Die schöne Fahrradtour

von J-Coop

Früh wars heute Morgen. Die Sonne war gerade dabei über den Horizont zu steigen und das Dunkel der Nacht zu vertreiben, als mich meine Anlage mit lieblichen Melodien zum Aufstehen bewegen wollte. Noch ein par mal im warmen, weichen Bett gewälzt und dann doch dazu entschlossen es gegen der harten Sattel zu tauschen. Da Jockel zur Tour aufgerufen hatte, besann ich mich auf einige essentielle Dinge und kochte mir zum Frühstück erstmal eine gute Portion Milchreis. Noch schnell 3 Liter in die Trinkblase und ein par kleine Notreserven in den Rucksack gesteckt. Wie verabredet traf ich um kurz nach Sieben Pda und Jockel am Ostbahnhof. Wir hatten Glück uns für die frühe Abfahrt entschieden zu haben, denn selbst der Zug, in dem El bereits saß, war schon recht voll.

Fachliche Kommentare über die befahrene Strecke und geplante Umbaumaßnahmen von Jockels Seite und das übliche intellektuelle Geschwätz ließen die Fahrt wie im Flug vergehen. Pda’s hatten sich diesmal nicht wundgestanden, doch bei mir machte sich am Hinterrad alsbald ein schwammiges Gefühl breit. Also wurde bei einem echten deutschen Bauernhof eine Pinkelpause eingelegt und schnell der Schlauch gewechselt. Recht bald ging es weiter bis sich El irgendwie Schmerzen zufügte und zu schimpfen begann. Die neue Kette wollte nicht so recht mit den alten Ritzeln und der Gute trat nur noch ins Leere. So konnte man aber keine 100km zurücklegen und El musste alleine auf der Straße zurücklullern (und ist hoffentlich heil angekommen). Zu dritt flogen wir weiter und kamen immer wieder an glasklaren Seen vorbei. Die Wege waren mal sandig, mal grasbewachsen, mal felsig, mal rutschig, mal nass und mal trocken. Jedenfalls wurde es nie langweilig. Von einem phänomenalen Ausblick ging es über wunderbarste Singletrail, die Jockel samt Anhänger erkundet hatte, wie im Flug durch die Lande. Wo genau wir überall waren, kann ich aufgrund der Geschwindigkeit und mangelnden Kartenmaterials leider nicht nachvollziehen.

Um die Mittagszeit begann der Motor des Flugzeugs langsam zu stottern und wir beschlossen die Energiespeicher aufzutanken. Das Essen ließen wir recht üppig ausfallen und warteten in der Wirtschaft auch noch einen kurzen Schauer ab.

Die ersten par Meter nach dem Essen waren auch noch sehr gut fahrbar, doch dann überkam uns drei das komische Gefühl etwas abwesend zu sein, die Beine wurden schwer und alles ging nur noch sehr langsam. Jockel meinte, dass man sich so vielleicht nach einer Maggrijuhanazigarette fühlen könnte und Pda und ich konnten uns das irgendwie auch so vorstellen. Wie die faulen Hippies steuerten wir also den nächsten See an und machten die nächste Pause. Ich stiefelte auch einige Meter ins Wasser und wusch mir den Schlamm vom Vormittag von den Beinen, während Jockel und Pda sich über ihre Jugendmusiken unterhielten. Irgendwann rafften wir uns dann aber auch wieder auf, denn wir waren ja nicht zum Spaß da und setzten die Reise auf diesen tollen Singletrails fort. Es war schon ein Nervenkitzel – links die schroffe Wand und rechts der Abgrund zum See und dann immer lang hin über Wurzeln, und Steine und ständig auf und ab. Ich hatte inzwischen bemerkt, dass ich auf diesen Wegen mit einem kleinen Gang deutlich besser klar kam. Und so machte es eine Mords Gaudi.

Als ich zwischendrin mal einen Augenblick Zeit fand um auf den Tacho zu gucken, musste ich erstaunt feststellen, dass es schon kurz nach drei war und wir schon über 90 km weggebückt hatten. Nach weiteren 10 km – also insgesamt 104 – erreichten wir schließlich wieder Fürstenberg. Noch schnell ne Cola geschlürft und dann kam auch schon der überfüllte Zug zurück. Die Schaffneuse gestattete uns fein gekleideten und wohlriechenden Herren dann sogar uns in die erste Klasse zu setzen. Weitere Leute die trotz des Gestankes auch auf diese Idee kamen, wurden nach einem Personalwechsel auch sofort wieder verscheucht. Jedenfalls kamen wir gut in Berlin an.

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