Angermünde – Bernau

Der Tourbericht von Jockel

Gut, es war an der Zeit. Etwas musste geschehen. Einer sollte es tun. Klarer Fall. Man wurde jeden Augenblick darauf aufmerksam gemacht. Bei diversen Zusammenkünften hieß es: „…die ESK-Saison hat begonnen, die Herbstwinde wehen übers Land, der Regen fällt, die Blätter werden endlich wieder bunt.“ oder: „…man müsste mal wieder was literarisches schreiben (…nur ich, der diese Aussage macht, kann im Moment leider gar nicht).“Aber wer, verdammt noch mal, wer sollte es tun? Es war also an der Zeit, die Stämme zu sammeln, Zeit, für Einen, sich zum Anführer zu machen, um die versammelten Stämme des ESK hinaus die Wälder zu führen, auf das sie es gewahr wurden, dass sie, die ersehnte Zeit gekommen war.

Es kam, wie es eben kam. Ich wollte Der sein, Der es tat. Ich setzte mich also hin und kritzelte einen Aufruf ins Forum. Die Resonanz war überwältigend. Rob, J-Coop und vielleicht noch Kolporteur wollten es wissen, wie es ist, wenn die Wälder und Felder das Ende der unsäglichen Badesaison feiern. Gut, sollte es sein… nicht im mindesten eingeschnappt und nur mit ganz geringen Rachegefühlen den Stummen gegenüber, erreichte ich gegen 08:50 den Ostbahnhof. Doch plötzlich wurde es mir klar was passiert war: Hatte ich etwa vergessen, das es just dieses Wochenende sein sollte, an dem das ESK an vier Fronten gleichzeitig angriff. Hatte ich die Pläne, wenn schon nicht selbst entworfen, doch zumindest mit meiner Kenntnisnahme billigend in Kauf genommen. Natürlich, Nautilus führte seine Schiffsjungen Menis und El in den Harz, Pda war mit Ritzelflitzer und wer weiß mit wem noch im Riesengebirge zugange, Husten gar, war mit seiner Familienmannschaft nach Mallorca abgedüst und uns stand es nun also an, die Heimat zurückzuerobern. Na dann war alles klar, es konnte losgehen. Nur bei einem musste man sich fragen, wie er es denn zukünftig mit der radsportlichen Betätigung an der frischen Luft zu halten gedenke. Mein Freund, denke stets daran, wie entspannend es ist, wenn man die muffige Studierstube mit dem Fahrradsattel vertauscht.

Pünktlich erreichte der Zug den zuvor zugewiesenen Perron des Ostbahnhofes und J-Coop war,, wie nicht anders zu erwarten schon drin. Was fehlte, war ein Fahrausweis für Rob. Ich hatte Schuld, hatte ich mich doch erboten, ihm diesen zu erstehen. Aber es war wirklich nicht meine Schuld, der Kampf mit dem Fahrkartenautomaten war lang, zäh und von nicht zu verachtender Dramatik geprägt. Hartleibig, wie diese Biester nun mal sind, verweigerte er immer wieder die Herausgabe des gewünschten Scheines, welchen Rob dringend benötigte, um als Transportgut ausgewiesen und somit seinen Beförderungsanspruch gegenüber dem VBB geltend machen zu können. Aber, wie sagt der Volksmund hier so treffend: „Drauf geschissen, aber gescheit!“. Wir bestiegen auch ohne Robs Fahrschein das Abteil, von der stillen Hoffnung getragen, Rob könne zur Not auch als Handgepäck durchgehen. Unsere Sorge erwies sich indes als unbegründet. Hatte der mit der Kontrolle der Beförderungsansprüche bestallte Kondukteur das notwendige Einsehen und die für den Dienst am Kunden gern gesehene Freundlichkeit. Nicht nur, das er keine Späne machte, nein er sah es als außerordentlich wichtigen Beitrag zum Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes an, im Zug Fahrkarten zu verkaufen. Diese Erkenntnis kann nicht hoch genug bewertet werden. Und darum darf sich dieser Mann, „Mann des Tages“ nennen. Herzlichen Glückwunsch und möge sich seine Einstellung möglichst rasch verbreiten.

Angermünde wurde ohne weitere Vorkommnisse erreicht. Unsere Einheit ergänzte noch kurz die Vorräte und es konnte losgehen. In Richtung Westen wurde die Stadtgrenze schnell passiert und dem ungehinderten Genuss der herbstlichen Landschaft stand nichts mehr im Wege. Sagte ich nichts mehr? Nun, der Chronist in mir will es so, dass ich an dieser Stelle noch die Rindviecher erwähne, die sich uns in Anfahrt auf das Ostufer der Wolletzsees in den Weg warfen. In diesem Zusammenhang muss auch Rob erwähnt werden, welcher ohne Rücksicht auf den Verlust seines jungen Lebens, die Initiative ergriff und die Viecher dahin zurücktrieb, wo sie hingehörten (…na jedenfalls fast).

Kurz darauf wurde der Wolletzsee erreicht und dieser südlich umfahren. Die Sonne schien wohlwollend auf unser kleines Fähnlein, wenn sie auch, jahreszeitlich bedingt, nicht so recht zu wärmen vermochte. Doch wozu wurden Textilien erfunden? Also kein Problem. Kurz vor Altkünkendorf, konnten wir uns von der Tätigkeit der örtlichen Biberpopulation überzeugen, hatten die possierlichen Nager doch den ein oder anderen Baum schlicht und einfach umgenagt. Darüber sinnend, warum es gerade diese Bäume getroffen hatte, wo doch im direkten Umkreis kein Bibertümpel vorzufinden ist, verflogen die folgenden Kilometer. Die von Rob hervorgebrachte Begründung, es müsse sich hierbei um halbstarke Biberjünglinge gehandelt haben, welche ihren Biberhühner imponieren wollten, wurde schließlich als die schlüssigste akzeptiert.

Weiter ging es, nun in Richtung Süden. Rob und J-Coop mussten hierbei noch einige heimatkundliche Vorträge meinerseits ertragen, was sie jedoch ohne hörbares Murren taten. Danke. Die polnischen Berge, nördlich von Groß Ziethen, wurden erreicht und erklommen. Ständiges Kreuzen führte uns schließlich zu einer Stelle im Wald, wo diverse LKW damit beschäftigt waren, den Waldwegen eine neue Oberfläche zu verschaffen. Nein, nicht was ihr denkt, kein Asphalt oder dergleichen, nein, gequirlte ******* wurde da erzeugt. Prima Sache das, besonders wenn man bedenkt, dass sich die „Stelle“ über ca. 3 Kilometer hinzog. Mein anfänglicher Zorn verflog jedoch, als ich den Grund für das Wirken erkannte. Der Bund hatte Geld gegeben und die Bahn verbrachte dieses nun, indem sie eine ihrer Nebenstrecken saniert. Immer noch besser, als Wanderwege zu asphaltieren.

Wenige Kilometer später wurde das östliche Gestade des Werbellinsees erreicht. Hier wurde beschlossen, entgegen der ursprünglichen Planung, doch eine Kaffeepause einzulegen und zu diesem Zweck, das nahegelegene Altenhof anzusteuern. Nach einem kurzen Ausflug durch die ehemalige „Pionierrepublik am Werbellinsee“, welche wohl dereinst geschaffen wurde, um den Menschen neuen Typs zu erziehen, wurde eine für unsere Zwecke geeignet scheinende gastronomische Einrichtung gefunden und besetzt. Wie man sich denken kann, schiebt das Personal gerade eine Sonderschicht, um den Ursprungszustand wieder herzustellen.

Etwas satter ging es dann weiter. Das Dorf Werbellin wurde durchfahren, wobei wir uns von der Einsatzfähigkeit der örtlichen freiwilligen Feuerwehr überzeugen konnten, hielt diese doch, anlässlich unseres Kommens eine Alarmübung ab. Das sah schon ganz gut aus Männer. Jetzt nicht nachlassen.

Das Ziel Bernau fast vor Augen, wurde keine weiteren Pausen zugelassen und die nun noch offenen 40 Kilometer rollten unter unseren Reifen hinweg, wie das Herbstlaub im Wind. Gegen 16:30 wurde Bernau erreicht, der Kiosk leergekauft und sich in die bereits bereitstehende S-Bahn geworfen, wo sogleich ein positives Resümee der vergangenen Stunden gezogen wurde. Rob meinte wohl, es reiche nicht, nur zu sagen wo es langgeht und betraute mich auch noch mit der Verfassung dieses Artikels, auf das die weite Welt erfahren möge, was wir für Helden sind.

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