Die offiziellen Berichte zur HEW Cyclassic 2005

von menis

also gut zwock. hier ist ein schwuckenbericht, nach allen regeln der kunst:

startnummer 30007, 30008, 30009 und 30010 reihten sich in teamtrikots an der startline auf. ich meine genau an der startlinie. als erste. hinter uns ein feld von letztendlich 20000 radfahrern, aber wir an allererster stelle. damit waren unsere ambitionen klargestellt. im feld wurde es als selbstverständlich aufgenommen, dass wir, als teamwertungsgewinner des letzten jahres hier den ganz, ganz breiten machten. vorsicht – hier stehen die megacracks.

berechenbar, wie wir – die rennradschwuppen – sind, galt unsere rückennummer fortan als freifahrschein. immer wurde ich in die kette gelassen, nie wurde ich angemeckert und selbst wenn ich unachtsam andere behinderte, gab es kein geschrei, sondern höchstens ein „mann, die anderen fahren hier wie die letzten idioten“. klar – wir nicht.

so ging es durch die südöstlichen bezirke des hamburger speckgürtels. nach etwa 40 kilometern zuckten das erste mal meine beine. schockiert, wirklich schwer bestürzt nahm ich das zur kenntnis, war doch bisher wirklich nicht hart gefahren worden! oh gott – noch 115 kilometer und meine waden zuppeln schon! meine moral war derartig tief im keller und angesichts des einen oder anderen sturzes war ich mir darüber im klaren, dass diese teilnahme ein fataler fehler sein würde. aufgeben – nur wie? warum, bitte warum platzt nicht endlich mein reifen? verdammt – ich könnte anhalten und mich zu den typen in der hollywood-schaukel setzen und paar mollen schlürfen.

während ich in tiefer verzweiflung durch die gegend rollte, fing das feld langsam an etwas – ja – motivierter zu fahren. ich ejakulierte mir zwei tüten gel in den mund, spülte mit wasser nach und wartete auf irgendein wunder.

und tatsächlich. nachdem wir die ersten bodenwellen überfahren hatten, ich dabei aus dem sattel ging und richtig nach vorn fuhr, merkte ich, dass die harte belastung einen art „anpassungsvorgang“ in meinem gehirn mit sich brachte. mit stetig wachsendem tempo und damit auch steigender belastung, schien es mir immer besser zu gehen. war es das gel? ich hatte schon mal beobachtet, dass mein motor immer erst nach kurzen, aber harten belastungen „anspringt“.

es kam diese brücke. inzwischen lief es wirklich besser. ich fuhr locker im feld, fuhr auf 50-60 position und ganz langsam verschwand der tiefe wunsch, einfach bei 100km auf die mittlere distanz abzubiegen. nach der trennung der felder bildete sich ein kompaktes feld. es wurde schnell gefahren und ich erwischte mich bei dem gedanken einfach vorn aus dem feld auszubrechen. doch vorn, in 500-600 meter entfernung fuhren bereits 6, oder 7 fahrer. ohne sie zu schnappen wurden sie vom feld ausgetrocknet. sie kreiselten, strampelten, kämpften und gaben schliesslich auf.

also hiess es auch für mich schnautze halten und mitrollen. blankenese. um mich herum wurden oberschenkel ausgeschüttelt, waden gewabbelt – schnitt 44,1 km/h. nun ging es in die beiden anstiege hinein. auf der scheibe ging ich in die steigung und merkte, dass ich noch wirklich frei drehte. da war kein zucken und kein mucken – meine beine wussten, dass es langsam ernst werden wird. auf der abfahrt rasselten wieder fahrer in die abspeerung. boras flogen an mir vorbei, braungebrannte, eingeölte beine mit roten übersocken zeigten gegrätscht weit in die luft – tempo 65 – holla, da fuhr ich liebe weiter rechts. krachen, splittern, schreien und – ruhe. die räder zirrten wieder unschuldig über den asphalt. elbchaussee, es wurde ernst. ich fuhr vorn aus dem feld. unterlenker, 46, 47, 48 „haltenhaltenhalten“ – doch die blieben dran. achja die rückennummer… . ich zog nach aussen, das feld klebt an mir, folgt mir verzögert, wie eine schlange. ich drehte ab, puls anschlag, klammpe an – ********, ein anstieg. dann auf die reeperbahn. leicht bergab. mein gott – das tempo war echt hoch. alle am unterlenker. ich nahm mir vor bei kilometer 1, am roten teufelslappen voll anzugreifen, meine beine fühlten sich super – ich, ich – ja, ich hatte total spass an der hatz!

höhe rödingsmarkt emfängt uns das tosende meer des feiernden publikums. gänsehaut. ich staune, vergesse wo ich bin – begeistert starre ich in die menge, rasseln, klappern, hektische lautsprecherdurchsagen. es trifft mich voll – hinter mir wird geschrien, ******** – ich habe abreissen lassen. ohgott. im unterlenker gebe ich vollgas, schliesse auf das feld auf, warte auf den letzten kilometer, fertig, gespannt, voll adreanlin – und da: 300meter! was? ich will ansprinten, doch werde einfach zur seite gedrängt. so geht es nicht, ich habe den sprint verpennt, rolle ins ziel – acht sekunden hinterm dem ersten, platz 41.

ja. was soll mann sagen. anders als alle anderen mir bekannten veranstaltungen bieten die hews glück und unglück tür an tür. es kann so schwer und hart sein, frustrierend, man ist am ende und dann die woge der euphorie, adrenalin, hochgefühle und geschwindigkeitsrausch.

mach ich nochmal mit?

auf jeden fall auf keinen fall auf jeden fallauf keinen fall auf… menis

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