Neujahrstour im Eichsfeld

Der Tourbericht von Sketcher

Da unser Jockel ein echter Preusse ist, mag er auch das Schlichte, Ehrliche und Stille, das sich nur einem feinen Auge erschließt. So verbrachte er auch dieses Jahr mit seiner Familie den Jahreswechsel in unserem kleinen Eichsfelde.

Letzten Sonntag fuhren wir mit Rob im nahegelegenen Thüringer Wald eine wunderbare Tour und heute zogen wir zu zweit durchs Südeichsfeld bis nach Treffurt und in den Hainich.

Um 0930 holte ich ihn an seinem Quartier in Lengenfeld ab. Minus 6°C zeigte das Quecksilber. Aus Lengenfeld hinaus geht es fast überall steil hoch. Doch nach Hildebrandshausen, unserem ersten Checkpoint, führt eine nette Landstraße, die den ersten Berg umgeht. Mein Vorschlag, diese zu nehmem (der Tag wird noch lang), wurde erwartungsgemäß abgewürgt.

Also gleich steil rauf. Und dann auch noch so ein mieser Untergrund! Zugelaubt und voller Äste. Wilde, nicht nachvollziehbare Wegführungen. Dann auch noch die Brille beschlagen: Ich bin auch gleich über so einen überreiften Ast gestürtzt. Der Berg hat uns fast eine Stunde gekostet. Und ich war schon kochgar.

Unten von Hilde.hausen sind wir dann hoch zur Plesse. Steiler Anstieg, doch endlich ein fester Schotterweg. „Da kommt noch einiges. Ich fahre meinen Tritt, muß Jockel eben oben warten.“ dachte ich mir und bin den ganzen Tag gut damit gefahren. Und Jockel war echt nett. Keine Hatz, dann klappt’s auch mit old sketcher.

Auf der Plesse steht ein alter hoher Holzturm, von dem aus unsere ehemaligen Grenztruppen in Feindesland spähten. Klar, daß wir das auch machten. Doch oben war es zu ungemütlich um sich allzulange aufzuhalten. So sind wir den Plattenweg der alten Grenze weitergefahren nach Katharinenberg. Der verläuft natürlich nicht auf der Ebene, sondern steigt und fällt entsprechend des Geländes. Das Gelände stieg und fiel teils heftig. Auf den vereisten Platten hat’s mich dann nochmal geschmissen. Doch das Fallen klappt schon ganz gut und ich hab mir nichts gebrochen.

In Kat.berg wurde die Ruine der alten Wehrkirche in Augenschein genommen. Dann weiter ins Gewirr der Feldwege, nur nach Himmelsrichtung orientiert. Nicht daß Jockel keine Karte gehabt hätte. Er hat sie sogar öfter benutzt. Doch durch fehlende Wegmarkierungen fiel es selbst ihm schwer, immer den optimalen Kurs zu bestimmen. So sind wir dann auch vom nächsten Talort (Wendehausen) zwar in die imho richtige Richtung gefahren, doch schlugen wir einen unnötig großen Haken, der, logisch, über den höchsten Kamm führte.

So langsam spürte ich meine Beine, doch war die Burg Normannstein nicht mehr weit und ich der Meinung, daß die kleine Burgschänke offen haben könnte. 1300 Uhr. Die Burg war dann auch sehr eindrucksvoll, doch alles schien dunkel und verlassen und wir waren hungrig und durchgefrohren. In der traurigen Gewissheit, das hier keiner zuhause sei, drückte Jockel dennoch auf die Klinke und siehe da: offen! Am warmen Kaminofen bei Ritterkost, Türkentrank und Gerstensaft kam wieder Leben in die tauben Glieder und so gestärkt und aufgetaut brachen wir wieder auf.

Kurzer Abstecher zur Adolfsburg mit Felsenklippen und toller Aussicht, dann auf den langen Weg nach Osten in Richtung Hainich. Die Sonne kam sogar heraus und ich konnte Jockel ein paar mal zum fotografieren verleiten, so daß ich mir einen kleinen Vorsprung erkämpfen konnte. Leider funktionierte der Trick nicht lange. Jockel hatte mich durchschaut und flog mit dem Kocmo wieder davon.

Irgendwann war der Hainich erreicht und die Höhe des Rennstieg’s erklommen. 1500. Bald wird’s dunkel. Wir legten einen Zahn zu. Auf dem Mühlhäuser Landgraben kurze Gedenkminute für Olaf’s augekugelte Schulter. Weiter nach Struth und dann ins Tal Richtung Lengenfeld und Jockels Ferienheim. Unterwegs liegt mitten im Wald beschaulich das schöne Kloster Zella, welches jetzt ein Altersheim beherbergt. Jockel und ich drehten eine Runde auf dem Innenhof. „Wir kommen auch bald!“ rief Jockel den stauenden Senioren zu. Es schien ihm wirklich dort zu gefallen und ich glaube, er hat das irgendwie ernst gemeint.

Da wir noch nicht ganz unten waren, entschloss ich mich, den nächsten Stich rechts rauf nach Effelder zu nehmen, denn dahinter im nächsten Tal liegt mein Dörfchen. Jockel, der ja bekanntlich nicht kleinzukriegen ist (und von mir schon gar nicht ), kam selbstverständlich noch bis Effelder mit. Es gibt ja auch von dort eine anständige Abfahrt nach Lengenfeld.

Wir trennten uns dann, nicht ohne unsere ewige Männerfreundschaft nochmals zu beschwören und jeder ließ sein Bike ins jeweilige Tal hinabschießen.

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