Wir haben ihn besiegt, den Schneematsch

Von einem der auszog, die Stecknadel im Heuhaufen zu finden…
von ritzelflitzer

Meine Tourvorbereitung war eigentlich ideal, nichts hätte schief gehen dürfen. Pünktlich um 8.00 Uhr aufgestanden, Aldi geplündert, Bike abgeschmiert und die Glatzen gegen Spikes getauscht. Noch ein Telefonat mit PDa geführt, der am Freitag von einem Auto aufgespießt wurde (ihm ist nichts passiert). So, nun kann’s losgehen, in 14 Minuten bis zum Alex ist eins unserer kleineren Übungen. Denkste Puppe, völlig vergessen, dass diese Spikereifen auf der Straße einen Reibwiderstand wie ein Panzer haben und der Wind in Orkanstärke mir ins Gesicht schlug, musste ich sämtliche Kräfte aufbieten, um halbwegs pünktlich am Alex anzukommen. Es war der Kampf gegen die berühmten Windmühlen, der nicht zu gewinnen war. Ich habe eigentlich nichts gegen pünktliche Bahnen, aber kann nicht in so einem Moment mal die S-Bahn 30sec später abfahren? Der Rest war warten…

Völlig verzweifelt und keine Telefonliste dabei, um die dahinziehende Meute noch aufzuhalten, stand ich 20 Minuten wartend im zugigen Bahnhof. Der Frust über diesen verpatzten Start war größer als die Kälte die in einem langsam eindrang. Schwankend zwischen der Entscheidung der Truppe ohne Kartenmaterial zu folgen oder eine eigene Tour zu starten überwand ich die Zeit bis zur nächsten S-Bahn in Richtung Strausberg Nord. In der S-Bahn fiel mir ein, PDa anzurufen, den der müsste die ESK-Rufnummerliste haben, leider keiner mehr zu Hause. Beim Durchblättern meines Adressbuches tauchte noch ein bekannter ESK-Name auf: HUSTEN. Der saß (mein nachträgliches Beileid) im Büro und musste selbstständig sein. Er hatte die Rikmansche Händi-Nummer- ein Hoffnungsschimmer – leider vergebens, es ging keiner ran, seine Mehlbox besprach ich dann in einem leicht depressiven Anfall.

Den Rest der Bahnfahrt überlegte ich, wie ich am besten der Gamengrund erreiche oder mir noch Kartenmaterial in Strausberg-Stadt besorge. So etwas war aber nicht in diesem Kaff ohne Aufwand zu besorgen, also ab ins Blaue. Kurz vor dem Eintritt in die matschige Waldgegend stand verlassen ein ohne Grafitti beschmierter Plan an der Straße, auf dem gerade noch der Gamengrund zu sehen war. Hunderte Möglichkeiten dahin zu kommen, den Vortrupp dort anzutreffen eher unwahrscheinlich.

Also eigene Tour fahren und trotzdem Spaß haben. Der konnte einem ziemlich schnell vergehen, als man die geräumten Straßen verließ und in die zwar weißen aber vollig nassmatschigen Waldwege einbog. Spikereifen halfen hier überhaupt nicht, nur die groben Stollen gaben einen den nötigen Halt. So lullerte ich schlingernd bis zur Wesendahler Mühle. Hier traute ich meinen Augen nicht, 3 Spuren im Schnee, eindeutig als MTB-Reifen auszumachen, teilweise schon zertrampelt von Fußvolk und von Forstfahrzeugen überlagert. Das war ein schlechtes Zeichen, der Abstand schien mir unaufholbar. Irgendetwas beflügelte mich und zwang mich kräftiger in die Pedale zu treten.

Endlich nur Spuren von MTB-Reifen, jetzt ging es an die Identifizierung: Eine Spur, halb so breit wie mein Reifen, zog sich wie ein Lineal durch den Schnee. Das konnte nur Jockel sein. Die andere Spur fast immer parallel zur Referenzlinie zeichnete sich durch wenig Profil aus, das konnte nur der unerschrockene Rikman sein, mit seinen Glatzenreifen. Und eine dritte Spur die schlingernd Rikmans Furche folgte war mir völlig unbekannt. Aber in der Teilnehmerliste hatte sich auch ein Unbekannter namens Rostsammler angekündigt. Rostspuren waren aber nicht auszumachen.

Die Fährte war entziffert die Aufholjagd konnte beginnen. Also kräftig in die Pedale getreten, Geschwindigkeit aufgenommen, schlingernd der Spur folgend, immer wieder durch Matschlöcher ausgebremst holte ich aus meinem Körper raus, was rauszuholen war. Wenn ich weiter so reintrat, dann falle ich tot um, wenn ich sie doch einholen sollte.

Bei der Unterquerung eines quer liegenden Baumstammes konnte ich feststellen, dass Rostsammler kein langer Lulatsch sein kann. Alle drei unterquerten das Orkanopfer ohne abzusteigen, ich langes Elend musste runter vom Rad, da ich sonst mit dem Rucksack hängenblieb. Und an einer Steigung traute ich meinen Augen nicht, da ist doch glatt einer abgestiegen, wo zwei andere noch locker den Anstieg bezwangen. An einem Unterschlupf waren Spuren eines Gelages zu erkennen, die weiterführende Fährte war auch deutlich frischer. Die Pause war also etwas länger. Sie konnten nicht mehr weit sein. Und einen Kilometer weiter nach insgesamt 20km, war auch schon der Voraustrupp in Sicht. Ein letzter verzweifelnder röchelnder Urschrei ließ die Truppe erstarren. Die konnten wie ich selbst nicht ihren Augen trauen. Der Rest ist bekannt….

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