Der planierte Berg

Mein erster Nightride nach ueber sieben Monate sollte es werden – und ich konnte mich schon im Vornherein auf ein kleines Waterloo einstellen: Kurz vor dem Start bin ich nochmal innen Laden, um meine Uebersetzung am Gelaenderad den Plaenen der naechsten Tage (Rennsteig in Thueringen) gerecht zu verkleinern. Aber mit 2:1 faehrt es sich nicht so gut im eher ebenen Berlin. Das bedeutete kurbeln was das Zeug haelt und ne Trittfrequenzen die selbst Armstrong… ach egal.

Kurz vorm vereinbarten Treffpunkt an der Invalidenstrassen konnte ich Rifli an einer roten Ampel abpassen.
Wir warteten kurz am Kanal, da kam auch noch Carl ueberraschenderweise und so zogen wir erstmal zu dritt los immer am Kanal entlang auf Schotterwegen oder direkt am Wasser auf handtuchbreiten Pfaden. Weiter im Norden trafen wir wie vereinbart Pda und Acke und ging es zu fuenft weiter entlang am Wasser. Die letzten Lichtstrahlen der Abendsonne verblassten hinter einem See und nach schneller Fahrt (und viel gekurbel) stiessen wir in die westlichen Auslaeufer des Tegler Forstes vor.
Mittlerweile war man auch schon schoen verdreckt aufgrund des nassen und pfuetzenuebersaehten Untergrundes. Also die Klamotten schonmal eingesaut, bevor es morgen im Thueringer Wald erstmal richtig losgeht…

Im Tegler Forst konnten beim Truppenleiter Ackebua erste Orientierungsschwierigkeiten ausgemacht werden. Wenig spaeter stellte sich heraus, dass er auf der Suche nach einem bestimmten Berg war. Nunja, soll er den mal suchen. Immerwieder gleiteten seine Blicke vom hell erleuchteten Weg ins duckle Dickicht, begleitet von Spruechen voller Verwunderung wie: “Man sieht ja garnischt!”. Wir stocherten ein wenig im Wald hin und her, fuhren ein paar Runden, wendeten das ein oder andre Mal, erkannten unsere Spuren wieder und das wir somit im Kreis gefahren sind etc – und immer auf der Suche nach dem fiesen Huegel. Aber er war einfach nicht zu finden. Rifli schaltete sich vergebens in die Suche mit ein. An einer Stelle meinte er einen Weg gesehen zu haben, bog nach links ab – und direkt hinein ins weglose Unterholz. Und Pda hinterher. So standen sie da. Filmreife Scene! Irgendwann gaben wir die Bergfindung mit der einleuchtenden und von mir fachlich untermauerten Erklaerung, dass es sich nur um “spontane Einebnung”, oder auch “Planifikation” genannt, handeln kann, auf. Sowas lernt man schon in der Geologie-Einfuehrungsvorlesung – klare Sache das! Der Berg war einfach weg!

Wir machten uns also auf in die den beiden fuehrenden Herren besser bekannten oestlichen Teile des Tegler Forstes. Mittlerweile waren meine Kraftreserven erschoepft, heute liefs bei mir einfach nicht so gut und das gekurbele ging mir auf die Ketten. Ausserdem musste ich ja noch zurueck in den F’hain radeln. Also beschloss ich in der Naehe der Lokalitaet Zum Alten Fritz (alten WvdV-GC Veteranen bestens bekannt) den Rueckweg anzutreten. Pda und Carl begleiteten mich, Rifli und Acke brachen noch ein paar Schneisen durchs Dickicht. Im Windschatten von Pda oder Carl kurbelte ich wie ein bloeder die restlichen 20km zurueck nach Hause, insgesamt ca. 50 am heutigen Abend.

Die Dusche hatte ich mir reichlich verdient, den Magen hab ich mir vollgestopft und die Waesche bis morgen in aller Herrgottsfruehe zum trocknen aufgehangen. So alt werd ich heute bestimmt nicht mehr. Aber war schon wieder mal nen tolles Erlebnis nach so langer Pause, bloss naechstes Mal wieder mit korrekter Uebersetzung…

1 Antworten auf “Der planierte Berg”


  • “Planifikation”

    Rob, mein Lieber, Du weißt noch was wir auf der letzten Fahrt besprochen haben? Ich meine die zeit ist mehr als reif für die Geographische Gesellschaft des ESK. Entsprechende Aufsätze sollten ab jetzt regelmäßig kommen.

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