An der langen Leine meines Navisystems

Ich habe auch ein Navigationssystem. Das Modell ist zirka ein Meter und Achtzig Zentimeter groß und hört auf den etwas altmodischen Namen „Oberst“. Neben seiner großen Flexibilität und des ungeheuren Speichervermögens nicht nur von Kartenblättern, sondern auch von reellen Landschaftsbildern, hat es den kleinen Nachteil eines eigenen Bewusstsein. So tut das Navisystem „Oberst“ manchmal das, was ich mir wünsche. Meistens aber baut es hundsgemeine Strecken und fiese Schlenker ein. Zu allem Überdruss stimmt die Kilometerangabe oft nicht. Heute war aber an sich alles in Ordnung.

Mein Navisystem ist mit einem eigenen Geländefahrrad ausgestattet. Meistens fährt es so gut 100 Meter voraus. Ich muss dann nur schauen, dass ich sehe, wo es abbiegt. Wenn ich näher dran bin, kann ich zur Verfolgung der Strecke auch die Sprachausgabe benutzen. Leider spricht das Navisystem nur nach vorne. Das macht es schwierig, jedes Wort zu verstehen. Manchmal kommt es somit zu für mich sehr plötzlichen Abbiegemanövern.

Neben der Routenansage hat die Sprachausgabe meines Navisystems noch die Funktion „Unterhaltung“. Diese soll eigentlich in Dialogform programmiert sein. Doch es kommt des öfteren zu längeren Monologen seitens meines Navisystem. Da auch bei der Unterhaltungsfunktion das Problem hinzukommt, dass es zumeist vorneweg fährt und nach vorne redet, verstehe ich nur sehr wenig. Hin und wieder klebe ich an seinem Hinterrad und kann eine Konversation für einige Meter aufrecht erhalten. Dann aber muss ich reißen lassen. Und das, obwohl die Unterhaltungsfunktion noch immer aktiviert ist. Ich kann dann von meinem vorne weg fahrenden Navi noch vernehmen, wie es redet und redet, aber nicht mehr, was es redet. Vielleicht sollte ich mir das Erweiterungs-Set zulegen, ich glaube da ist eine Fernbedienung mit dabei.

Meistens ist es jedoch recht still, wenn ich in gebührendem Abstand meinem Navi folge. Das Knacken eines Astes, Knirschen von Restschnee oder Rascheln von altem Laub ist dann das einzige, was man in der Weite Brandenburgs hört. Wenn wir außer Sichtweite gekommen sind, wartet mein Navi an einer Kreuzung auf mich. Ich komme dann immer auf ein paar Meter heran, bevor es per Sprachausgabe kurz die neue Richtung angibt und wieder voraus fährt. Oft hoffte ich, mein Navi nicht zu verlieren, dann hätte ich nämlich gar kein Navi mehr gehabt, um meine Navi wiederzufinden. Aber mein Navi passt immer gut auf mich auf.

Heute Morgen habe ich mein Navi im Prenzlberg abgeholt. Wir sind dann eine schöne Schleife nordwärts aus Berlin hinaus gefahren. Die Höhen von Lübars und der ehemaligen Müllhalde an der A10 haben wir erklommen, viele Wälder durchstreift, am schönen Mühlenbecker See uns mit Spaziergängern duelliert. Danach nahmen meine Käfte zusehends schneller ab. Ich hoffe nicht, dass sich mein Navi beim vielen Warten unterkühlt hat. Jedenfalls schleppte ich mich in respektierlicher Gefolgschaft noch bis Buch, ehe ich dort in die S-Bahn stieg. Mein Navisystem „Oberst“ fuhr dann ganz alleine nach Hause (ein tolles Features).

Ich danke dem Oberst für die absturzfreie und fehlerlose Tourführung. Ich werde dennoch mal ganz oben nachfragen, ob es nicht ein Update gibt für mein Navi, um die Systemgeschwindigkeit einstellen zu können. Das hat mir bis jetzt jedenfalls meist gefehlt. Trotzdem: ich nehme es gerne wieder in Anspruch.

rob

Fhain – Pberg – Mauerstreifen – Lübars – Schildow – Müllhalde – Mühlenbecker See – Zühlsdorf – Wandlitz – Buch

16 Antworten auf “An der langen Leine meines Navisystems”


  • Meister Rob, erst die total geniale Ausrede, um nicht beim „unserem“ Cup erscheinen zu müssen, und dann noch eine nicht genehmigte Ausfahrt auf „meiner“ Runde. Das wird Konsequenzen mit sich ziehen!

    Ein Navi, so so. Das Modell „Oberst“ ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, doch ist derart altbackene Technik ja nicht totzukriegen und verrrichtet hoffentlich noch lange seinen Dienst an der Fährte.

    Bis bald mal wieder, Heimkehrer!

  • Nun, wie es aussieht hatten rob und sein Oberst eine überaus amüsante Ausfahrt und ich hoffe, ich kann mich diesem Navi auch bald mal wieder anschließen.

    Aber ich hoffe, daß es bei ganzen updateterei nicht zuviel von seinen Eigenheiten einbüßen wird.

    stw

  • LOL – der Spuk der Technik! Ich kenne das – meine automatische Akkumulatorenoberfräse hat auch so ihre Tücken. Rob – ein probates Mittel für das analoge Einstellen der Navigaltionsgeschwindigkeit ist ein vierfach über Lenker und Bremsgriff geworfenes „Weck-Gummi“. Das wirkt Wunder und kann auch beidseitig angewand werden. Ich wünsche Dir noch viel Spaß mit deinem Navi und werden mich – durch deinen Bericht erneut motiviert – auch wieder mit meiner Oberfräse anfreunden. Bis bald… menis

  • Sehr, sehr schön, lieber Rob! Und ja, wir haben Dich dolle vermisst beim Klaus-Cup.

    Doch an einem Punkt muss man Dich korrigieren: Das Navi Oberst ist ja nicht wirklich „Dein“ Navi, vielmehr ist es Kollektiveigentum des Kaders. Und so haben wir alle schon seine besonderen Eigenheiten kennengelernt, insbesondere was die Entfernungsangaben betrifft…

    Auch hast Du, neben der Sprach- und Unterhaltungsfunktion, noch eine weitere Besonderheit des Navi Oberst nicht erwähnt: Es ist das einzige Navigationssystem der Welt, das zu grauenvoller 80’er Mucke tanzen kann ;-)

  • Ich finde die Funktion „Points of Interest“ besonders lobenswert. Zu jedem kleinen Steinchen oder Hasenpubs hat das Gerät eine passende Geschichte parat. Was das Gerät aber partout nicht mag, wenn sein Benutzer vor ihm fährt. Da scheint ein Bug zu sein, der vermutlich mit der erhöhten Systemgeschwindigkeit gekoppelt ist – in diesem Fall erhöht sich diese schlagartig. Aber es ist bis auf diese kleine Macke das zuverlässigste Gerät in dieser Sparte. Leider ist es einmalig und nicht im Auto zu gebrauchen, da meckert es nur unaufhörlich, vermutlich ist der Empfang durch das viele Blech gestört….

  • hmm, irgendwie kommt mir das alles nur all zu bekannt vor! Nur das meins mit alkoholischen Substanzen betrieben wird und vor allem die Hessischen Karten inklusive aller (und ich meine alle) Schmugglerpfade abgespeichert hat…

    *duckundweg*

  • wenn diese alkoholischen substanzen co² neutral biologisch korrekt unter ausschluss jeglicher subventionen aus freien stücken hergestellt wurden ……… dann ist das schon okay

    rifli: mal im debug modus betreiben und weiterbeobachten.

    rop: hat es ein notaus?

  • Das Navi, Model „Oberst“, ist das einzige mir bekannte, welches du acht Stunden in Met schwimmen lassen kannst ohne das die Unterhaltungsfunktion unbrauchbar wird. Und es findet danach immer noch nach hause!

  • Ohne Dein „Navi“ jetzt konkret zu kennen mal eine Frage: Du beschwerst Dich, dass das Dingens immerfort vor Dir herfährt. Aber ist es nicht Aufgabe eines Navigationssystems zu führen?
    Wenn ich Deine Beschreibung richtig interpretiere und es sich bei diesem System um eine offline – also ohne Satellitenverbindung – funktionsfähige Einheit handelt, könnte ich mir vorstellen, dass die permanente Vorausfahrt sicher stellen soll, dass vom System getroffene Fehlentscheidungen rechtzeitig korrigiert werden können, ohne das der Betreiber der Anlage in Gefahr gerät, Mehraufwendungen tätigen zu müssen. Nicht das solches wirklich zu befürchten wäre, aber denkbar wäre es zumindest.
    Die Unterhaltungsfunktion ist vermutlich noch in der Erprobung. Spätere Serienmodelle könnten einen Umschalter haben, um zwischen „Sport-„ und „Kaffeefahrt“ wählen zu können.

  • also so ein Navi hat was?
    Wir bräuchte auch so ein Modell im Süden *g*
    Nur müsste die Unterhaltungsfunktion noch etwas überarbeitet werden…

  • ja aber das laden von neuen kartensätzen geht wohl nich mit 400 mbit /s und schon garnicht on the fly.

    blacky ne mädchenversion wird wohl noch ne weile auf sich warten lassen

  • blacky ne mädchenversion wird wohl noch ne weile auf sich warten lassen

    eL, entschuldige mal bitte! Das Navi, Model „Oberst „, hat ja wohl seit der ersten Version einen integrierten Stelzalarm!

  • für ein modell „Oberst-Süd“ könnte ich mich auch begeistern. rob & jockel – da ihr über insiderinformationen zu verfügen scheint – könntet ihr euch vielleicht zu weiteren modellen oder einer möglichen (bugfreien) serienproduktion äußern?

  • Schöner Testbericht! :-) Leider aber ist das Modell Oberst noch etwas zu groß geraten für den Festeinbau im PKW.

  • Letztendlich soll ja sogar die Deutsche Bahn mit dem Gerät einige Jahre hilflos herum experimentiert haben, aber ich glaube sie haben es nie zur Serienreife gebracht. Das Interface ist wohl etwas sperrig und letztendlich handelt es sich doch bei dem Modell „Oberst“ um ein reines Outdoor-Navigationsgerät… menis

  • Anscheinend wünscht sich jeder so ein Individual-Navi mit Unterhaltungsfunktion, muß wohl nur noch die Klontechnolgie verbessert werden…

    @YoGomez: Von wegen „mit Alkohol betrieben“, damit wird lediglich vor dem Start ein Reset des Betriebssystems durchgeführt… Damit auch ja keine Tour doppelt gefahren wird (zumindest im NaviSpeicher)!!!

Hinterlasse eine Nachricht