Langschläfertour

von Nautilus

Nachdem ich mich für einen Sonntag unglaublich früh aus den Federn gequält habe und zum Telefonhörer griff, war ich zunächst erleichtert das die Stimme von Arthur mir verriet, das ebendieser sich in genau dem selben “Morgenmuffelzustand” befand wie ich. Wir beschlossen also uns in der S-Bahn nach Oranienburg zu treffen. Danach brach wilde Hektik aus um das sportlich gewählte Ziel (Abfahrt der S-Bahn um 11:36) auch zu schaffen. Leider ist Schnelligkeit am Sonntag morgen nicht so mein Ding. Dementsprechend musste ich das Wechselgeld im Automaten zurücklassen um die bereits am Bahnsteig nervös wartende S-Bahn (der unangenehme Warnton erklang bereits) mit einem beherzten Sprung noch zu erreichen.

An der Station Bornholmer Straße gesellte sich Arthur dazu und packte erst mal sein Frühstück aus (dazu hatte es zu Hause wohl nicht mehr gereicht). Die Fahrt in der S-Bahn dokumentierte bereits, dass der Frühling vor der Tür steht: Irgendwie schoß mir durch den Kopf, dass nach der beim nightride gegebenen Beschreibung die restlichen Insassen des Zugs eigentlich beim RTF sein sollten. Was in aller Welt machen die hier auf dem Weg nach Oranienburg? Ich sah dann doch davon ab sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie leider in die falsche Himmelsrichtung unterwegs sind.

Nach kurzer Rücksprache waren Arthur und ich uns darüber einig, dass dieser Tag im Zeichen der “Grundlagenausdauer” stehen sollte. Auf dem Programm stand Oranienburg-Neurupin. Da Jockel uns leider nicht begleiten wollte waren wir jedoch auf das intensive Kartenstudium angewiesen (wie sich zeigte war diese Annahme richtig).

Bereits der gemütliche Ritt durch Oranienburg und den dortigen Schlosspark endete an einem Kanal. Wie das nun mal so ist schlugen wir natürlich den Weg in die falsche Richtung ein. Nur der üble Geruch des stehenden Gewässers hielt uns davon ab dieses schwimmend zu durchqueren und wir zogen es doch vor die Karte zu rate zu ziehen. Als wir dann wieder auf dem vermeintlich richtigen Weg waren, reifte in mir der Gedanke doch vielleicht demnächst mal bei Arthur nach etwas Vollgefedertem zu schauen. Die alte Poststraße nahm mich auf meinem Hollandrad doch etwas mit und Arthur schien darüberzuschweben ohne auch nur etwas vom Kopfsteinpflaster zu merken. Als er dann sogar mit dem Vorschlag kam mal eine Tour über alle Poststraßen Brandenburgs zusammennzustellen, zweifelte ich etwas an seinem Gemütszustand. Konnte die Sonne bereits in dieser Jahreszeit derartige Schäden verursachen?

Da Arthur die Karte hatte kann ich jetzt leider den genauen Weg nicht mehr wiedergeben. Auf jeden Fall waren einige Stops zum Kartenstudium angesagt, welches uns jedoch nicht davor bewahrte teilweise im Kreis zu fahren, doch wieder an irgendeinem Wassergraben ohne Brücke zu landen oder einfach die ein oder andere Sackgasse zu erwischen. Aber: Der Weg ist das Ziel!!

Nachdem wir eine eindeutig im sozialistischen Kolchosenstil entstandene Weide (eine einzige Weide bis zum Horizont) überquert hatten machten wir eine kurze Rast. Hierbei stellten wir fest das unsere kleineren Umwege dafür gesorgt hatten das wir etwas hinter dem Zeitplan waren (ich hoffe es waren wirklich die Umwege und nicht wieder meine Langsamkeit). So mussten wir einige Kilometer Asphalt einstreuen um das Ziel noch pünktlich zu erreichen.

Auf der letzten Etappe durch den Wald fanden wir dann noch eine Bahnstrecke, die wir eigentlich hätten Fotografieren sollen. Damit hätten wir Jockel eine unlösbare Aufgabe stellen können, war der letzte Zug hier doch wahrscheinlich noch vor Erichs Zeiten langgefahren.

Wir kamen also pünktlich in Neurupin an und hatten sogar noch zeit uns mit einem kühlen blonden und weiteren lokalen Köstlichkeiten zu stärken bevor der erneute Kampf um einen angemessenen Platz im Zug nach Berlin angesagt war. Komisch, dass die anderen Insassen das mit der falschen Himmelsrichtung offensichtlich zu spät bemerkt haben und uns jetzt wieder belästigten.

Alles in allem eine sehr gelungene Tour zum Training der Grundlagenausdauer und zum Sonnetanken.

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