Thüringische Heimatgefühle

Ich besitze ein neues Spielzeug – ja, keine Kosten und Mühen scheute ich, investierte sogar soviel wie in mein letztes Komplettrad – dann war sie da, meine Digitalkamera. Sogleich mußte das kleine Ding natürlich ausprobiert werden, also was lag näher als das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden?

Das Mittagessen zuvor war reichlich und auch dem noch warmen Mohnkuchen konnte ich nicht entsagen. Der Magen war also gut gefüllt, das Rad war erprobt, die Wege altbekannt und so raffte ich mich ohne Bedenken und ohne weitere Verpflegung zu einer kleinen, gemütlichen Tour auf – dem Sonnenuntergang entgegen…


Der Himmel war klar und es wehte ein frisches Lüftchen als ich die lange Geländezufahrtsstrecke (knapp 1km) unter die Stollen nahm. Vorbei an den Fließteichen trug mich das Ross hinein in die Fernsicht…

…und auch wieder heraus.


(Wie man sieht, ist das Wissen in Sachen Digitalphotographie noch ausbaufähig.)

Das Wäldchen auf der Höhe trägt seinen Namen durchaus zu Recht, eröffnen sich doch bei klarem Wetter weite Blicke von Ost über Nord bis Südwest. Sogar die Ronneburger Atomtitten waren von hieraus sichtbar.

Nach dem genüsslichen Ausblick ließ ich meinen trägen Körper vorbei an einem Sportplatz voll grölender Hinterweltrandgruppensportler hinunter Richtung Zeulenrodaer Talsperre rollen. Dabei passierte ich die Langenwolschendorfer Quelle – ein auf Tour immer willkommener Punkt um die Trinkvorräte aufzufüllen. Hier sprudelt das Wasser sommers wie winters mit konstanten 8°C in Massen aus einem kleinen Hügel. Auf Grund erhöhtem Publikumsaufkommen ersparte ich mir ein Photo. Lieber über kleine Wege zur Vorsperre fahren…

Auf der Staumauer zur Talsperre wurde ein Seitenwechsel vollzogen – natürlich nicht ohne Herrn Nachbar zu grüßen. Provinzstadt eben. Am dortigen Nordufer befindet sich ein im letztem Jahr wiederaufbereiter, sehr geiler Wanderweg. Dieser erhielt (im Gegensatz zum Rennsteig) sogar das Klasse1 Gütesiegel und wird damit deutschlandweit vermarktet. Man merkt die Präsenz des zum „Besten Tagungshotels Deutschlands 2006-2008“ mutierten FDGB-Heims deutlich…

Auf dem Weg gleitet man mehr oder weniger am Ufer entlang. Ruhige, technische und steile Passagen wechseln sich mit herrlichen Ausblicken ab.

Zum Glück verzichtete der Bauhof weitgehend auf Befestigungen jeglicher Art. Lediglich ein paar Stämme gegen Abrutschen des Geländes wurden bei Bedarf eingsetzt.

Nachdem das Bungalowdorf Zadelsdorf passiert wurde, verbreiterte sich der Weg. Entspannt dahinrollen war angesagt.

Immerwieder befinden sich schöne Aussichtspunkte in Wegnähe. Am gegenüberliegendem Ufer (unten links) ist das Strandbad zu erkennen. Seit ca. 1998 ist es offiziell nur noch Liegewiese (schärfere Bestimmungen auf Grund Trinkwasserschutz), seit letztem Jahr besucht die Wasserwacht wohl hin und wieder die Badenden und kassiert „Eintrittsgeld“.

Nach einer Straßenquerung ging es weiter Richtung Weidetalsperre. Die Schatten streckten sich allmählich – ich spielte wohl doch ein wenig zu oft mit meinem kleinen digitalen Begleiter rum.

Leider erschwerten zuvor gehäuft aufgenommene Ballaststoffe und widrige Wegverhältnisse ein zügiges Vorwärtskommen. Ersteres war ja selbstverschuldet, aber über letzteres könnte man ja meckern… erst Kyrill und dann der Forst…

Wenig später verlief alles wieder in gewohnten Trailfreuden. Auf engen Hangwegen bewegte ich mich zur Staumauer der nächsten Vorsperre.

Vom tiefsten Punkt der kleinen Wochendfeierabendsrunde erklomm ich nun den Teufelsberg. Die Wege wurden breiter, die Wegweiser mehr. Nordic Walking hier, Wanderweg da und seit diesem Jahr führt hier sogar eine MTB-Marathonstrecke entlang. Auch hier hält die Vermarktung Einzug.

Bald erreichte ich den Gipfel – auf dem im Übrigen das Eröffnungsphoto entstand. Das treue Rad trug mich nocheinmal steil bergab, dann wieder bergan vorbei an der ehemaligen Weißendorfer Mülldeponie (jetzt äußerlich schön grün) und schließlich zurück in die Zivilisation. Ein letzter Ausblick…

…bevor es am Stadtrand nocheinmal Zeit für Heimatkunde ist. Es darf spekuliert werden um was für ein Objekt es sich hierbei handelt.

Die dumm-dreist schauenden Zaungäste sind jedenfalls gespannt.

Ich hoffe, ich war in der Lage dem geneigten Leser einen kleinen Einblick in ein Stück thüringische Heimat zu geben. Mir macht es immer wieder Freude alte Wege zu geniessen, besonders wenn danach das Ausdauerdarmtraining am reichlich gedeckten Abendbrottisch in gemütlichen Kreis der Familie fortgesetzt werden kann…

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6 Antworten auf “Thüringische Heimatgefühle”


  • Schöne Fotos einer herrlichen Gegend, mein Guter! Aber warum gibt es kein Aktionsbild mit Deinem Kadaver drauf? Sag mal, das Rad ist aber auch nicht aus diesem Jahrhundert, oder?

    Sehr fein jedenfalls…

  • …bevor es am Stadtrand nocheinmal Zeit für Heimatkunde ist. Es darf spekuliert werden um was für ein Objekt es sich hierbei handelt.

    Zu erst mal Danke für den schönen Beitrag. Eine schöne Gegend ist da nach dem Talsperrenbau übrig geblieben. Wirklich fein.

    Nun zur Spekulation: Ich würde – ohne es genau zu wissen – auf die Friedenshöhe bei Zeulenroda tippen. Auf alle Fälle was mit Krieg und Totschlagen. Das Übliche also…

  • jockel hat (wie immer) recht, es handelt sich um das denkmal zum ersten weltkrieg auf der friedenshöhe. in direkter nachbarschaft befinden sich waldstadion und tiergehege. für dich war das natürlich viel zu einfach, da muss ich mir mal nochwas einfallen lassen ;-) .

    Aber warum gibt es kein Aktionsbild mit Deinem Kadaver drauf?

    mehr als meine umrisse konnte und wollte ich dem leser nicht zumuten. (wenn ich noch ohne stativ mit selbstauslöser rumgefummelt hätte, wäre ich wahrscheinlich heute noch im dunklen wald verschollen)

    Sag mal, das Rad ist aber auch nicht aus diesem Jahrhundert, oder?

    womit du durchaus recht hast. auf grund seiner astronomisch hohen steifigkeit würde es jedoch auch noch heute jeden magazintest überlegen gewinnen. ich sag nur 31.8er oversizestahllenker, 1 1/4″ oversizestahlgabel usw.

  • Es scheint, als hättest Du die richtige Kamera zu Deiner ständig und immer an wunderschönen Stellen läutenden Motivklingel gefunden. Danke!

  • ich sag nur 31.8er oversizestahllenker, 1 1/4″ oversizestahlgabel usw.

    Frei nach Luis Trenker: „Wie der Herr, so’s G’scherr.“

  • Sehr schön! Ach – mann müsste mal wieder das steife Bein über das Radl schwingen… menis

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