man doch mal ins Auge fassen…

    rb

  • Ah endlich der Bericht :-) Lorenzo hat mir schon so einiges erzählt hehe … hammerhart und Respekt vor eurer Leistung !!

Hinterlasse eine Nachricht