Tram(untan)a auf der Insel

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Geländesport, es ist fast wie Musik in meinen Ohren, dennoch mussten wir die breiten Stollenreifen für 4 Tage zuhause lassen. Dafür waren wir gespickt mit festem Schuhwerk und einen Rucksack voller Überlebensutensilien. Nach dem die Schwuckenabteilung vor 14 Tagen bereits den Asphalt auf der kleinen Insel eingenommen hatten, blieben für Blacksurf und mich nur der wilde Trip durch das Tramuntana Gebirge………

Dank ausreichender Nachforschungen im Vorfeld gestaltete sich der Einstieg in das Abenteuer – 96 Stunden in Fels und Wind – recht einfach. Schnell erreichten wir Soller unseren Ausgangspunkt. Hier füllten wir noch einmal unsere Vorräte und machten uns mit dem Gepäck auf dem Rücken auf die Socken. Raus aus der Zivilisation, rein in die Natur. Der erste Pfad führte uns über den Mirador de ses Barques hinauf auf einen Höhenweg vorbei an dem Coll de Biniamar Richtung Cala Tuent. Zum Pausieren blieb uns kaum Zeit, den Feind namens Nacht im Nacken pressten wir uns nur hier und da ein paar Riegel zwischen die Zähne. Das Wasser mussten wir uns einteilen da wir nicht wussten wann wir zur nächsten Wasserstelle kommen würden.

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Der Höhenweg schraubte sich sanft weiter am Abgrund des Meeres hinauf, der Blick über die Kannte verriet uns das wir bereits enorm an Höhe zugelegt hatten. Zudem waren wir nun schon 5 Stunden unterwegs. Aus der Ferne entdeckten wir jedoch dann unseren Zielpunkt den Wachturm. Hoch oben auf dem Mola de Tuent stand er da und blinzelte uns im Lichte des Sonnenuntergangs zu. Um Rechtzeitig die letzten 400 Hm in Angriff zu nehmen auf den unbeschilderten Pfaden, kaperten wir einen Einheimischen der uns bis zur Ermita de S. Llorens brachte. Dort angekommen gaben wir ihm die Freiheit und kletterten hinauf zum Wachturm. Die Nacht kam schnell, gerade rechtzeitig oben angekommen, belagerten wir erstmal den Turm und überprüften den Zustand. Fertig zur vollständigen Einnahme dessen schreiten wir unsere Ankunft tief ins Landesinnere.

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Bei Suppe und Brot besprachen wir den nächsten Feldzug für den kommenden Morgen und ruhten uns auf Daunen gebettet hierfür aus. Unruhig im Schlaf immer wieder das prasseln des Regens. Der Wind so stark das wir froh waren im Schutze des Turmes zu sein, bewacht und eingenommen zugleich. Der Morgengrauen noch immer Wolkenverhangen und Nass von oben begrüßte uns bereits gegen 08.00. Es gab kein verharren, so packten wir unsere 7 Sachen und machten uns erneut auf den Weg durch die wilden Rosmarin Felder, entlang von ausgesetzten Stellen.

Kaum unten angekommen waren wir bereits nass bis auf die Haut, wir mussten jedoch weiter und ein langer Halt war nicht geplant, und so beschlossen wir den Weg direkt bis zur Cala de Sa Calobra anzugehen. Unten in der Bucht angekommen stärkten wir uns mit einem Kaffee, dazu eine Landestypische Paella um nicht weiter aufzufallen. Unser Gepäck versteckten wir in einem Verschlag und machten uns nur mit dem notwendigsten auf in die Torrente de Pareis.

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Der Regen der letzten Nacht verwandelte diese aber in ein undurchdringliches Ungeheuer aus Fels und Wasser. Und so entschied unsere Vernunft den Aufbruch in Richtung Lluc zu wagen. Ich kaperte 2 Schwucken ,die gerade abgelenkt durch den Regen, mit ihrem Viergefährt Pause machten und zwangen diese uns bis zum Kloster Lluc zu bringen. Eigentlich wollten die beiden in eine ganz andere Richtung, jedoch habe ich Ihnen mit den Buchstaben des ESK gedroht und so willigten sie schnell ein.

Hinauf und hinab gingen die Serpentinen entlang der Tramuntana bis wir im Nuestra Senora de Lluc ankamen. Scheinheilig wieder nicht unsere wahre Herkunft zeigend mieteten wir uns im Kloster ein. Noch immer prasselte der Regen vom Himmel, unaufhörlich als hätte das letzte Stündlein geschlagen. In Vorbereitung auf den nächsten Tag stärkten wir uns und versorgten Leib und Seele.

Die Vögel sangen bereits und auch der Hahn krähte fröhlich, als ich das erste mal im Morgengrauen aus den Fenster schaute. Der Weg noch nass, jedoch vom Himmel keine Tränen. Uns konnte nun nichts mehr halten, wir setzten unseren Weg fort. Vom Kloster direkt ging es Richtung Son Amer Es Guix. Im Blick der Wolken verhüllt einige Puigs die wir nicht benennen konnten. Wir folgten den Steinmännern die uns weiter hoch Richtung Puig de Massanella führten. Kaum die Hand vor Augen sehend hielten wir dem ersten Schauer stand.

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Doch das soll noch nicht alles gewesen sein. Kaum die Regensachen verstaut zog der Himmel zu und es drohten die Götter auf uns einzuprasseln. Schutzlos im Fels des freien Gipfels laufend kämpften wir Meter für Meter. Der Wind nahm zu und stemmte sich uns entgegen. Doch wir mussten weiter, schon zu weit fort waren wir von Lluc, eine Umkehr nicht möglich.

Die Vegetation veränderte sich mit zunehmender Höhe, nun befanden wir uns bereits auf knapp 1300 Meter über dem Meer. Immer noch im dichten Regen und dem Nebel unterwegs waren wir nun auf uns alleine gestellt. Die Schilder zeigten uns den Weg nach Font d´es Prat vorbei am Coll dés Coloms bis zum Font dés Nogue.

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Die letzen Kilometer entlang der Stauseen Grog Blau und Cuber zehrten an unseren Kräften. Waren wir nun über 6 stunden ohne Halt unterwegs. Dazu völlig durchnässt mit schwerem Gepäck. Die Strasse in Sicht mobilisierten wir nochmals unsere letzten Kräfte um wieder wie die Piraten zu kapern. Es dauerte nur wenige Sekunden, beherzt lies ich mein ESK Trikot hervorblitzen, die Angst in den Augen hielt der Fremdling an. Es stellte sich jedoch heraus, das es wieder Schwucken waren die uns mitnahmen und uns trockenen Unterschlupf boten.

Zurück in Soller suchten wir erst einmal eine Unterkunft. Nach den Strapazen der letzten Tage haben wir weder Mühe noch Kosten gescheut und sind im Hotel La Vila untergekommen. Ein Wunder das uns dieses in unserem Zustand nicht vor die Tür geschickt haben. Vermutlich war es aber wieder das schwarz-rot-weisse Antlitz unserer Kleidungsordnung, welches uns half blitzschnell im trockenen zu sitzen. Die Heisse Dusche war eine Wohltat, das weiche Bett ein Paradies. Mit einem großen Teller Spaghetti Vongole versüßten wir bei Rotwein und Espresso den Rest des Abends.

Blauer Himmel blitze durch das Fenster, ich mochte es kaum glauben. Der Himmel hat aufgemacht zum Abschied für uns. Ein Zeichen das wir wieder kommen sollen, ein Zeichen das wir erfolgreich das Gebirge durchquerten. Froh um jeden Kilometer den wir zu Fuß genommen haben. Aber um das Spektakel noch abzurunden mussten wir noch einmal los. Was ist ein Pirat ohne den Hafen des Feindes eingenommen zu haben. Und so folgten wir den Spuren der Tram nach Port de Soller. Noch ein Blick auf die weite des Meeres und auf die standhaftigkeit der Felsen im Landesinneren.

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Zufrieden mit uns und der Welt machten wir uns auf den Heimweg. Knapp 96 Stunden dauerte das Abenteuer der Welten. Wohl gesinnt des Glücks und Zufalls, immer wissend des Respekts, der Angst und der Vernunft.

Mallorca, Insel der Gesichter, wir haben dir den schrecken genommen. Wir kommen wieder und werden dir dann die Schlucht nehmen.

Mein Dank geht an die Mitreisenden Blacksurf und Frau Antje, Ebenso an die freundlichen Menschen unterwegs die für unser Seelisches und auch Leibliches Wohl gesorgt haben.

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7 Antworten auf “Tram(untan)a auf der Insel”


  • Wie kann mein bei dieser herrlichen Landschaft und den traumhaften Schmalwegen auf der Strasse fahren? Toller Bericht, vielen Dank.

    checkb

  • Allso ähnliches hab ich mir och gedacht, mann was ein fetter Felsentrail. Hättet ihr ma besser n Bike an stelle der komischen Überlebensklumpen auf den Rücken geschnallt ;D.
    Nee im ernst wirklich großes Kino! Ähnliches hatt ich och schon ma vor aber leider war ich trotz das ich ein 3/4Jahr solch Abenteuer direckt vor der Türe hatte zu der zeit nich ein einiges ma in der lage auch nur annähernd mehr als 1Tag frei zu bekomm.
    Ick beneide euch echt, THX für diesen schönen Bericht.

  • 9 Jahre Belagerung und wiederholte Kontrollbesuche zeigen deutlich, der ESK hat diese Insel auch abseits der Straße im Griff.

    Endlich erfahre ich auch mal wie es abseits des geteerten Bandes aussieht. Danke! Auch interessant wie bekannt einem die Bilder vorkommen, nur der Blickwinkel ist ein etwas anderer.

  • Wanderschuhe hin oder her, aber um dieses Kaiserwetter habe ich Euch beide aufs Äußerste beneidet. Leider gibt es dieses Wunderklima dort zu selten, so daß wir gelangweilt nur unter der allgegenwärtigen Sonne herumtrampeln mußten.

    Sehr schöner Bericht…

  • ein großartiger erlebnisbericht – danke coffee für diesen einmaligen und ganz anderen, neuen blick auf eine insel von der man bisher dachte, sie bestünde nur aus teerstraßen und ballermännern.

    und nicht zuletzt habt ihr da eine respektable wandertour abgezogen. drei tage bei sturm und regen sind währenddessen wohl das verfluchenswerteste was es gibt, im nachhinein aber umso toller.

    rob

  • Ja acke, das seltene himmelsschauspiel hat uns geprägt. dennoch möchte ich die stunden auf der insel nicht mehr missen. zudem waren die warmherzlichkeiten der menschen dort einfach unglaublich und machten es uns leicht im regen zu verharren. :-)

  • Die Bilder und der Bericht sind wunderschön – wow. Langsam macht Ihr mir aber Angst: Es scheint, als sei dieses kleine fränkische Bergvolk ziemlich krass unterwegs. Wandern bei 3 Tagen Sauwetter geht nur, wenn man mit Landschaft, wie Ihr sie gesehen habt, entschädigt wird…

    Jen*

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