Sonne, Berge und alkoholfreies Bier: Malle 2007

Tiempo magnífico – avenidas lindas – nuevo rey de La Petrólica!

Um es mit wenigen Worten einführend zu beschreiben: Es war wieder einmal eine schöne Zeit im Schwuppenparadies, gemeinsam im Kreise derer, die die Königsdisziplin auf zwei Rädern wahrhaftig zu genießen verstehen. Ein bißchen Sonne, ein paar Hügel und feinster Asphalt – schon ist des Rennradlers Gemüt erhellt.

Und auch wenn es mir persönlich so vorkommt, daß das balearische Eiland von Jahr zu Jahr kleiner zu werden scheint, so liegt dies sicher nur daran, daß man nach fast einem vollen Dutzend alljährlicher Befahrungen wirklich jeden Winkel, jede Bucht und jeden noch so kleinen Fahrweg zu kennen meint. So unterschiedlich diese Empfindungen bei jedem einzelnen Kader waren, so unterschiedlich waren auch die Ambitionen hinsichtlich des Ausreizens der körperlichen Belastungsgrenzen. Manch einer schoß sich in den tückischen Anstiegen die Lampe aus, wohingegen andere wieder untertourig die Landschaft genossen. Es wurde ja im Forum bereits publik gemacht, daß unser lieber Sportfreund Chubi nur durch natürliche Barrikaden in Form der Küstenlinie in seinem Vorwärtsdrang gehindert werden konnte.

Was also ist denn so alles passiert? Nun, zum einen war da unser illustres Grüppchen mehr oder minder engagierter Kader, deren unterschiedliche physische Leistungsbereitschaft einen gemeinsamen Nenner brauchte. So nutzte man in erster Linie die Anfahrt bis zu den Scharfrichtern der Tramuntana oder die Flachetappen der sogenannten Ruhetage, um gemeinsam ein paar Km zu verbrennen. Doch auch in den Bergen wurde sich eines sonnigen Tages im geschlossenen Verband bewegt, als wir den welligen Verlauf der nördlichen Küstenstraße in Richtung Andratx befuhren. Bei einem der unzähligen Wendemanöver dieses Tages, die dem Warmhalten der eigenen Maschine während des Wartens auf die anderen dienten, kollidierte RiFlis Kohlebude mit Hustens Eisenschwein derart heftig, daß es zu einer unkontrollierten und irreversiblen Verformung von RiFlis vorn geführten Systemlaufrades samt Führerabgang vom Fahrzeug kam. Nachdem der höchste Mann im Feld wieder auf seinen beiden haarigen Beinen stand, durfte Husten seinerseits Eddies Häutung im ersten Stadium beobachten. Diese kleine Lackirritation sollte Husten noch so manch grimmige Mine ins Gesicht zaubern. RiFli machte sich mit gelöstem Bremsseil auf den direkten Heimweg, während der restliche Tross weiterzog. Bei beiden Geschädigten konnte ich aber bereits nach dem ersten abendlichen 0,0-Bier wieder ein altgewohntes Lächeln in den sonnengegerbten Gesichtsfalten feststellen.

Ein weiteres, wenn nicht DAS Höhenlicht unserer diesjährigen Fernreise war zweifelsohne das große, nur einmal im Jahr stattfindende Bergrennen La Petrólica zwischen Caimari und der Tankstelle am Kloster Lluc. Zwock und Staubi…, also was ich sagen will, Helden werden nunmal geboren! Und somit war es uns anderen lediglich gegönnt, als Zuschauer diesem Monument des Radsports beizuwohnen. Zweimal bereits tobte dieser blutige Kampf der Zweiradglatiatoren, und bis zu diesem Jahr stand es unentschieden. Wer also sollte sich in diesem Jahr endgültig aus dem Schatten des anderen herwagen? Zwock, ein spritziges Kraftpaket mit einer Woche Vorsprung in den Beinen oder Staubi, das zähe Langstreckenluder, das erst kurz vor dem Großereignis eingeflogen wurde. Beide Aspiranten gelten auch außerhalb des Kaderkreises als wahrhaftig übertalentierte Ausnahmeathleten, doch nur einer sollte sich den begehrten zweiten Stern an den von Blut, Schweiß und Teer gezeichneten Rahmen kleben können.

Der Startschuß fällt, und sofort schießt Staubi in die steinerne Rampe. Zwock reist pflichtbewußt in seinem Windschatten. Wir Zuschauer hatten am Vorabend im hoteleigenen Wettbüro G-BET.COM all unser Vermögen auf den jeweiligen Favoriten gesetzt, und so fuhr jetzt ein jeder an der Seite seines Idols. Ich klemme mich also an Staubis Seite. Jegliche helfende Eingriffe in das Renngeschehen sind untersagt, also bleibt mir nur das nutzlose Begleiten. Überhaupt ist der Großteil unserer Reisegesellschaft bei Staubi versammelt, nur RiFli hält sich tapfer und so siegessicher wie der Führer Anfang `45 an Zwocks Seite. Und es kam, wie es kommen mußte. Von unbändigem Willen und belgischer Härte getrieben, zog Staubi Kehre um Kehre nach oben, während Zwock nur noch Schadensbegrenzung auszuüben vermochte. An der Tankstelle aller Tankstellen wurde Staubi Zeuge seiner selbst und durfte sich schließlich als Triumphator feiern lassen. Doch auch Zwock, der am Rande der Bewußtlosigkeit entlangbalancierend noch auf einen guten zweiten Rang fuhr, konnte sich nur wenige Minuten später im Meer der Gratulanten baden. Freuen wir uns also auf ein nächstes Mal.

Ansonsten haben wir einmal mehr alle wichtigen Schönheiten der Insel abgefahren, sei es Sa Calobra, Port de Valldemossa, Orient oder der Marktplatz von Petra. Meine angelsächsichen Freunde, dieses Mal mit ernstzunehmender Unterstützung im Gepäck, hatten sich dieses Jahr in einer neuen Formation nebst finanzieller Unterstützung zusammengeschlossen. Und so begab es sich, daß es auch zu zwei Ausfahrten mit dem Team FP-Mailing kam, dessen Geldgeber – und so schließt sich der Kreis – als Frankotyp-Postalia mit Sitz in Birkenwerder firmiert. Husten konnte am Rande der ersten gemeinsamen Befahrung sein Stehvermögen unter Beweis stellen und Adrian, einen recht schnellen Burschen aus dem Arbeiter-Milieu in Manchester beim Sprint „Run For The Signs“ bezwingen. Adrian konnte dann endgültig in die Zweitklassigkeit verabschiedet werden, als es mir beim eigentlich innerbritischen Bergkontest über 5 mythische Anstiege mit hart erkämpften 6 Bergpunkten gelang, meinen dritten Platz vor Adrian zu manifestieren. Er bat mich, dem ESK folgende Botschaft ausrichten, was auch immer diese fremden Worte bedeuten: Fuck the Germans!

Was dem Deutschen Sportler sein Erdinger alkoholfrei ist, das ist dem Balearenaktivist das San Miguel 0,0. Es war bereits nach ein paar Tagen ein etabliertes Ritual, nach dem Abendessen gemeinsam an der Hotelbar sein 0,0er zu bestellen.

Nicht ganz so köstlich wie das heimische Pendant, aber immerhin auch ohne diesen unheilbringenden Schadstoff. Mangels genügend Volumina dieses Wellnessbieres während PDas Geburtstagsvorfeier mußte durch einige Freiwillige auch auf normales Bier zurückgegriffen werden, was diese als eine der fiesesten Strafen neben Regenfahrten und Schmiere-am-weißen-Ärmling sahen. S-Punkt prägte daraufhin den abschreckenden Begriff „Alkoholbier“.

Unser junger Kamerad Frenkhenk hat auch endgültig Blut geleckt. Er macht eine Bombemfigur auf seinem Arbeitsgerät, ist pfeilschnell beim Bezwingen von Höhenunterschieden und hat seine wahre Liebe zum filigranen Zweirad einmal mehr bestätigt. Bei einer Hatz über die unendlichen schönen Routen der Insel – ich war diesen Tag leider nicht dabei – spornte er seine Mitstreiter zu erhöhter Schlagzahl an, um die am Horizont gesichtete fremde Gruppe einzuholen und zu zermalmen. Als man überraschend schnell näher kam, erkannte Frenkhenk den Grund: „Ach Du Scheisze, das sind ja Mountainbiker!“ Ich nehme an, Frenk und Gefolge setzten kurzerhand den stolzen Schwanenblick auf, zogen majestätisch vorbei und ließen diese Erdkriecher auf ihren Gartengeräten im Sog wie Kleinkinder im Karrussel hin und her wackeln.
Jetzt hoffe ich, daß sich die anderen Kader langsam vom Jetllag erholen konnten und noch die eine oder andere Anekdote hinzufügt. Sobald die Bilderchen komplett verfügbar sind, wird es quasi noch Mallorca zum Anfassen geben. Nächstes Jahr wird es für mich höchstwahrscheinlich Adios Malle, Benvenuti a Italia heißen. Was Bettini und Boonen können, daß kann ich auch!

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10 Antworten auf “Sonne, Berge und alkoholfreies Bier: Malle 2007”


  • G R O S S A R T I G ! Campa rulz!

  • G E N I A L ! Shimano rulz!

    der nächste bitte…

  • Boerge – das heisst CAMPING rulz. Denn wer sich mit der falschen Ausrüstung auf holpriges Pflaster begibt, der sollte besser seine Notausrüstung direkt am Mann tragen… menis

  • Acke, alter genial-verrueckter Denker und Dichter…
    Meister Lampe labert einen nicht bloss waehrend der „lockeren“ Auffahrt von Sa Calobra zu.
    SUUuuuper Bericht!

    Ciao
    Der Frosch
    C.

    Die Lampe* Alladin, reich mir die Lampe*!
    *Bilder!!!
    Menis, die Links und Bilder!?
    Husten, di Waesche?!

    SRAM rulz!

  • Ach herrlich…poetische Worte zu einem wunderschönen und viel zu kurzen Erlebnis.
    Und es erfüllt mich mit großem Stolz, ein „Monument“ des Radsports gewonnen zu haben, einen echten Frühjahrsklassiker…

    ESK rules! Schaltwerke kommen und gehen!

    Staubi

  • danke fürs teilahben lassen :-) ab dienstag werden wir den untergrund von der insel in beschlag nehmen und durchs gebirge robben :-)

  • Acke, danke für diese Worte. Ich erinnere mich gern an dieses schöne, leider für mich zu kurze, Erlebnis zurück.
    Und ja

    …setzten kurzerhand den stolzen Schwanenblick auf, zogen majestätisch vorbei…

    so hat es sich, auf der fast täglich gefahrene Straße von Cala Pi kommend, zugetragen.
    Dem Monument des Radsports konnte ich leider nicht beiwohnen, aber ich konnte im Vorfeld das Training des Zweiradglatiators Zwocks beobachten, was schon eine Vorgeschmack auf DAS Rennen zur Tankstelle zeigte.
    Aus den Liebesbekundungen italienische oder japanische Technik, halte ich mich soweit raus, weil ich nur die aus Fernost kenne und diese tut bei mir, zumindest am Renner, gute Dienste.
    Ähnliche Worte hinterließ auch Christian fernmündlich aus HH.

    frenkhenk

  • Ich will hier nicht in offenen Wunden rumbohren, deshalb sei nur soviel gesagt:
    „Shimano baut Schaltwerke während sich eine weitgehend unbekannte Marke aus Italien auf sogenannte Fallwerke spezialisiert hat.“

    Am Vorabend unserer Abreise verstarb unser geliebter Horsti Horstivor der Kleiderschranktür nachdem ich ihn mit einem Blatt Toilettenpaier zugedeckt hatte. Die Beisetzung fand sofort im Anschluß unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt.

    Bilder gibt es [HIER] oder [HIER]

  • na schau, da sind wir uns ja fast über die räder gefahren sozusagen… also ich war vom 11.-21.3. im paradis.
    @coffee: ist damit gemeit ihr wollt mtb-fahren? Wenn ja würde ich gern wissen wo ihr euer glück probiert habt und was dabei rausgekommen ist. unsere mtb-versuche endeten mit (im wahrsten sinne des wortes) verlaufen in der Tramuntana. wandern ist ja ganz nett, aber mit plastiksohlen und sperrgepäck…?

    gut, na denn bis zu nächsten radtour…

    mfg rick

  • hi leute noch mal schönen dank und es war echt ne geile woche. der bericht ist super geht runter wie öl. also schönen gruß und man sieht sich mit sicherheit in berlin.

    tschau

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