Wieder so ein Eisritt.

Rifli hatte schon wieder so ein Gesicht drauf, als würde er sich jeden Moment von uns in sein Wohnzimmer wegbeamen wollen. Ich tröstete immer, dass “da vorne” die Straße kommt, und dahinter wird es dann besser. An der Straße angekommen, war er drauf und dran sich von den Eisenschweinen davonzustehlen, was wir ihm aber mit allerhand niederträchtigen Drohungen ausreden konnten (“Wenn du jetzt desertierst, dann schreiben wir böse, böse Sachen über dich im Forum”). Rifli ließ sich nicht lumpen und blieb bei uns (2 Punkte). Rob wartete übrigens schon seit geraumer Zeit an besagter Straße auf die Nachhut. Aus rätselhaften Gründen schien es ihm geradezu leicht zu fallen, sein Gaul über den überaus hinterlistigen Eisboden zu scheuchen (1 Punkt). G. blieb ruhig und biss. Er malträtierte mit seinem Enduro-Dingens die interessant anzusehenden Spurrillen (1 Punkt) und tat dies mit beispiellosem Schweigen (1 Punkt). Ich fluchte vor mich hin, was aber eigentlich nichts Besonderes ist, da ich dies oft tue. Aber heute war ich schon etwas lauter, glaube ich (1 Punkt).

Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, wir waren also alle an dieser Straße versammelt und hatten übrigens gerade mal eine 2800 Meter lange Schneise durch das Eis gepflügt und dafür schon sagenhafte 27:30 Minuten gebraucht. Der geneigte Leser möge sich die dazu passende Durchschnittsgeschwindigkeit selbst ausrechnen. Wer dazu keine Lust hat, dem gebe ich einen kleinen Tipp: 6,1 km/h! Es ist nicht undenkbar, dass uns jemand mit einem elektrischen Rollstuhl überholt hätte.

Weiter ging’s. Rob in seinem Geschwindigkeitswahn meinte, er müsste als erster losfahren, wurde aber gleich auf den Boden der Realität zurückgeholt. Wörtlich gesehen: Platsch und er setzte sich in eine von einer dünnen Eisschicht überzogenen Pfütze (1 Punkt). Dies war der erste Abgang des Tages und wurde zumindest von mir mit frenetischem Applaus gefeiert (1 Punkt). Ich glaube aber auch einen Anfall von Schadenfreude in den von Schmerz zu Fratzen verzerrten Gesichtern von G. und rifli gesehen zu haben (je 1 Punkt). Wir fuhren also die nächsten 2 Kilometer um dort – wieder einmal – innezuhalten. Dort wurde sogleich begonnen, über die gesehenen, nicht von uns stammenden Fahrradspuren im Schnee-Eis zu konferieren. Rob meinte, dies wäre bestimmt jockel gewesen, der hier seine täglichen 230 Trainingskilometer abgerissen hätte. Ich fügte an, dass er dies wahrscheinlich mit seinem Kinderhänger gemacht hat, was G. darauf brachte, dass dies ja unehrenhaft ist, da der Hänger ja in seiner Funktion Stützrädern ziemlich nahe kommt. Rifli merkte noch an, dass sein Durchschnittspuls, trotz der geringen Geschwindigkeit, dem eines Rennens sehr nahe kam.

An diesem Punkt wurde dann auch auf allgemeinen Wunsch hin die Route geändert, sprich gekürzt. Von Gamengrund und Eberswalde war nun keine Rede mehr, wir tendierten eher dazu, die Tour in einem Bogen wieder nach Strausberg zu führen. Es wurde ein abzweigender Weg gewählt, da dieser leichter fahrbar aussah, als die originale Strecke. Wie immer: Eigentor. Ich denke, wir hätten fahren können, wo wir wollten, es wäre nie etwas Anständiges dabei gewesen. Kurze Zeit später, ich kam nicht mehr vorwärts, rob war schon wieder aus meinen Augen, ritzelflitzer vor mir und nur G. dicht hinter mir, hat es mich gerissen und ich bin erst mal seelenruhig abgestiegen, habe zweimal tief Luft geholt und dann mein Bike in den Schnee getreten. Das tat unwahrscheinlich gute und ich machte ich wieder auf den Weg. Kurze Zeit später sah ich rifli und rob auf einer Wegekreuzung eine Bank warm halten und ihre Riegel aufzehren (je 1 Punkt). Die letzten 50 Meter habe ich mein Fahrrad dann geschultert und war so mindestens dreimal so schnell, als wenn ich gefahren wäre. G. kam fast gleichzeitig mit mir an und auch wir schmausten erstmal ein bisschen (auch je 1 Punkt).

rifli, g-punkt, rikman (v.l.)Ein Blick auf die Karte zeigte, dass wir von der letzten Pause gerade mal knappe 400 Meter geschafft hatten (je 1 Punkt ). Nun, da alle gesättigt waren, machten wir uns wieder auf, um die Waldwege unsicher zu machen. Einen Kilometer weiter kamen wir an eine interessante Kreuzung. Anders gesagt, rob wartete mal wieder auf die anderen drei (1 Punkt). An dieser Kreuzung mussten wir auf rob’s Anraten hin erst einmal zwei Umleitungsschilder für den motorisierten Verkehr so umstellen, dass nichts mehr klar war. Der vom Kraftverkehr benutzte Weg schien sensationellerweise fahrbar zu sein, was sich auch bewahrheiten sollte. Ich konnte meinem Tacho sogar Geschwindigkeitswerte nahe der 30 km/h entlocken und war erster an der nächsten Kreuzung. Rifli kam mit einer ziemlichen Verspätung nach und schob dies auf eine psychische Blockade. Er meinte, er bräuchte bloß etwas Eisähnliches zu sehen und schon wäre es aus. Dies sind wohl Nachwirkungen von letzter Woche, wo der Gute immerhin 6-mal vom Bock abgegangen war (1 Punkt nachträglich). Die folgenden paar hundert Meter fuhren sich recht gut, bis der ganze Mist wieder anfing. Alles wie gehabt: rob vorn (1 Punkt), rifli diesmal auch (2 Punkte), ich mich am Quälen (1 Punkt) und G. auch (1 Punkt). Irgendwann war dann wieder Zivilisation erreicht und wir freuten uns auf die Straße (das gibt es bei den Eisenschweinen normalerweise nicht, aber heute war auch nicht normal). Aber wieder gab’s einen mit der Klatsche. Die Straße durch die Siedlung “Friedrich-Schiller-Höhe” (jockel, das nächste Mal bitte einen historischen Abriss zu dieser Namensgebung; War der gute Herr Schiller vielleicht sogar schon mal persönlich hier?) war auch nur eine Mischung aus Schnee, Matsch und Eis. Also wie gehabt. Diesmal war aber G. erster (1 Punkt) und rob schwächelte hinten rum! Sehr interessant.

An einer befestigten Straße angekommen, wurde nun endgültig beschlossen, den Rest der Tour auf der Straße zu erledigen. Nach einer kurzen Bestaunung und köstlichen Amüsierens über die im Landkreis MOL (Märkisch-Oderland) fahrenden Autos (Golf I Cabrio TIEFERGELEGT, diverse verhunzte 3er BMW usw.) machten wir uns auf die Straße und gaben das, was unsere Beine schon die ganze Zeit machen wollten: Druck (je 1 Punkt). Bis nach 250 Metern rifli durch einen Platten stehen bleiben musste (1 Punkt wieder weg). Den folgenden Luftpumpenvergleich konnte ich für mich entscheiden (1 Punkt) und im Nu war das Pferdchen wieder fahrtüchtig. Mich auf eine schöne, lange Tour (knapp 9 Kilometer) durch Strausberg freuend, musste ich leider feststellen, dass es Abweichler in unserer illustren Gruppe gab, die mit dem S-Bahnhof Strausberg-Stadt vorlieb nahmen und sich gut 7 Kilometer schenkten. Nun, da ich in der Minderheit war, ließ ich mich überreden auch hier in die S-Bahn zu steigen (für alle 1 Punkt Abzug).

Die Tour war nun nach – jetzt kommt’s – 16,9 qualvollen Kilometern zu Ende und ich denke, alle waren auch ein bisschen froh darüber. Wie viel Punkte jeder bekommen hat, kann ich jetzt nicht sagen, aber ich habe die Stellen der Punktvergabe unauffällig markiert, so dass zumindest jeder der Teilnehmenden für sich zusammenrechnen kann, ob es sich heute gelohnt hat.

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