Arschgeige auf orangem Orbea mit Triaaufsatz gesucht

Folgend weitere Kennzeichen: Kleiner Modebart (nur das Stück unter der Unterlippe…), etwa 170cm, schlank, rasiert – also die Beine jedenfalls, voller obszöner Beleidigungen, auffällig dumm…

Gestern zog mich das Spätsommerwetter auf die Hausstrecke. Ja, es war voll. Also fuhr ich stur mein Tempo. Nachdem sich einer der vielen Anklamper in einem Anfall von unheilbarer Selbstüberschätzung zu einem bergauf Überholmanöver der vor uns fahrenden Autos (!) entschloss, kam es etwa 20 Meter weiter und noch auf der Steigung zu einem Vollbremsmanöver aller Beteiligten, bei dem eben dieser elegante Sportsfreund mit seinem Vorderreifen an der vorderen Stossstange des entgegenkommenden Fahrzeugs zum stehen kam. Unglaublich.

Stoisch rollte ich weiter und erreichte wenig später den S-Bahnhof Wannsee. Auf der Höhe der folgenden Kreuzung (rechts ab nach Potsdam) fuhr ich einem Fahrer (siehe Beschreibung oben) auf. Gemeinsam, er vorn, ich hinten, bogen wir bei Rot in den dichten Verkehr ein und ob fehlender Verkehrslücke musste ich seinem Tempo folgen. Gerade als ich nett grüssend vorbei rollen wollte, fing dieses perfide Individuum an mich unflätigst zu beschimpfen.

Offensichtlich hatte ich, seiner Meinung nach, die Absicht, bei 25km/h seinen Windschatten zu nutzen und diesen Irrtum nahm er nun zum Anlass, mir alle in meinem Wortschatz befindlichen Beleidigungen und einige neue, an den Kopf zu werfen. In wilder Rage hämmerte er zusammenhangslose Beschimpfungen heraus und selbst als ich höflich nach der inneren Motivation seiner Worte fragend, ein klärendes Gespäch beginnen wollte, war er nicht zu stoppen.

Verwirrt bog ich rechts ab (Am Großen Wannsee). Doch mich wurmte diese Flegelei und so fuhr ich links, links, und wieder rechts, um mich einige hundert Meter hinter ihm wieder auf die Strasse in Richtung Potsdam einzuordnen. Schliesslich traf ich den Kameraden wieder, rollte neben ihn und fragte ihn, ob er nicht, angesichts meiner milden Stimmung, einige erklärende Worte hervor bringen könne, um zu untermalen, wieso er wohl zu so einfacher Denk- und Handlungsweise tendiere. Ich schwöre, er sagt kein einziges Wort. Nun, auch meine Frage ob seine 500k große Festplatte ausschliesslich mit niederem Vokabular gefüllt sei, brachte mir nur einen Blick der Marke „Ich ganz, ganz böse und gefährlich“ ein. Durch diesen Blick motiviert schlug ich vor, dass wir gern alle weiteren Fragen per Hand am Strassenrand klären können.

Doch auch diesen liebevoll auf sein Niveau gesenkten Vorschlag nahm er nicht an und so fuhren wir schließlich getrennter Wege. Ja, so ging eine erfrischende Ausfahrt in meinem Heimatrevier zu Ende und ich zweifele wirklich, ob ich zukünftig den Mut habe, mich erneut derartig komprimierter Dummheit auszusetzen. Etwas frustriert… menis

12 Antworten auf “Arschgeige auf orangem Orbea mit Triaaufsatz gesucht”


  • Willkommen zu Hause… So oder so ähnlich dachte ich auch, als ich nach zehn Tagen Alpenromantik die Stadtgrenze Frankfurts erreichte. Glücklicherweise ist mir das erste Ereignis dieser Art nach meiner Rückkehr bisher erspart geblieben. Gleichwohl war es mein erster Gedanke wann es wohl soweit sein würde/wird.

    Da unten grüßt jeder jeden, Mountis RRler Wanderer, piepegal, selbst das kleine Duell (welches ich mir lieferte) wurde mit einem respektvollem Grinsen abgeschlossen.

    Was mich allerdings gestern zum Fluchen brachte, war ein Stein, welcher sich während der Abfahrt auf dem Limestrail zum Weltkulkturerbe Saalburg zwischen Kette, Schaltwerk und Laufrad mischte. Ergebnis: alles zersemmelt! Bitte Bikemailorder, schnell Päckchen schnüren und ab die Post… Jetzt wo Robsen weg ist, klappts ja vielleicht auch ;-)

  • Unglaublich. Zum Glueck trifft man solche Doofkoeppe im Wald eher selten …

  • Aber eine schöne Geschichte ist das schon. Stell Dir mal vor, wie langweilig es gewesen wäre, wenn Ihr Euch heulend in den Armen gelegen hättet.
    Ich stelle mir gerade vor, wie der Kollege jetzt in seinem miefigen Keller sitzt und das schöne Orange überpinselt.

    Rikman hat übrigens recht, im stadtfernen Wald ist die Welt noch in Ordnung (…bis auf die von den ADFC-Torfnasen asphaltierten Wege…)

  • War mir klar, dass ihr gleich mit der „Im Wald da….“-Leier kommt. Nervig, zumal ihr damit wirklich Recht habt! Ich gebe zu, dass ich, angesichts der aktuellen Doping-Geschichten und der herumstreunenden Rennraddeppen, mein GT liebevoll hervor gekramt habe… menis

  • Aber es hängt nicht nur am Wald. Besipiel Frankfurt: Im Taunus grüßen Dich selbst MTBler nur selten, im Odenwald dagegen selbst der Bauer auf der Wiese…

  • Es ist die Gegend, ja, die Gegend ist es.

    Das sehr hohe Aufkommen an Zweiradathleten auf engstem Raum läßt die Gewaltschwelle gegen Null sinken. Verläßt man dagegen die Stadt und genießt die schier unendliche Alleenlandschaft im Ostdeutschen Raum, so ist man erfreut – ja beinahe positiv erschrocken, überhaupt auf einen Leidensgenossen zu treffen.
    Man möchte gleich Blutsbrüderschaft schließen, Telefonnummern austauschen und ewige Freundschaft versprechen.
    Im Berufsverkehrt auf der Krone dagegen hat mich außer Menis und Husten auch noch niemand gegrüßt.

  • ja, es ist die gegend.

    als ich in meiner zeulenrodaer heimat vor drei wochen eine mtb’er getroffen hab (der erste seit zwei jahren), wurde erstmal nett gequatscht. und der eine rr’ler , den ich letztes jahr mal gesehen hab, hat auch nett gegrüßt…

    bf

  • Ja es gibt schon manchmal Menschen, bei denen es nicht ganz nachvollziehbar ist, welche elektrischen Impulse im Großhirn vonstatten gehen. Aber das es im Wald solche Typen nicht geben soll wage ich durchaus zu bezweifeln. Da ist selbst mir schon der Eine oder Andere über den Weg gefahren.

  • OnkelW, dann faehrst auch du vielleicht in der falschen Gegend. Der Volkspark Prenzlauer Berg ist evt. nicht das richtige Terrain um das Mountainbike mal so richtig auszufuehren?!

  • Ach menis,

    hätte ich Dich bloß angerufen und zu einer gemeinsamen Ausfahrt überredet. Zu zweit kann man solche Plinsen besser ertragen….vielleicht wäre die Situation dann aber auch eskaliert….
    War am Sonntag in eben der besagten Gegend unterwegs um die letzten Spätsommer-Sonnenstrahlen zu erhaschen und um die Beine ein wenig locker zu fahren und ich muß sagen, es hat trotz allem viel Spaß gemacht….

    Staubi

  • Da ist selbst mir schon der Eine oder Andere über den Weg gefahren.

    Ey Alter, meinst Du mich, Du Vogel? ;-)

  • Ach Menis!
    Du weißt doch: Diese kleinen Typen haben eben alle einen Komplex. :-) Das ist wie mit den Dackeln, die kläffen auch ständig die Großen an. Ich rate zu Gelassenheit, lass die restlichen 350 PS unter der Haube und freu Dich! Eine arme Wurst wie der ist es nicht wert, auch nur für eine Minute Deine Seele zu belasten.

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