Vogelsbergtour mit eingebauter hessischer Bergzeitfahrmeisterschaft

Samstag, bei herrlichem Spätsommer-Wetter startete ich in Nidda (Wetterau) am Fuße des Vogelsberg-Vulkangebirges. Zunächst rollte ich die 20km in Richtung Startort Schotten-Rüdingshain. Dort mußte ich die Startnummern-Ausgabe suchen und kam gerade mal 5min vor meinem Start an der Rampe an.
Copyright http://www.tgv-schotten.de/wms_neu/pdf/Bergrennstrecke.pdf Warm war ich also, nur auch schon ziemlich fertig nach bereits 400 zurückgelegten Höhenmetern. Mein Kilometerzähler zeigt 23,18km an, als die letzten 15sec vor meinem Start runtergezählt wurden. Zum Glück konnte ich noch kurz vorher mein „überflüssiges“ Gepäck abgeben. Dieses wurde per Shuttle-Service zum Ziel transportiert, super Sache, da ich anschließend noch weiter gen Nordosten wollte.

Nun aber erstmal zum Zeitfahren. Die Strecke kannte ich bereits aus dem Vorjahr, damals wurde ich bei einer Trainingsfahrt vom amtierenden Bergmeister mit knapp 7 Minuten „heimgeschickt“. Zum Glück ist er ein sehr netter Kerl und nach seinem Sieg grämte ich mich nicht. In diesem Jahr fuhr er übrigens bei den Lizenzlern mit und belegte knapp geschlagen den 2.Platz…

Es ging prima los, nach 800m war ich an dem 30 Sekunden vor mir gestarteten Teilnehmer dran und kurz darauf überholte ich ihn. OK, ich war gut, dachte ich… Nur wenig später, schätze mal so um KM 2,5 wurde ich das erste Mal überholt. Egal, versuchen dranzubleiben, die Beine brennen, immer weiter entfernt er sich nach vorne und was ist das für ein Geräusch? Nein, der nächste rollt an mir vorbei! Ziemlich frustriert versuche ich die Lücke so langsam wie nur möglich größer werden zu lassen. Irgendwann, als der Vorsprung ca. 100m beträgt schießt Nummer 3 an mir vorbei. Kurz überlege ich auszusteigen, um mich zu vergewissern ob ich vielleicht noch letzter werde, drehe ich mich um und sehe meinen Überholten in weiter Entfernung. OK, letzter werde ich wohl nicht.

Kurz vor dem Ende des härtesten Stücks um KM 5 verliere ich die beiden vor mir. Ich trete was ich kann, alles brennt, ich bekomme kaum Luft, der Hals ist trocken. Irgendwie bräuchte man zusätzliche Luftlöcher um Sauerstoff in den Körper zu transportieren… Bei KM 6 geht es das erste Mal leicht bergab, ich beschleunige mit 52:11 auf über 50Sachen. Merke aber bei KM 7 (es geht wieder leicht bergauf) das ich nicht mehr wirklich viel Kraft habe. Egal, große Blatt bleibt jetzt bis ins Ziel drauf. In einer Kurve stehen jede Menge Leute an einem Parkplatz und denke schon das Ziel ist nah. Fehler, es geht immer noch weiter, aber da nach der nächsten oder übernächsten Kurve sehe ich das Zieltor. Nochmal Vollgas und durch!
RockdaScot

Ich vernehme einige bekannte Gesichter am Rand und rolle erstmal aus. Dann höre ich den Streckensprecher etwas von 21min20sec sagen, wow, tatsächlich über 3 Minuten schneller als im letzten Jahr bei der Testfahrt. Wie ich später aus der Ergebnisliste erfuhr, waren die 3 Überholer auf Platz 1, 2 und 5 angesiedelt. Also wirklich keine Schande, tja wäre ich mal länger drangeblieben, fragt sich nur wie ;-)

Aber was an diesem Tag mein „größter“ Erfolg war, ich konnte meinen langjährigen Kumpel Holger, welcher für die lokale Konkurrenz unterwegs ist, um 2 Sekunden schlagen. Meine Zeit reichte letztendlich zu Platz 26 bei den Senioren 1 von 48 gestarteten Teilnehmern. Von den 399 insgesamt (Lizenz und Jedermann) belegte ich Platz 217.
Ergebnisse...

Nach kurzem Geplauder mit Holger verabschiedete ich mich in Richtung Nordosten. Ich überquerte die höchste Stelle des Vogelsberges und knallte mit fast 70 Stukkis runter. Über einige Dörfer deren Namen mir entfallen sind, gelangte ich nach Lauterbach. Dort traf ich mich mit Yvi, einer rekonvaleszenten Rennradlerin aus Ffm. Bei Appelschorle und Kaffee erzählte sie mir die ganze Geschichte ihres Radunfalls von vor ein paar Wochen. Etwas später als geplant trat ich dann die Heimreise an, mein Plan war ja bis Frankfurt zurückzufahren. Nur mit dem Licht sieht es Ende September nicht mehr so toll aus. Ich mußte also ziemlich auf die Tube drücken.

Für die Strecke wählte ich eine zuasphaltierte alte Bahntrasse aus, den Vulkanradweg. Eine wirklich tolle Sache, wären da nicht die vielen Straßenüberquerungen. An denen muß man jedesmal auf Schrittgeschwindigkeit runterbremsen und dann wieder voll beschleunigen. Zunächst führt der Vulkanweg von 300m ü. NN wieder rauf auf fast 600m ü. NN, allerdings verteilt auf knapp 30km. Aber nach dem bisher geleisteten Programm hatte ich meinen Spaß, 30KM konstant bergauf, nicht steil, aber stetig. Hinter mir machte sich so ein Hecht an mein Hinterrad dran und über 10km bis zum Scheitelpunkt klebte er. Erst kurz vor dem höchsten Punkt gab er auf.

Jetzt rollte es sich doch schon viel angenehmer, ewig lange ging es mit 40km/h die Abfahrt runter. Natürlich immer wieder von den erwähnten Schikanen unterbrochen. Nach 2 Stunden hatte ich das Ende des Vulkanradweges in Altenstadt erreicht, bei KM125 stoppte ich kurz an einer Tankstelle um mich mit Zucker und Wasser zu versorgen. Ohne Zeit zu verlieren ging es auf ner ekeligen Bundesstraße nach Frankfurt. Noch 26km zeigte ein Schild an, aber die Sonne ging langsam aber sicher unter. Weiter, weiter, immer weiter, die 3 mußte auf dem Tacho stehen, komme was wolle. Die letzten Wellen vor FFM zogen das letzte bißchen Kraft aus den Beinen, aber ich wußte nur noch dieser Hügel und dann hatte ich es geschafft. Um kurz nach 1900 war ich am ersten Ortseingangsschild mit FFM. Nun noch 20Minuten zu meiner Werkstatt und da das MTB abholen.

Leicht geschockt nahm ich die Reparaturrechnung entgegen und hatte danach keine Lust und „kein Geld“ mehr zum Einkaufen. Stattdessen besuchte ich mein Lieblingsgartenlokal und gönnte mir nach insgesamt 170km Käsespätzle und lecker Hefeweizen vom Fass. Zufrieden fiel ich abends ins Bett, am nächsten Tag wollte ich ganz entspannt die Rad-WM in Salzburg am TV genießen.
Profil

Eigentlich sollte es ja regnen, zumindest etwas schlechter werden, aber Pustekuchen. Kein Wölkchen trübte den blauen Himmel, zunächst fesselten mich die Profis in Austria. Als dann aber Motorsport übertragen wurde, gab es kein Halten mehr. Mit dem Mounti begab ich mich in den Taunus und hatte eine schöne Recomtour am vielleicht letzten „Sommertag“ 2006. Am Ende standen nochmal 70km und ein paar Höhenmeter auf der Uhr.
dd aka eule [mtb vs rr]

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