Supergeiles Wetter. Fast mehr Pausen als Fahrzeit!

von rikman

Alle Berliner haben es gelesen, es wurde für den 23.09.2001 eine Tour vorgeschlagen. Zuerst hatte sich cst dazu geäußert, die restliche Planung lag dann in den goldenen Händen von Arthur Dent. Treffpunkt war 9.45 Uhr am Ostbahnhof/Berlin, S-Bahnsteig Richtung Strausberg, Fahrtrichtung vorn.

Ich war das Wochenende mal wieder bei meinen Eltern (bei Königs Wusterhausen) zwecks Fahrrad-Bastelns, bin also schon um 7.00 Uhr aufgestanden. Eigentlich wollte ich vor 9.45 Uhr noch mal schnell in meiner Wohnung vorbeischauen und die Digitalkamera einpacken, was sich aber dann erübrigte, da ich meinen Schlüssel liegen gelassen hatte (ich habe ja eigentlich immer jeden Müll mit, bis hin zu Kabelbindern, aber den Schlüssel zu vergessen…). So kam ich dann gegen 8.45 Uhr am Ostbahnhof an und es war kalt. Also runter in die Wartehalle, in den Zeitungsladen und einen „SPIEGEL“ gekauft. Dann habe ich das Fahrrad irgendwo abgestellt und mich in die Zeitschrift vertieft. Was aber bei dem Rummel im Ostbahnhof nicht so leicht war. Irgendwann sah ich dann den einen Biker, den ich durch ein Nicken grüßte, was ihn allerdings nicht zu interessieren schien. Na ja, vielleicht war er ja noch etwas verpeilt um diese Uhrzeit. Zwischendurch habe ich dann immer mal wieder auf die Uhr geschaut und irgendwann war es dann tatsächlich 9.43 Uhr. Also los Richtung S-Bahnsteig, aber vorher noch schnell eine Kirschtasche gekauft. Lecker.

Oben angekommen (es war nun schon 9.45 Uhr) sah ich Kollege jockel grinsenderweise auf der Bank sitzen. Und niemanden weiter. Na ja, kurz begrüßt und schnelle Tourplanung gemacht. jockel meinte, es wäre besser bis Angermünde mit dem Regionalexpress (10.11 Uhr) zu fahren und nicht mit der S-Bahn bis Strausberg. Es wäre auch nicht so teuer, wenn alle die kommen wollten auch kommen würden. Mit dem „Schönes Wochenende Ticket“ (diese oder ähnliche Bezeichnung, k. A.) könnten nämlich 5 Mann fahren und Fahrradkarten hatte jockel auch noch einen ganzen Block im Portmonee. Meine Zustimmung hatte er und Arthur Dent, der mittlerweile auch eingetroffen war nickte auch. Fehlten bloß noch die anderen, die sich angemeldet hatten, cst und husten. Nun war es auch schon 9.55, jockel hatte das Ticket geholt und die Strausberger S-Bahn (mit der wir ursprünglich fahren wollten) fuhr ab. Wir beschlossen noch ein paar Minuten zu warten und schickten Arthur Dent als Spähtrupp los, der den S-Bahnsteig nach Bikern durchstöberte. Er kam ohne Erfolg zurück. Nun ja, nach ein bisschen lockerem Gelaber sind wir dann rüber gemacht auf den anderen Bahnsteig, wo unser Zug fahren sollte. Der kam dann auch pünktlich und wir hatten sogar das Fahrrad-Abteil für uns alleine. Die Fahrgastbetreuerin (das Wort „Schaffnerin“ gefällt mir persönlich besser) war freundlich und lieh jockel sogar ihren Kugelschreiber.

Nach einer knappen Stunde waren wir dann in Angermünde. Wetter war fantastisch, wolkenloser Himmel, dadurch logischerweise kein Regen oder Schnee, Temperatur angenehm mit 18 Grad Celsius. Arthur Dent musste auf Grund seiner mangelhaften Tour- Vorbereitung erst mal in den Bahnhofsladen und Riegel kaufen. Schäm dich! Dann ging es los. Wir fuhren die ersten Kilometer auf Straße/Plattenweg, was sehr angenehm war. Dann kamen wir nach Herzsprung, einem Kaff, in dem gerade die einzige Straße neu gemacht wird. Dort war ein wasserundurchlässiger Untergrund, welcher mit Pfützen übersät war. Ich hatte mir aufgrund des schönen Wetters natürlich keine Schutzbleche rangebaut, die beiden anderen Jungs waren da schlauer… Ich sah jedenfalls nach den drei Kilometern schon aus wie eine Sau. Aber wir schafften auch diesen Ort. Dann ging es in Richtung Bölkendorf, aber nicht ohne eine Führung durch unseren Historiker jockel, der uns etwas über alte U-Boot-Kommandobunker zwischen Herzsprung und Bölkendorf erzählte – und zeigte. Die Bunker gab es mittlerweile nicht mehr, wir stellten unsere Bikes in einem Anfall von Vertrauen unseren Mitbürgern gegenüber trotzdem einfach an den Straßenrand und tigerten zu Fuß eine Böschung hoch. Dann ging es kurz über einen Rübenacker (welcher einen schönen lehmigen Boden hatte) und jockel berichtete über die geschichtlichen Ereignisse dieses Platzes. Dann wieder über den Acker und die Böschung runter. Wieder Asphalt unter den Füßen klopften wir uns erst mal den Lehm aus den Cleats bevor es weiterging. Der nächste Ort war Bölkendorf, wo wir ganz schnell durch waren. Dann hieß es von jockel: „Da vorne leicht rechts den Feldweg“. Darauf Arthur Dent, der wie immer vorne fuhr: „Welchen Feldweg?“. jockel: „Hmm. Hier war doch immer ein Feldweg. Na ja egal, hier über den Acker.“. Also machten wir über den Acker. Zwischendurch sammelte ich mit meiner Kleidung ca. 50 von diesen 1 bis 1,5 cm großen Kletten auf. Sah richtig geil aus. Das einzige, wo die Dinger nicht halten, sind die bloßen Hände. Also mussten wir schon wieder kurz anhalten, damit ich mich von den Viechern befreien konnte. jockel und Arthur Dent begutachteten derweil den Parsteiner See, an dem wir mittlerweile angekommen waren. Ihr glaubt gar nicht, wie schön das Land Brandenburg sein kann. Man muss eben nur wissen wo… Weiter ging es. Nach kurzer Zeit überquerten wir einen Zeltplatz, was jockel dazu veranlasste folgenden Satz von sich zu geben: „Ich könnte es mir gut vorstellen, meine Wochenenden hier zu verbringen.“, was er natürlich nicht ernst meinte, uns aber sehr amüsierte. Nach dem Zeltplatz ging es dann auch richtig los mit Gelände. Wir mussten eine recht lange Steigungspassage hoch, welche als Untergrund das ach so geliebte Feldsteinpflaster hatte. Die beiden anderen schien das nicht zu interessieren und bolzten da rauf, während ich es – durch meinen mehrjährigen Trainingsrückstand auf die beiden – etwas ruhiger angehen ließ. Solange noch Sichtkontakt herrscht geht es ja, sag ich mir immer. Oben angekommen (117,9 m, ich habe leider den Namen von dem Berg vergessen, da müsste jockel mal kurz einspringen), konnten wir über den Oderberger See auf die „Neuenhagener Insel“ schauen. jockel erklärte uns anhand einer Karte übrigens im Zug schon, warum das Ding „Insel“ heißt. Ich habe jetzt aber keine Lust das noch mal zu erzählen. Kommt einfach das nächste Mal mit.

Auf diesen Berg folgte eine ziemlich geile Abfahrt worauf wiederum ein Feldweg mit Spurrillen auf dem Programm stand. Da kamen wir alle drei ziemlich ins Schlingern. Wir kamen in den Ort Oderberg und mein Tacho zeigte nun noch interessante 2 Meter über Normal Null an. Wir überquerten zum ersten Mal an diesem Tag die „Alte Oder“. Dann ging es raus aus dem Ort und Richtung Polen. 5 Kilometer vor der Grenze befahl jockel „Hinter dieser Brücke rechts ab.“ Wir gehorchten und fanden uns auf dem technisch wohl interessantesten Stück unserer kleinen Tour wieder. Ihr müsst euch einen von mehrtägigem Regen getränkten Lehmfeldweg vorstellen, über den kurz zuvor schon Geländewagen und/oder Traktoren und/oder Panzer gerollt sein müssen. Teilweise standen (oder besser: fuhren) wir bis zum Tretlager im Modder. Bloß nicht absteigen hieß die Devise. Da das Zeug nicht abgeht, sondern sich sammelt, musste ich bald feststellen, dass ich in meiner Gabel locker eine 3 Zoll breite Downhill-Decke fahren könnte. Auf diese Größe war nämlich mein Reifen angewachsen. Allerdings war auch die Gewichtszunahme recht beträchtlich. Ich denke, so 15 Kilo wird das Bike schon gehabt haben zu dem Zeitpunkt. jockel sein Bike sah erstaunlich gut aus, aber Arthur Dent sein Eisenrad hat es schwer mitgenommen. Von der hinteren HS33 war gar nichts mehr zu sehen, vom Umwerfer ganz zu schweigen und wo sich Sattelrohr und Kettenstreben treffen hatte sich ca. ein Kilogramm von dem Modder festgesetzt. Als wir die Passage geschafft hatten (ca. 2 – 2,5 Kilometer) sagte jockel, das in ca. 3 Kilometer das Wochenendgrundstück von seinen Schwiegereltern ist, wo wir lecker Riegel-Pause machen könnten. Allgemeine Zustimmung folgte und wir fuhren weiter und passierten Neuenhagen (ihr erinnert euch: „Neuenhagener Insel“). Danach kamen wir dann irgendwann, nur nicht nach 3 Kilometern, sondern eher nach 5 oder 6 in Schiffmühle an, und ließen unsere Räder erst mal zu Boden sinken. Das eben erwähnte Grundstück lag vor uns. Wir ernteten je einen Apfel und setzten uns an die „Alte Oder“, die wir eben ein zweites Mal überquert hatten. Dort ließen wir uns erst mal 20 Minuten lang die Sonne auf den Pelz scheinen, denn es war wirklich ein supergeiles Wetter. Frisch gestärkt ging es dann weiter nach Bad Freienwalde. Knapp 5 Kilometer nach unserer letzten Pause entschlossen wir uns, erst mal einen Kaffee zu trinken. Nach 40 Minuten war auch das erledigt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir fast schon Parität zwischen Pausen und Fahren erreicht… Wieder auf den Bikes fuhren wir noch eine Ehrenrunde durch Bad Freienwalde und ölten dann noch schnell unsere Ketten, da diese durch die Lehmschlacht doch arg gelitten hatten. Zum Glück hatte Arthur Dent lecker Teflon-Öl dabei. Nun wurde es noch mal knackig. Wir lurchten durch die Berge des Landschaftsschutzgebietes Bad Freienwalde, bis wir am Bismarckturm angekommen waren. Da wir heute so gut im Pause machen waren, ließen wir es uns natürlich nicht nehmen auch hier kurz zwischenzuhalten. 2 DM für jeden und dann noch ein paar Treppen hoch, aber was man von dort oben sieht verschlägt einem echt die Sprache. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es so etwas im Land Brandenburg gibt! Den Ausblick kann man schwer beschreiben, man muss es sich einfach anschauen. Im Nordwesten sahen wir u. a. unser nächstes Ziel: das Schiffshebewerk Niederfinow. Wir also wieder tingeltangel die Treppe runter und auf die Räder. Noch ein wenig durch die Berge gemacht und Falkenberg (Mark) rausgekommen. Von dort schnell auf der Straße nach Niederfinow und das Schiffshebewerk bestaunt. jockel hatte natürlich auch dazu wieder viele historische Informationen, an denen er uns dort und auch schon auf der Hinfahrt im Zug teilhaben ließ. Nach dem Schiffshebewerk besichtigten wir noch die alte Schleusentreppe, wozu wir aber verbotenerweise einen Zaun überklettern mussten. Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen!

jockel schlug dann vor, dass wir nicht mehr bis Eberswalde fuhren, sondern schon in Chorin in den Zug hüpfen könnten. Allgemeine Zustimmung und Erleichterung machte sich breit. Nun noch schnell 5 Kilometer durch den Wald, was mir auf Grund eines beginnenden Hungerastes allerdings recht schwer fiel. Aber ich biss die Zähne zusammen. In Chorin schauten wir uns das Zisterzienserkloster an und ich pfiff mir noch mal zwei Riegel ein. Ab hier war es noch ein Kilometer zum Bahnhof. Dort wollten wir noch schnell ein Bier zischen, mussten aber feststellen, dass die allgemeine wirtschaftliche Lage auch vor dem Restaurant am Bahnhof nicht halt gemacht hatte und wir dort nichts mehr außer geschlossene Türen vorfanden. Also ließen wir uns noch eine halbe Stunde auf dem sonst leeren Bahnsteig nieder und chillten etwas vor uns hin. Irgendwann kam dann der Zug, der uns wieder in die „Heimat“ schaffen sollte.

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