Basislager

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04.30 reißt mich das Klingeln aus dem Schlaf. Der Rucksack für die Expedition „Basislager“ steht bereits gepackt im Gang. Noch einmal warm Duschen, wer weis wann die nächste Gelegenheit hierfür kommt. Auf dem Weg zum Bahnhof hole ich noch Blacksurf ab, die gemeinsam mit mir an der Expedition teil nimmt………..

06.01 per Schienenfahrzeug verlassen wir den Heimatbahnhof Richtung Süden. Die Fahrt nutzen wir um uns noch ein paar Strategien bereit zu legen. Die geplante Verbindung bis ins Zielgebiet funktioniert wieder perfekt, schon um 10.30 können wir den Aufstieg beginnen. Unser erster Haltepunkt ist die Bsuchsalm im Stubaital, dort geben wir das Material für Fels und Eis in die Materialbahn, um etwas erleichtert den 1000 m Aufstieg zu bewältigen.

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Schnell wird uns klar wie hoch wir bereits sind, denn die Baumgrenze liegt schon weit hinter uns als wir nach gesamt 2,5 Stunden auf 2297 üNN ankommen. Die Nürnberger Hütte wird unser Basiscamp für die nächsten Tage. Von dort aus werden wir einige neue Gebiete erobern und die Landkarten erweitern. Nachdem wir unseren Schlafplatz gerichtet haben, überlegen wir das weitere fortkommen die nächsten Tage, bei einer kleinen Stärkung mit Traditioneller Kost. Früh gehen wir zu Bett um für den nächsten Tag, den Tag der Eroberung, ausgeruht zu sein.

06.45 schon vor dem klingeln der Weckuhr sind wir wach, den Rest gibt uns das Kalte Eiswasser des Gletschers aus dem Wasserhahn. Bei einem Liter Teewasser und einem kleinen Bergsteigerfrühstück besprechen wir die heutige Route. Um uns nicht sinnlos der Gefahr des Gletschers zu unterwerfen vertrauen wir uns einem Kenner des Gebietes an. Ziel ist der Wilde Freiger 3419 üNN, den wir heute erklimmen wollen.

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08.30 wir verlassen mit unseren Rucksäcken das Basislager. Im Gepäck Steigeisen und Pickel, ebenso wie Proviant für den ganzen Tag. Uns wird schnell klar, wie Kräfte raubend das Gelände ist. Mit den vielen Höhenmetern verändert sich der Fels gewaltig, die Landschaft wird geprägt von blockartigen Gestein. Bis wir zu den ersten Schneefeldern kommen, vergehen viele Stunden. Die teils losen Steine erfordern viel Trittsicherheit und einige kleine Klettereien müssen auch hier schon bewältigt werden. Wir kommen langsam der Staatsgrenze näher, unter uns sehen wir die Gletscherspalten die weit aufgerissen tief in ihren Rachen blicken lassen. Das Gelände wird ausgesetzter bis wir am ersten Grat angekommen sind. Jetzt gehen wir in einer Seilschaft über den ersten Teil des Gletschers.

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Im Dunst des Nebels können wir bereits rechts liegend das Gipfelkreuz erkennen, der Weg scheint nah und doch so fern. Jetzt kommt die Eisflanke, einzeln fest am Seil überwinden wir auch diese, jetzt ist alles fast nur noch weiß, nur noch am letzten Grat zum Gipfel sieht man das Urgestein. Der Grat ist die Verbindung zum höchsten Punkt des Wilden Freiger. Oben angekommen macht auch der Himmel ein Stück auf.

Wir genießen den Rundblick auf die anderen 3000er bevor wir uns erneut auf den Weg machen. Wir treten den Rückweg an, denn langsam frischt der Wind auf und wir wollen nicht auskühlen. Wieder stapfen wir durch Schnee und Eis, überwinden die großen Felsblöcke erneut, diesmal nach unten. Mit jedem Schritt kommen wir dem Basislager wieder näher. Wir blicken uns immer wieder um, der Abschied vom Gipfel fällt in Gedanken schwer. Auch die Beine werden langsam müde, immerhin haben wir über 1200 hm zurück gelegt.

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17.30 nach 9 Stunden erreichen wir das Basislager. Erschöpft aber glücklich können wir die Einnahme des Wilden Freigers vermelden, die Expedition ist geglückt. Nach einem Teller Nudeln fallen wir bereits in unsere Schlafsäcke. Doch die Nacht wird kurz und unruhig.
05:45 schlage ich die Augen auf, auch Blacksurf wälzt sich bereits unruhig nach links und rechts. Die eindrücke der Gipfelbesteigung haben uns wach gehalten, kaum in den Schlaf gefunden, das erlebte nochmals verarbeiten. Mich hält es nicht mehr lange, und so stehen wir auf um uns für den Tag zu rüsten.

08.04 bepackt mit Rucksack und Proviant machen wir uns erneut auf. Diesmal geht es Richtung Westen. Dort soll es liegen, das -kleine Paradies- inmitten hoher Felswände. Zuerst geht es hinab in die Senke um im Anschluss wieder hinauf zu steigen. Ausgesetze Pfade, gesichert durch das ein oder andere Drahtseil müssen durchquert werden. Kleine Klettereien über das schorfe Gelände überwunden. Wir befinden uns in ca 2400 üNN als wir uns eine kleine Pause gönnen. Bei frischem Espresso sammeln wir erneut Kräfte für den Rest des Weges.

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Wir sehen wie sich der Steig noch ein Stück hinauf schlängelt, dem Drahtseil folgend kommen wir über eine Kannte. Jetzt verändert sich die Landschaft abrupt, da muss es sein, das Kleine Paradies. Eines der wenigen Hochmoore in den Tyroler Alpen das es noch gibt. Eine feuchte Landschaft mit faszinierenden Pflanzen. In einem kleinen Kessel inmitten des kahlen Gesteins liegt dieses Hochmoor. Wir genießen die Ruhe und die Landschaft, werfen bei fast blauen Himmel einen Blick auf die entfernten Gipfel.

Wir kehren diesen Ort den Rücken, denn wir müssen langsam zurück. Am späten Nachmittag erreichen wir wieder unser Basislager. Diesmal verläuft der Abend etwas ruhiger. Bei Blitz und Donner schauen wir wieder und wieder die Fotos der letzten Tage an. Zufrieden mit der Ausbeute und einem fantastischen Tag der hinter uns liegt, gehen wir gegen 22.30 in unsere Koje.

08.30 nach 4 Tagen Akklimatisierung schnallen wir unser Gepäck auf den Rücken und machen uns auf den Abstieg ins Tal. Der Abschied fällt sichtlich schwer, die Geschehnisse der letzen Tage im Kopf sitzen wir 18.00 am Bahnhof. Die Expedition „Basislager“ ist damit abgeschlossen, ein weiterer Stein auf den Weg nach Afrika abgehakt. Weit ist das Land……

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Noch mehr visuelle Eindrücke….

Hochtour Stubai – Wilder Freiger 3419m

10 Antworten auf “Basislager”


  • Sapper, lechz, da bleibt einem glatt die Luft weg, 3419m. Schöne Tour und das auch noch zu Fuß. Merkt man die Sauerstoffarmut oder gewohnt man sich beim Aufstieg daran. Ich kenn nur das Hauruckverfahren, auf 3000m mit der Seilbahn un den Rest zu Fuß. Ich glaube, ich habe noch nie so oft Pause machen müssen.

    Ich bin auf Afrika gespannt…

  • Was für eine gewaltige Naturkulisse!
    Beim Blick über den Grat wird es mir ja von hieraus schon schwindelig.
    Die reinsten Bergziegen … ähm … sorry, wollte sagen: Mädels, ihr seid klasse!!!

  • @ritzelflitzer
    also man merkt einen etwas höheren Puls – das ja.
    Aber ansonsten ist das einfach ein gigantisches Erlebnis.
    Es wird nicht unsere letzte gemeinsame Hochtour gewesen sein:)
    Visuell ist das einfach ein Augenschmaus.
    Ein paar weitere Fotos von mir auf meinem Blogg:
    http://black-surf.blogspot.com/

  • Liebe Mädels, das nenne ich mal ganz großen Sport! Bergwandern ist auch eine meiner geheimen Passionen, und Eure herrlichen Bilder zu diesem schönen Bericht wecken bei mir eine gehörige Portion Neid.
    Afrika??? Da höre ich doch wohl einen Vogel namens Nachtigall herumtrapsen…
    Klasse, wirklich Klasse!

  • Boooaaahh, jetzt verstehe ich auch deine Atemnot und glückliche Stimme am Telfon.
    Es ist sehr beeindruckend, was Ihr Beiden auf die Beine stellt und Eurem Ziel immer nächer kommt.

    ….. Oben angekommen macht auch der Himmel ein Stück auf…….

    Das muß unglaublich gewesen sein. Auch der Himmel hat Euch den nötigen Respekt entgegen gebracht, wie eine Verneigung.

    Meine Damen, Africa ist reif für Eure Heldentaten ! ! !

    S.

  • Eine strafe da runter laufen zu müßen!
    Trotzdem geile Acktion.

  • @ proper, eine strafe erst garnciht da oben gewesen zu sein :-) bei der nächsten höhen-bergtour sagen wir dir bescheid, pack schonmal deinen rucksack :-)

  • Da haste wohl recht ick will och endlich in die Berge. Der Neid zerfrisst mich geradezu wenn ich immer über eure Abenteuer lese, Und die Bilder sind richtig geil, wenn alles passt darf ich in 3Wochen och endlich ma wieder:D
    Befor ich mit euch klettern gehen kann, müßen wir uff jeden fall endlich ma bei euch ne Tour über eure geile Heimtrails drehen, war ja schon ewig geplant aber die Entfernung is leider n riesiges Hindernis:(.

  • den weg runter wäre ich auch viel lieber gefahren.

  • Mönsch coffee,
    ich bin erst jetzt dazu gekommen, diese Perle zu lesen. Ich möchte es mit einem einzigen Wort auf den Punkt bringen: SCHÖN!
    Nagut, vielleicht doch noch ein zweites Wort: RESPEKT!

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