Course Cycliste Taunus, eine Idee – TEIL 2…

Nachdem am Samstag mein alljährliches MTB-Ultraevent dem schlechten Wetter (unnötig, Wetter war top) zum Opfer fiel, lungerte ich den ganzen Tag auf der Couch rum und studierte die TK50 Taunus östlicher Teil. Sollte ich Sonntag die 160km Gelände alleine absolvieren? Den Naturpark Hochtaunus-Rundweg an einem Tag alleine? Meine Lust aufs MTB hält sich zur Zeit in Grenzen und 4mal bin ich das Ding schon gefahren. Warum also nicht mal was neues probieren?

Gesagt getan, ich legte mir eine Route zurecht, welche dem Rundweg möglichst getreu folgen sollte. Jedoch Rennrad-tauglich sollte die Tour sein. Meinen Start verlegte ich auf die Saalburg. Macht diese doch als Hauptattraktion und Besucherzentrum des UNESCO-Weltkulturerbe LIMES einiges her und liegt direkt am Rundweg. Um 8:38Uhr Sonntag Morgen startet das Projekt: „Naturpark Hochtaunus RTF“

Zunächst rollte ich runter nach Wehrheim, dort erledigte ich die vergessene Morgentoilette, ups… Der erste kurze Anstieg nach Pfaffenwiesbach brachte Bewegung in die kalte Muskelatur, anschließend runterrollen ins Usatal über Kransberg. In Ziegenberg Abschied vom Usatal und ab Wiestal heißt es wieder klettern. Von Münster zieht sich der Anstieg bis Bodenrod an diesem frischen Morgen ewig. Lustig an dieser Stelle kommen mir zahlreiche Mädels auf Rädern entgegen. Ein Streckenposten am Straßenrand klärt mich auf: Kurztria von Maibach. Später bewege ich mich zeitweise auf der RTF-Strecke des RV Ober-Mörlen. Windschatten oder Anklamperer gabs aber keine(n)…

Von Bodenrod gins bergab bis Weiperfelden, weiter nach Espa. Ab Espa führt eine wunderschöne kleine Straße durch den Wald, leicht ansteigend, nach Cleeberg. Dort steigt das Tempo in der Abfahrt nach Oberkleen wieder an, bevor es links ab nach Vollnkirchen wieder hoch geht. Ein stetes auf und ab ist Hauptmerkmal des ersten Teils der Strecke bis Wetzlar. Nächste Station auf dem Weg dorthin lauten Volpertshausen und Weidenhausen.

In Wetzlar verliert man deutlich an Höhe auf dem Weg ins Lahntal. An dieser Stelle versuchte ich zu genau beim Rundweg zu bleiben. Mit der Folge das ich einige Kilometer auf losem Untergrund (Schotter, rutschige Steine) zurücklegen durfte. Ab dem Sportplatz von Oberndorf hatte ich wieder festen Untergrund. Gleich ging es in rasanter Abfahrt zur L3451 in Richtung Braunfels. Besser ist es wohl ab Wetzlar auf dieser Landesstraße zu bleiben.

Braunfels, das bedeutet eine alte Feste (Schloß) hoch oben auf dem braunen Felsen. Der Anstieg (auch im Profil zu sehen) ist völig umsonst, aber er gehört dazu und außerdem bieten die vielen Fachwerkhäuser ein nettes Ambiente. Sofort geht es wie bereits angedeutet wieder runter, um sofort in einen heftigen, im zweistelligen Prozentbereich liegenden Anstieg zu gehen. Ich halte mich rechts der Straße auf einem parallel liegenden Wirtschaftsweg. Weiter oben führen beide Straßen wieder zusammen, jetzt geht es gen Weilburg.

Vor Weilburg mache ich aber den Abstecher nach Kubach, der ist Pflicht. Denn erstens ist die zuvor befahrene Straße eine B und zweitens liegt im über tausenjährigen Kubach die bekannte Kristallhöhle. Heute bleibt dafür leider keine Zeit und es warten die letzten Meter nach Weilburg. Ab Ortseingang geht es schnell runter an die Lahn, 70km/h wären bei trockenen Straßen locker drin gewesen. Weilburg glänzt mit seiner Schloßanlage, auch hier wäre ein längerer Aufenthalt bestimmt unterhaltsam geworden.

Entlang des Lahnradweges befinde ich mich wieder auf der Original-Rundwegstrecke. Ich nutze den am heutigen „schlecht-Wetter-bedingten“ verkehrsarmen und flachen Streckenteil zur Verpflegung und gönne mir ein Käse-Salamibrötchen bei 28km/h. Einzig auf der Lahn ist reger Verkehr zu beobachten, zahlreiche Boote mit Ausflüglern paddeln um die Wette. Ich genieße den Teil und komme erst nach Fürfurt in Rage, als plötzlich der Weg von Asphalt in matschigen Schotter wechselt.

Irgendwann kommt wieder schwarze Gleitmasse in Sicht, da ist es aber auch nicht mehr weit bis Aumenau. In Aumenau verlasse ich die Lahn und bei 118m ü. NN ist der tiefste Punkt am heutigen Tag erreicht. Jetzt geht es wieder berghoch, endlich wieder warm werden. Über das beschauliche Langhecke steigt die Straße weiter an, nach Wolfenhausen und einer kurzen Abfahrt geht es vom feinsten hoch nach Haintchen. Blöde Witze über den Ortsnamen verbitte ich mir, hier war zum ersten Mal ein Hauch von „Tief“ zu spüren. Ich motivierte mich mit der Tatsache gleich im Weiltal zu sein. Von da sind es ja nur noch 4 Bergwertungen…

Über Hasselbach kam ich dann nach Rod an der Weil, den Feuerwehrball ließ ich links liegen. Entlang des Weiltals, vorbei an der Erbesmühle hieß es schlagartig links hoch nach Altweilnau. Der Anstieg war halbwegs zu verkraften, als plötzlich ein heftiger Schauer einsetzte. Der erste an diesem Tag, obwohl ich ständig die grauen, tieffliegenden Wolken in Augenschein hatte. Kurz stellte ich mich an einer Bushaltestelle unter und vertilgte mein zweites Brötchen. Als der Schauer etwas nachließ, zog ich mir die Regenjacke über und setzte die Reise fort.

An der Landsteiner Mühle verließ ich das Weiltal in Richtung Treisberg. Eigentlich auf dem Weg zum Feldberg unnötig, aber die Originalroute rief und ich wollte folgen. Zum Glück konnte ich nicht die mörderische Diretissima über Wald und Wiese nehmen und „durfte“ über Finsternthal den Anstieg bewältigen. Die Serpentinen waren mit nassem Laub bestückt, hier und da drehte mein Hinterrad durch. Letztlich doch leichter als gedacht kam ich kurz später am Brunnen in Treisberg an. Ich füllte eine Trinkflasche auf und rollte runter zurück ins Weiltal nach Hunoldstal.

Entlang der eher stark befahrenen Weiltalstrecke kam ich über Dorfweil nach Schmitten. Dort bog ich dann rechts ab, es folgte der vorletzte Anstieg nach Seelenberg. Immer noch regnete es, langsam ließ der Mist aber nach. Meine Kräfte auch…

Es folgt die vorletzte Abfahrt nach Nieder-Reifenberg, ich entspanne mich. Jetzt folgt nur noch eine Bergwertung, die Bergwertung zum Großen Feldberg. Gleich am Ortsausgang steigt die Straße supersteil an, geradeaus hoch. Ich schaue nach unten und kurbel konstant mein Programm ab. Es ist wie ein Wunder, plötzlich reißt der Himmel auf und die Sonne spiegelt sich im nassen Asphalt. Ein Wetterfenster ausgerechnet am Plateau, perfekt, besser gehts nicht. Am Roten Kreuz zweige ich links auf die letzten Kilometer zum Plateau ab. Ein letztes Mal Zähne zusammen beißen, die letzte Kurve und oben. Für ganz kurze Zeit genieße ich das Loch in den Wolken, bevor es runter geht.

Am Sandplacken gibt es ein Dilemma, entweder rechts nach Oberursel und dann wieder hoch zur Saalburg (stark befahrene Bundestraße) oder links über Schmitten und Neu-Anspach gen Saalburg. Im Zweifel und vielleicht bei einem Event dann links, eventuell dann über den Hessenpark und Obernhain. Heute machte ich aber einen auf Crosser und fuhr zunächst gen Roßkopf über fiesen Schotter, bevor es über den asphaltierten Versorgungsweg die letzten Meter bergab zur Saalburg ging.

Es waren exakt 7 Stunden und 156km bei etwas mehr als 2500 Höhenmeter. Nicht ganz die Härte der MTB-Runde, jedoch alleine bei schlechtem Wetter nicht ohne. Vielleicht greift die Idee einer RTF der Naturpark in Zusammenarbeit mit einem Verein (oder wir?) auf, ich fänd es klasse.

Streckenprofil

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