Die Tour d´ Energie von den Zietenterrassen

Onkels Bericht

Sonntag, 24. 04. 05. Der Anstieg von Hemeln zur Passhöhe Bramwald liegt still im Sonnenschein. Von einem Leitpfosten baumelt ein platter Schlauch. Am Straßenrand liegt eine Trinkflasche. Gestern wurde hier noch geschnauft und in die Pedale getreten. Das Rennen ist längst gelaufen.

Ein Rückblick. Samstag, 12. 25 Uhr auf den Zietenterrassen in Göttingen. Mehr als tausend Radler drängen sich in 5 Startblöcken. harzbikes und ich liegen noch auf der Massagebank und lassen unsere Muskeln lockern.

Zwei Minuten vor dem Start stehen auch wir in unserem Block, dem vorletzten, war ja klar. Schlimm ist es allerdings auch nicht, die ersten knapp acht Kilometer in Göttingen sind neutralisiert. Vor dem fliegenden Start werden die Blöcke wieder zusammengeführt.

Bei uns allen herrscht eine gewisse Nervosität, wann sieht man Recken wie harzbikes, northern lights oder Gordobar schon mal bei einem Straßenrennen am Start? Ich fürchte die Strecke, auf achtzig Kilometer kommen 1000 Höhenmeter, oft führt die Strecke über die freie Pläne, wo der Wind ordentlich weht.

Um 12. 30 Uhr geht der erste Block auf die Reise, angefeuert vom „Tour-Teufel“ Didi Senft. Irgendwann rollen auch wir los.

Es macht Spaß, durch die gesperrten Straßen der Stadt zu sausen, wo sonst die Autos rollen. Nach einer knappen Viertelstunde wird die Schranke passiert, die Zeit läuft und wir sind gleich in der ersten Steigung.

Wo ich mich sonst quäle, geht es nun im Windschatten relativ komfortabel voran. Langsam überhole ich, immer bestrebt, ein gutes Hinterrad zu bekommen. In Dransfeld habe ich eine gute Gruppe. Ca. acht Mann wechseln sich gut ab, ich mittendrin und so sausen wir an den anderen Radlern vorbei. Kurz vor Volkmarshausen werde ich übermütig und will die anderen selbst zur nächsten Gruppe führen. Nach ein paar Tritten, die ganz schön anstrengend sind, gucke ich mal auf den Tacho: 54 km/h, das verlangt nach richtig viel Kraft, dankbar nehme ich an, dass der „Riese vom Rhein“ an mir vorbei geht und ich in seinem Windschatten weiterfahren kann. An einer kleinen Steigung wird der Gigant ein Opfer seiner eigenen Masse und ich bin wieder vorne. Ich bekomme eine gute Gruppe und wir sausen nach Hann. Münden.
Dann geht es rechts ab, der Weser entlang. Ich profitiere von der Arbeit des „Marketing Team Düren“, oder so ähnlich, die zu dritt ordentlich Meter machen (mit der Folge, dass am nächsten Berg zwei von ihnen völlig einbrechen). Eine steile Rampe erscheint mir fast langweilig, ich wundere mich über das relativ langsame Tempo.

Nun kommen wir nach Hemeln und die lange, aber moderate Steigung liegt vor uns. Auch hier halte ich meine Nase so gut es geht aus dem Wind heraus und komme flott nach oben. Die Verpflegungsstelle lasse ich links liegen und stürze mich in die Abfahrt nach Bühren. Auch hier finde ich hinter einem Triathlon- Hünen einen Luxuswindschatten, muss allerdings sehr auf der Hut sein, weil die Straße hier sehr schlecht und rissig ist.

Unten erwartet uns eine echte Kopfsteinpflasterpassage und ich suche mir die nächsten Hinterräder. Bis jetzt habe ich pausenlos vor mir fahrende Radler überholt und jetzt deuten die Nummern darauf hin, dass es sich um Angehörige des A- Startblocks handelt.
Nun kommt ein ekliges Stück, das leicht bergauf geht und auf dem ein spürbarer Wind liegt. Wir fahren Windkante.
Zum ersten Mal ist mir eine Gruppe etwas zu stark, ich muss mich neu orientieren. Schnell findet sich auch wieder neue Begleitung, nicht nur ich habe Probleme.

So rollen wir wieder nach Dransfeld, wo der Scharfrichter wartet: Der „Hohe Hagen“. Ich hatte hier eigentlich einen richtig heftigen Kampf erwartet, aber nach wenigen hundert Metern habe ich meine Begleiter abgehängt und überhole die nächsten. Der „Hohe Hagen“ wartet mit steilen Rampen von über 12 % Steigung auf. Aber ich bin ihn vorher zweimal der Übung halber gefahren und weiß, wie ich meine Kräfte einteilen muss.

Oben komme ich alleine an und stürze mich in die Abfahrt, die sehr steile Kurven aufweist und auch Opfer fordert.

Den Fahrer vor mir kriege ich nicht. Also entscheide ich mich dafür, auf den Nächsten zu warten, der 50, 60 Meter hinter mir kommt. Wir sprechen uns kurz ab und dann geben wir richtig Kette.
Jetzt liegen ca. 6 harte Kilometer vor uns. Wir wechseln uns gut ab, um die nächste große Gruppe zu erreichen. Aber es geht bergab, und bekanntlich steigt der Luftwiderstand ja bei steigender Geschwindigkeit exponential an.
Einige Einzelkämpfer werden passiert, aber keiner hat die Kraft, zu folgen.
Meine Beine brennen und ich rechne damit, dass mein Begleiter mich bald abschüttelt. Aber auch er ist am Limit.
Die Schinderei lohnt sich. Wir erreichen eine Sechsergruppe und zusammen rasen wir Richtung Göttingen.

Endlich kann ich meine Beine mal wieder lockern. Wir passieren etliche andere Fahrer.

Noch zwei Kilometer vor dem Ziel sehe ich die nächste Gruppe und trete an. Es ist zwar hart, aber ich schaffe den Anschluss. Den letzten Kilometer verbringe ich im Windschatten und warte auf den Sprint. Das scheinen die Anderen auch zu tun.
Als ich die 100 Meter- Marke vor mir sehe, trete ich an. Links und rechts stehen die Zuschauer Spalier. Keiner holt mich mehr ein, mein alter Begleiter kommt direkt nach mir ins Ziel.

Am Ende steht Platz 137 von 1066. Die Spitze war knappe 12 Minuten schneller, aber trotzdem bin ich sehr zufrieden.
Das war sicherlich nicht mein letztes Straßenrennen

5 Antworten auf “Die Tour d´ Energie von den Zietenterrassen”


  • meinen glückwunsch ;-)

    grüße coffee

  • Alter, ich bin mehrmals beim Scrollen von der Maus abgerutscht – ich bin definitiv mitgefahren in Gedanken – Puls mindestens 168! Warum bist du alte Kampfsau nicht bei der HEW oder bei Henninger Turm dabei!?!?! Der Nauti würde dir gerne in Frankfurt den Startplatz überlassen – los ran, Alter, das ist dein Chance!

    Respektvoll

    Ritzelflitzer

  • Ich prüfe es bereits. Denn ich bin definitiv angefixt!

  • Jaaa. Und was du noch nicht verraten hast …
    Dank deiner überragenden Leistung ( ich weiß wovon ich rede , denn ich fuhr mit ) haben wir mindestens einen Kasten Bier gewonnen.

  • Bravurös gemeistert! Endlich kam auch ich dazu, Deinen Höllenritt einmal zu lesen. Das ganze schmeckt ja ziemlich nach Superform. Ich denke, wir können uns auf Dich verlassen, wenn wir auf die Zielgerade kurz vor dem Henninger Turm auffahren.

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