Ein Mal im Kreis fahren – Dresdenumrundung

Es ist Sonntag 6.30 Uhr und irgendwer neben mir fängt an zu erzählen – es ist Kollege Radiowecker. Die morgentliche Gelähmtheit ist schnell überwunden – schließlich liegt Großes vor mir. Also schnell das übliche Morgenritual zelebrieren, zusätzlich ein halbes Brot in Fettbemmen verwandeln und ab gehts zum Heidefriedhof, welcher den Startpunkt darstellt. Erfahrungsgemäß kommt diesem eine gewisse symbolische Bedeutung zu, wird doch der Großteil der ca. 30 Starter vom Klappspaten Gebrauch machen müssen…

Das ist schon an der Ausrüstung zu erkennen – rund 2/3 mit modernster Vollfederungstechnik am Start, viele mit Nobby Nics (*ich komme später darauf zurück) – die Leute lesen einfach zu viel Magazine und fahren zu wenig Rad. Singlespeeder ist auch keiner da (Martn, wo ist deine Ausrede?). Aber ein paar wenige bekannte Gesichter sind ja anwesend und ich bin nicht zum Meckern gekommen, sondern zum Radfahren – die Tagesordnung besteht aus genau einem Programmpunkt: einmal mit dem MTB rund um Dresden. Ich weiß was mich erwartet, vor zwei Jahren mußte ich die Truppe nach 120km ziehen lassen. Damit ist das Ziel klar – die Ortsschildsprints diesmal bleiben lassen und durchfahren.

Nach der obligatorischen 1/4-Wartestunde setzen wir uns langsam in Gang. Schmale Trails führen uns durch die Junge Heide gen Osten. Ganz einfach gestaltet sich die Orientierung hier nicht, weshalb immer wieder gewartet werden muss. Ungefähr drei Kilometer später die erste Pause – Plattfuss (Reifen nicht bekannt, aber ich habe da eine Vermutung…). Zwischenzeitlich ist schon der Erste (auf seinem tollem neuen Scott Spark) ausgestiegen. Einen netten Plausch und eine Banane später gehts weiter. Gemütlich rollen wir in die Dresdener Heide ein, – es folgt eine Pause (Nobby Nic) – die auf bekannten Pfaden durchquert wird. Am Ende gibt es noch eine wunderschöne Pause (danke Nobby Nic).

Eine kurze urbane Einlage durch Bühlau führt uns über den Wachwitzer Höhenpark, in den Wachwitzgrund zur nächsten Essensaufnahme (Nobby Nic – ich mag dich). Jetzt gehts aufwärts, vorbei am Fernsehturm und über Pillnitz hinweg. Ich fühle mich gut, der Tracker rollt genauso munter vor sich hin, wie die Sattelklemmung knarzt – aber das kann mich heute nicht stören (im Gegensatz zu manchem Mitfahrer). Wunderschöne Hangwege geleiten uns zum Fuße des Zuckerhuts. Aufgrund der leicht fortgeschrittenen Zeit (warum wohl?) streicht Tourenklaus Carsten den Anstieg allerdings – schade.

Der nächste Anstieg läßt aber nicht lange auf sich warten, der Meixgrund wurde jüngst durch kräftige Ausspülungen um einige Schlüsselstellen bereichert, dann gleich weiter bergan zum Borsberg – Truppe sammeln. Das dauert eine ganze Weile, Zeit ein paar Stullen zu verdrücken. Irgendwie wirkt die Gruppe inzwischen schon kleiner. Wird auch Zeit, das Fahren mit so vielen Leuten verändert eine solche Tour nicht unbedingt zum Besseren. Zumindest bis Pirna soll aber noch zusammen gefahren werden, danach wahrscheinlich getrennt. Das ist ok, denn jetzt geht es hübsch bergab genau dorthin.

Gestärkt nach dem Überfall auf eine örtliche Tanke wird endlich eine Gruppenaufteilung beschlossen. Eine schnelle Truppe mit Gilbert, eine langsamere mit Carsten. Wo fahre ich mit? Keine Frage – ich will ja noch heute ankommen! Schließlich ist es schon Mittag und es stehen gerademal 40km auf der Uhr.

Die nachfolgenden Passagen rollen richtig gut – gleichmäßiges Tempo, keine Gehacke, kein Warten. Über kleine Täler, Platagen und eine kleine Straßenverbindung überholen wir die langsame Truppe (ja, richtig gelesen, und ja, sie haben beschissen) und erreichen den „Kacketrail“. JA! Was für ein geiles Stück Gelände, ein kleiner Kammweg schlängelt sich wunderbar flüssig zwischen den Bäumen hindurch – man kann gar nicht anders als es ordentlich krachen zu lassen. Im Gegenanstieg zahle ich auch gleich dafür. Die Sonne ist rausgekommen, das Wetter drückend feucht, die Suppe läuft in Strömen am ganzen Körper. Der weitere Verlauf führt uns über die Babisnauer Pappel (schöner Blick über Dresden), Gebergrund und Windberg nach Freital – nächste Tanke überfallen, Pause. Unsere Gruppe besteht jetzt noch aus 12 Mann.

Nächster Angriffspunkt: Linkselbische Täler. Dazu müssen wir wieder urbanes Gelände queren, vorbei an der Beschilderung des heutigen Freitaler CC-Rennens, vorbei an sonstiger Beschilderung – oder auch nicht: ein Mitfahrer fährt in geistiger Umnachtung gegen ein Baustellenschild. Aber außer ein paar Prellungen und Schürfwunde zum Glück nichts passiert. Ein Kollege ist auch gleich so freundlich und leitet die nächste Pause ein (Nobby Nic – mein Lieblingreifen). Die Sonne brennt. Irgendwann erreichen wir tatsächlich den Zschonergrund – Schatten. Jetzt ist wieder Spaß angesagt, aber die Anstrengung nimmt auch deutlich zu.

Es geht laufend auf und ab – Amselgrund – Plattenpause (nein, es ist kein Nobby. Ein Larsen TT wollte den Latexschlauch seitlich rausschauen lassen. Das konnte verhindert werden. Nur gut, dass der Ersatzschlauch nicht auch ein Loch hatte…) – weiter: Tännichtgrund, Prinzbachtal, Saubachtal, Eichhörnchengrund, Schindergraben (der Name ist Programm), Erlichtgrund – und auf einmal sind zwei Genossen weg. Wir teilten uns kurz vorher an einer schwierigen Abfahrt, mein Hintermann wartete am Nächsten Abzweig jedoch vergebens. Berge rauf und runter fahren und die beiden suchen? Nö, wir sind geschlaucht, es kommt ja noch die langsame Truppe. Mittlerweile hat der Himmel zugezogen und die Schleusen leicht geöffnet – ganz angenehm und genau das richtige Wetter um uns über die Teufelsschlcuht zum Totenhäuschen vorzukämpfen. Hier grinst die Boselspitze hämisch herüber – die letzte Herausvorderung des Tages.

Doch soweit ist es noch nicht. Auf guten Hangtrails bewegen die Räder uns nach Meißen. Halt – ersteinmal Pause (Nobby Nic – ich liebe dich!). Ich helfe mit einer funktionierenden Pumpe aus und wir kommen an – an der nächsten Tankstelle. 140km sind geschafft, die Beine doch noch ein wenig besser als gedacht und die finale Fettbemme ist auch verspeist.

Finale: kurz Elberadweg, Abzweig ins Spaargebirge, es geht leicht bergan, Abzweig, es geht stärker bergan, kleinster gang, die Steigung wird progressiv, meine Vordermann kapituliert an einem Baumstamm, ich komme vorbei, ein paar Meter – geschafft! Mit zufriedenen, aber geschafften, Gesichteren genießen wir den Blick über das Elbtal gen Dresden.

Abspann: Elberadweg – DD.
Gesamt: ca. 170km, 2500hm
Teilnehmer im Ziel: 6 (1x abgekürzt, 1x später zugestiegen)
Ankunft DD: 21.30

BF

10 Antworten auf “Ein Mal im Kreis fahren – Dresdenumrundung”


  • Fein, fein, dann kannste auch bei der Taunusumrundung mitfahren!!!

    Gutes Training, nur die Pausen… ;-)

  • Schöne Runde und warum sagst du nich BESCHEID? Aber jetzt weiß ich, warum ich die Nobby Nics so billisch jekriegt habe. Und das mir, dem Plattenkönig des ESK….

  • dann verscherbelste die eben wieder billich mit gewinn, werden dir sicher aus den händen gerissen :-)

    @bf, danke für die zeilen, besonderst die () haben es mir angetan :-))

  • @rifli: wär das was für dich gewesen? können wir gern wiederholen, z.b. am we 27./28. juli – da sind sowieso einige zum schwucken hier. übernachtungsplätze hab ich auch. bei interesse -> pn

  • Sach mal Großfuß, schreibst du auch Prüfungen?
    Ok, im Ernst, sehr geiler Bereicht und es klingt nach einer wunderbaren Tour!
    Gibts Bilder? Ich will mal wieder Dresdner Trails sehen, ach was sag ich, ich will mal wieder überhaupt Trails sehen…

  • nix bilders. wenn du trails sehen willst, dann geh doch einfach vor deine haustür.
    prüfungen hab ich auch noch, irgendwann…

  • ich brauch keine ausrede, ich hab mir mit meinen bastellösungen an moderner technik (scheibenbremse) beim bremsbelagwechsel selber ein bein gestellt… im moment is das voodoo auch noch wegen setback an der rooxstütze außer betrieb…
    aber das nächste mal! und irgendnen langen kanten werd ich auch dieses jahr noch unter die stollen nehmen. und wenns ’nur‘ der hexenstieg is. ne doppelte jenaumrundung schwirrt mir auch shcon seit jahren im kopf rum.

    wo gibts eigentlich am kaggetrail nen gegenanstieg?

  • Man, wie konnte ich diese spannende Sportreportage übersehen? Heinz-Florian Oertel hätte es definitiv nicht besser machen können. Liebe Zuhörer daheim an den Geräten, wenn ihr Kind ein Sohn wird, nennen sie es Bigfoot. Danke Langer!

  • HAi,
    hab ich’s richtig gelesen-?-Du bist die Boselspitze hochgefahren?
    Das ist komischerweise der erste Bericht über die Tour, den ich lese.
    Bei mir kommt da immer was dazwischen(Sudetengebirge abklappern).
    -Schönes Ding-
    Besten Gruß
    ULF

  • @martn: gegenanstieg = straße richtung babisnauer pappel.

    @ulf: richtig gelesen. nächste möglichkeit zum mitrollern – kommender sonntag.

    BF

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