Abendliche Flitzerrunde bei Potsdam

Der Tourbericht von Nautilus

Wechselbad der Gefühle und die Mutation

Da ich ja nun endlich die hohe Ehre habe mich auch ein Eisenschwein (wie ihr unten seht habe ich dies natürlich auch sofort für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht) nennen zu dürfen, will ich natürlich auch gleich meinen dadurch erwachsenen Verpflichtungen nachkommen und den Bericht zur gestrigen Tour verfassen:

Nachdem ich es grade noch zur S-Bahn geschafft habe und dann 37 Minuten entspanntes rumhängen zwischen den in Berlin so reichlich vorhandenen unterschiedlichen Charakteren (meine gestrige Psychoanalyse eines jeden einzelnen würde diesen Bericht sprengen) genießen konnte, traf ich bereits auf dem Bahnsteig auf einen leicht verwirrten Menis. Die Fahrt in dieser unheimlichen, gelben Schlange mit ungewissem Ziel hatte ihn doch sehr mitgenommen und so musste er sich erst mal den Angstschweiß von der Stirn wischen. Meine beruhigenden und aufmunternden Worte holten ihn jedoch sogleich zurück in die Realität und sein Puls schien sich relativ schnell wieder auf normalem Level einzupendeln (bei den gemeinsamen Ausfahrten mit dem Zweirad sieht das normalerweise umgekehrt aus und ich habe die Gelegenheit gerne wahrgenommen mich auf diesem Wege einmal zu revanchieren).

Draußen traffen wir dann (absolut pünktlich) auf Jockel, EL, Rob und Rikman (welcher erst noch seinen fetten Döner zuende lutschen musste). Jockels Versuch gleich an der ersten Ampel den Kader erheblich zu reduzieren schlug zum Glück fehl und wir alle machten uns lebend auf den Weg um Husten noch aufzusammeln. Dann ging es auf in die Ravensberge.

Nun verblasst leider meine Erinnerung. Manchmal hat man halt so Tage da weiß man bereits beim aufstehen, das dieser Tag irgendwie sch**** wird. Für mich war heute genau solch ein Tag. Schon die erste Steigung war extrem Steil, mit einigen von Jockel so geliebten Zuckersandpassagen. Mein Puls fing sofort an zu hämmern und ich machte mir ernsthaft Sorgen darüber, das meine Rübe vielleicht demnächst mit einem großen Knall einfach platzen würde. Ich tat mein bestes und quälte mich hinauf, doch es half einfach nichts, der Kader verschwand unausweichlich aus meinem Blickfeld. Hätte nicht Rikman das ein oder andere Mal durch technische Probleme den vorwärtsdrang der Gruppe gebremst, hätte ich mich wahrscheinlich relativ bald freiwillig und selbständig im Zuckersand vergraben. Als mein Hirn schon Fatahmorganas von Schnitzel und Bratkartoffeln vor meine Augen projizierte, musste ich mit schrecken erkennen das wir erst 9km zurückgelegt hatten. Wie sollte ich diese Tour nur überstehen?

Als wir nach 15km die Ravensberge verließen, verabschiedeten sich Rikman und Husten da sie sich mit ihren SS den weiten Weg bis zur Oase nicht zumuten wollten. Ich muß zugeben das auch ich kurzzeitig daran gedacht habe das Tagewerk an dieser Stelle zu beenden, diese Schmach wollte ich mir dann aber doch nicht zumuten. Dementsprechend riss ich mich zusammen und heftete mich an die Hinterräder der anderen. Zunächst durchquerten wir dann Potsdam und zu meinem Erstaunen fühlte mich auf einmal etwas besser. Es gelang mir sogar an der Gruppe dranzubleiben ohne diese durch meine Langsamkeit weiter zu Zwangswartepausen zu veranlassen. Als wir dann dass Babelsberger Schloß passierten, beschloß ich dieses als kleinen Sommerwohnsitz für meine Zukunft einzuplanen. Diesen schönen Tagtraum musste ich jedoch jäh unterbrechen und mich wieder auf das Treten konzentrieren. Dann ging es vobei am Griebnitzsee, dem Wannsee, dem Nikolassee, der krummen Lanke und diversen anderen Seen in Richtung Oase. Als Menis an einer Stelle mit Jockel die Diskussion über den besten Weg dorthin eröffnete bekam ich noch mal kurzfristig Angst: Mensch Menis, schoß es mir durch den Kopf, meine Zunge hängt etwa auf Tretlagerhöhe und du forderst den Oberst heraus. Das kann nur furchtbar werden. Der Oberst verschärfte auch sofort das Tempo und zu meinem Erstaunen schaffte ich es dranzubleiben. An der Oase standen dann 40km auf dem Tacho und ein noch grade so annehmbarer Schnitt von 19km/h. Das Schnitzel war nah und ich war glücklich.

Und dann kurz nach dem tapferen verschlingen des Schnitzels (an dem schlechten Wetter heute sind andere schuld, ich hab das Schnitzel nur so weggeatmet), passierte das unfassbare: Der SAUFKOP tauchte auf und sorgte dafür das ich nun endlich auch die Mutation vom Mensch zum Tier durchleben durfte. Natürlich nicht nur irgendein Tier wurde aus mir, sondern eben eins der seltenen, elitären Rasse der Eisenschweine. Voller Stolz werde ich am Sonntag beim Marathon in Altenau die sofort von Menis bereitgestellte Leihgabe der Öffentlichkeit präsentieren: das Eisenschweintrikot.

Spätestens jetzt sollte über die Neuauflage dieses Trikots nachgedacht werden. Sonst muß ich mir wohl selbst eins malen (oder hat vielleicht noch jemand eins abzugeben?).

Völlig beseelt von diesem weltbewegendem Ereignis nahm ich dann die restlichen Kilometer nach Schöneberg unter die Stollen, viel tot ins Bett und träumte von den unglaublichen Abenteuern eines Eisenschweins. Heute früh beim Aufstehen hab ich mich dann auch gleich besser gefühlt als gestern.

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