Die TRASSE

Der Tourbericht von Rikman

Trasse, die; -, -n Verkehrsw. Techn. (abgesteckte, festgelegte) Linienführung eines Verkehrsweges, einer Fernleitung: die T. der projektierten Umgehungsstraße; die T. der U-Bahn durchschneidet die Stadt von einem bis zum anderen Ende; eine T. für e. Erdölleitung, Kanal, Straßenbahn; bemannte Flüge auf der T. Erde — Mond; die Arbeiten an der 14 km langen T. sind im Gange; die Talsperre wird die an der T. der Fernleitung liegenden Landgemeinden mit Trinkwasser versorgen; trassieren, trassierte, hat trassiert dazu Luft-, Straßen(bahn)-, Tunneltrasse[1]

Schoene Beschreibung des Wortes “Trasse”, oder? Rob und ich wollten wissen, wie es sich in Realitaet verhaelt mit so einer Trasse. Ich meine, hier und da mal drei Kilometer bin ich ja auch schon auf einer traditionellen ostdeutschen, damals einfach brutal in den Wald geschlagenen Erdoeltrasse gerollt, aber eine Tour nur auf einer Trasse lang, das hatten wir — zumindest im ESK — noch nicht.

Wurde also Zeit, dass da mal was ausgeheckt werden musste. Letzte Woche habe ich ja von meiner Singlespeed-Runde durch den Sand berichtet und hatte einige Fotos von richtigen Maennerwegen (damit ist in diesem Fall der Trassenkontrollweg gemeint) veroeffentlicht. rob schrieb daraufhin per PM, dass es vielleicht mal ratsam waere, mit dem ESK eine Tour nur auf so einer Trasse wegzureissen. Nachdem ich mein Top50 angeworfen hatte und mir schnell einen Ueberblick ueber die Entfernung einer Erdoeltrasse zu Orten mit guter Verkehrsanbindung verschafft hatte, bekam rob innerhalb von fuenf Minuten Antwort: Von Koenigs Wusterhausen (KW) nach Lutherstadt Wittenberg sollte unsere Tour gehen. Entlang oder besser gesagt, auf der Erdoeltrasse, die von der Raffinerie Schwedt direkt in unser Lieblings-Chemieindustriegebiet bei Bitterfeld fuehrt. Laut meinen Messungen in der Top50 sollte die Strecke 107 km lang sein.

rob sagte sofort zu und wir machten Samstag als den Tag aus. Leider kam rob was dazwischen, aber ein Eisenschwein waere kein Eisenschwein, wuerde er nicht einfach sagen: “Ok, dann machen wir’s halt Sonntag”. Frueh um 8.02 Uhr stiegen wir in den RegionalExpress, der uns von Ostbahnhof nach KW bringen sollte. Mit uns im Fahrradabteil eine Horde Neuntklaessler auf Klassenfahrt. Waehrend sich die Maedels langweilten, spielten die Jungs Skat (anstatt sich mit den Maedels zu beschaeftigen). Na ja, vielleicht ist man ja in dem Alter noch nicht “so”.

Wir stiegen dann in KW ueber die Taschen von den Gruetzen und verliessen den Zug. Rob fummelte auf dem Bahnsteig erst mal an seinem Tacho — erfolglos, er war nicht zu einer korrekten Anzeige von Geschwindigkeit und Strecke zu bewegen. Nach kurzer Zeit verliessen wir KW und stachen in den Wald. Wir mussten erst einmal den Weg bis hin zur Trasse ueberbruecken — ca. 20 Kilometer. Fuer eine Wegbeschreibung moege der geneigte Leser doch bitte in meinen Tourbericht von letzter Woche schauen, genau so sind wir naemlich auch gefahren.

Gluecklicherweise war die Trasse genau im gleichen Zustand, wie schon letzte Woche: Sand. Ich meine richtig viel Sand. rob hatte ein fieses Grinsen in den Backen, als er das sah und ich denke, mir ging es aehnlich. Wir drueckten wie die Tiere durch die Zuckersandfurchen. Das Vorderrad suchte sich seinen Weg und schlingerte dabei 50 Zentimeter nach links und rechts. Keine Chance, dem Rad auch nur grob die Richtung vorzugeben. Hin und wieder wurde der Sand so tief, das nichts mehr ging. Das Laufrad stand dann bis ueber die Felge im Sand. Kurz an den Wegesrand (welcher Rand eigentlich?) getragen und weitergefahren. Meter um Meter kamen wir voran. Kein Gedanke verschwendet an: “Schaffen wir es heute noch?”, “Haben wir genug zu trinken?”, “Gibt es hier wilde Tiere?”, “Sind wir eigentlich totel bescheuert, so eine Aktion hier durchzuziehen?”.

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